Das war die Lesung zum Frauentag mit Autorin Heike Specht
Auf Schloss Wissen in Weeze ging es zurück in die 70er
WEEZE. Rund zwei Wochen nach dem Internationalen Frauentag am 8. März hatte die Gemeinde Weeze und die Diakonie im Kirchenkreis Kleve zur Lesung mit Heike Specht eingeladen. „Die Frau der Stunde“ heißt ihr erster Roman, aus dem sie auf Schloss Wissen las. Bislang hat die studierte Historikerin Sachbücher veröffentlicht, gebürtig ist sie aus Nürnberg und lebt nun seit zwölf Jahren in der Schweiz.
„Die Frau der Stunde“ führt zurück in die späten 1970er Jahre der Bundesrepublik. In die Zeit von verqualmten Räumen, Biedermeier-Schränken, dem Presseclub und Minibars mit Hochprozentigem. Eine Zeit, in der Frauen den Ehemann fragen mussten, ob sie arbeiten gehen dürfen. Genau dann, 1978, wird die Hauptperson des Buches, Catharina Cornelius, durch „Umstände“ Außenministerin. Specht recherchierte viel für das Buch, das einerseits reine Fiktion ist, andererseits reale Vorbilder kennt. „Mir hat es große Freude gemacht, die Charaktere zu entwickeln, auch die Nebenrollen habe ich versucht, glaubwürdig sein zu lassen.“
Zwischen einzelnen Abschnitten verriet Specht: „Ich verehre Frauen wie Rita Süßmuth für ihren Einsatz für die Gleichberechtigung.“ Genau wie andere Frauen gehöre sie zu den ganz wenigen, die sich in der politischen wie gesellschaftlichen Männerwelt durchsetzen konnten. „Auch Angela Merkel hat ein Zeichen gesetzt, dass Frauen Bundeskanzlerin werden können.“ Leider bemerkt Specht aktuell Rückschritte. Zurück zu einer breitbeinigen Männlichkeit, wie sie der amerikanische Präsident zeige: „Vielleicht ist es das letzte Aufbäumen dieser Generation, vielleicht deutet es tatsächlich eine Gegenreaktion dessen an, was lange erreicht wurde.“
Frauenfreundschaft und Frauenfreiheit sind weitere Themen des Buches. Ebenso Iran, der zunächst umjubelte Sturz des Schahs, dem ein noch schlimmeres Regime folgte. Auch die Thematik ist wieder brandaktuell geworden, ohne dass Specht dies vorhergesehen hätte. Erste Aktion des neuen Regimes im Iran war es übrigens, Frauen die Möglichkeit zu entziehen, als Richterinnen tätig zu sein und die Pflicht zur Verhüllung in der Öffentlichkeit. Es zeige leider auch: „Frauenrechte sind nicht in Stein gemeißelt, wir müssen weiter dafür kämpfen und uns vernetzen“, so Specht.
Spende für die Diakonie
Der Gin-Tonic, der in dem Buch eine Rolle spielt, inspirierte zum Pausensnack: ein „Gin-Tonic Muffin“ fand großen Anklang. Die Veranstaltung wurde ermöglicht durch Kooperationspartner: Volksbank an der Niers, Schloss Wissen, Teunesen Sand und Kies, der Gutsbetrieb Kalbeck, der frische Bäcker Reffeling sowie Westenergie.
So können die eingenommen Eintrittsgelder der Diakonie im Kirchenkreis Kleve zugutekommen. „Vielen Dank dafür“ sagte Petra van Bergen, Fachbereichsleiterin der Sozialen Dienste: „Wir können so Frauen unbürokratisch helfen, die zum Beispiel zur Sozialberatung oder zur Wohnungslosenberatung kommen“. Zusätzlich zu Problemen hätten Frauen oft auch wenig finanzielle Ressourcen. Der Dank von der Weezer Gleichstellungsbeauftragten Nicola Roth ging an die Kooperationspartnerinnen und die Gastgeberinnen auf Schloss Wissen.
„Gleichberechtigung ist ein Verfassungsauftrag, dem gibt es nichts hinzuzufügen. Deshalb stehen wir hier, stehe ich heute Abend hier und freue mich mit einem Abend wie diesem die Werte der Gleichstellung weiter voranzutreiben, denn mit „Frauen und Gedöns“ ist es nicht gelöst; Gleichstellung ist ganz viel Arbeit“, fasste Nicola Roth zusammen. Umso erfreulicher, dass am Ende der Veranstaltung durch das starke Netzwerk in Weeze 1.300 Euro an die Diakonie gehen können. Auch 2027 soll die Kooperation anlässlich des Frauentags wieder stattfinden, die Teilnehmer dürfen gespannt sein.
Bei der Lesung auf Schloss Wissen: (v.l.) Judith Busch (Schloss Wissen), Heike Specht (Autorin), Silke Imig-Gerold (Schloss Kalbeck), Nicola Roth (Gleichstellungsbeauftragte Weeze), Judith Hemeier (Business Women IHK Niederrhein), Petra van Bergen (Diakonie), Mehtap Grandt (Stv. Gleichstellungsbeauftragte Weeze). Foto: Diakonie im Kirchenkreis Kleve