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Auf die Straße für die Freiheit: 2.500 Menschen zogen am Samstag durch Rheinberg, um sich klar zu positionieren. NN-Fotos (4): Theo Leie
19. Februar 2024 · Sabrina Peters · Xanten

Demos gegen Rechts: „Wir sind viele“

In Rheinberg demonstrierten am Samstag 2.500 Menschen gegen Rechtsextremismus und für die Demokratie; in Alpen waren es am Sonntag nochmals 500

RHEINBERG/ALPEN. Erst spät hat Sarah Blome begriffen, was sie und ihre Mitstreiter am vergangenen Samstag in Rheinberg auf die Beine gestellt haben. 2.500 Menschen nahmen an der Demonstration „Berka bleibt bunt – Aufstehen gegen Rechts“ teil. „So voll habe ich den Marktplatz zuletzt vielleicht mal bei einem Konzert gesehen“, sagte Julian Heiermann. Blome und er gehören unter anderem neben Katja Gubesch und Leon Albrecht zum Team von „Berka bleibt bunt“, das vor vier Wochen die Demonstration gegen Rechtsextremismus mit „wahrscheinlich 100 Teilnehmern“ bei der Kreispolizei Wesel angemeldet hatte. „Dass es vermutlich mehr werden würden, kristallisierte sich bereits in den zwei, drei Tagen zuvor heraus“, berichtete Heiermann. Doch niemals hätten sie mit 2.500 Demonstranten gerechnet. „Diese habe ich auch erst sehr spät wahrgenommen. Wir liefen beim Demonstrationszug durch Rheinberg ja vorneweg und haben zwar gemerkt, dass es viele waren, aber wir konnten nicht einschätzen, wie viele. Irgendwann sagte eine Dame von DRK mal zu mir, dass ich sofort mal zur anderen Straße zurückschauen müsste. Erst da ist es mir bewusst geworden“, berichtete Blome.

Das insgesamt sechsköpfige Team von „Berka bleibt bunt“ wollte parteiunpolitisch ein Statement für Vielfalt setzen und den Zusammenhalt der freiheitlich demokratischen Gemeinschaft zum Ausdruck bringen. „Wir haben gesehen, dass es an vielen Orten Demonstrationen gegen Rechtsextremismus gibt – aber nicht in Rheinberg. Deshalb wollten wir eine friedliche und tolerante Demo von Bürgern für Bürger auf die Beine stellen“, erklärte Heiermann. Beides sei ihnen gelungen: „Wir sind sehr zufrieden.“

Anders als andere Demonstrationen in diesen Tagen stellte „Berka bleibt bunt“ wirklich die Bürger in den Mittelpunkt. „Was uns von allen anderen unterschied, war, dass wir eine bunte Vielfalt an Rednern hatten und keine parteipolitischen“, resümierte Heiermann. So sprach etwa Pascal Geßmann, Schülersprecher der Europaschule, Günter Mense vom Behindertenbeirat, Claudia van Bebber und Annelie Mai vom Seniorenbeirat sowie der Syrer Jussef Jussef, der seit mehr als 40 Jahren in Rheinberg lebt und sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Auch Rheinbergs Bürgermeister Dietmar Heyde durfte ans Mikrofon treten, „aber als erster Bürger der Stadt, nicht als Politiker“, betonte Heiermann.

Kein Strohfeuer

Alle 2.500 Demonstranten vereinte am vergangenen Samstag vor allem eins: Sie standen für Vielfalt, Toleranz und eine bunte Stadt ein und damit gegen Rechtsextremismus, Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt in Rheinberg. „Man hat gesehen: Wir sind viele“, sagte Heiermann. „Jetzt ist es aber wichtig, dafür zu sorgen, dass das kein Strohfeuer bleibt. Unsere Demokratie ist mit dieser einen Demonstration nicht gerettet. Wir müssen permanent da sein. Dass wir Vielfalt wollen, muss in den Köpfen sein. Dazu müssen wir weiterhin auf die Straße gehen und laut werden“, meinte Blome. Natürlich könne man aber nicht jeden Monat eine solche Demonstration veranstalten. „Wir sind aber dabei, weitere Veranstaltungen zu planen. Noch ist nichts spruchreif, aber wir wollen für unsere Demokratie weiterhin einstehen.“

Etwas kleiner, aber nicht weniger deutlich wurde am vergangenen Sonntag auch in Alpen demonstriert. Trotz Dauerregens nahmen etwa 500 Menschen an der dortigen „Demo gegen Rechts“ teil. Frederik Paul hatte die Versammlung angemeldet – als Privatperson, nicht als Lokalpolitiker. „Dass trotz des schlechten Wetters 500 Menschen gekommen sind, war für mich eine Bestätigung und eine schöne Sache. Es war eine Aktion, die den Menschen Mut geben und zeigen soll, dass Engagement sich lohnt“, meinte Paul.

Nawalny-Tod als Mahnung

Hinter der friedlichen Demonstration in Alpen steckte ein Bündnis von Politik, Wirtschaft, Kirchen, Gesellschaft und Sport. Auch hier sollte geschlossen und einheitlich gezeigt werden, dass Alpen bunt, offen und vielfältig ist. Wie wichtig es ist, dafür einzustehen und zu kämpfen, zeige gerade der Tod von Alexej Nawalny, der – wie am vergangenen Freitag bekanntwurde – in einem russischen Straflager gestorben ist. Der russische Oppositionelle wurde zuvor von der russischen Regierung verfolgt und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. „Er stand für die Werte ein, für die wir kämpfen. Sein Beispiel zeigt, was passiert, wenn eine Bevölkerung sich ihre Freiheit einschränken lässt“, sagte Paul am Sonntag. Deshalb müsse weiter für die Demokratie gekämpft werden: „Unsere Freiheit dürfen wir uns nicht nehmen lassen.“

Sabrina Peters
Auf dem Marktplatz in Rheinberg gab es kaum noch Platz.

Auf dem Marktplatz in Rheinberg gab es kaum noch Platz. Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten

In Alpen trotzten am Sonntag 500 Menschen dem Wetter, um für die Demokratie einzustehen.

In Alpen trotzten am Sonntag 500 Menschen dem Wetter, um für die Demokratie einzustehen. Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten

Die Menschen in Rheinberg hatten eine klare Meinung, die sie auf Plakaten kundtaten.

Die Menschen in Rheinberg hatten eine klare Meinung, die sie auf Plakaten kundtaten. Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten

Auf die Straße für die Freiheit: 2.500 Menschen zogen am Samstag durch Rheinberg, um sich klar zu positionieren. NN-Fotos (4): Theo Leie

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