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Freuen sich auf die kommenden Veränderungen für eine nachhaltige Zukunft im SOS-Kinderdorf Niederrhein: (V.l) Claudia Braß-Wissink, Peter Schönrock, Katrin Wißen, Torsten Borgards. NN-Foto: J. Kurschatke
17. Juli 2025 · Jacqueline Kurschatke · Kleve

Das SOS-Kinderdorf in Kleve blickt in eine grüne Zukunft

Sanierungsmaßnahmen sollen Klima- und Kinderschutz miteinander verbinden

MATERBORN. Das SOS-Kinderdorf Niederrhein in Kleve-Materborn beherbergt etwa 80 Kinder im Alter zwischen drei und 18 Jahren. Sie alle haben in dem Dorf ihr Zuhause gefunden und leben einen Alltag, der durch Einrichtungsleiter Peter Schönrock und sein Team, so normal wie möglich gestaltet wird. Doch schon seit Längerem sehen die Verantwortlichen ihre Schützlinge bedroht: nämlich vom Klimawandel mit Extremwetterereignissen und Hitzewellen. Aus diesem Grund ergreift das SOS-Kinderdorf nun bauliche Maßnahmen. Als „Klimadorf“ soll nicht nur der allgemeine Energieverbrauch gesenkt werden, das Dorf soll sich auch selbst versorgen können und gegen das wechselnde Wetter stärker geschützt sein.

„Unser Dorf wurde in den 60er-Jahren errichtet. Das bedeutet: viel Beton und im Sommer viel Hitze“, betont Peter Schönrock. 13 Wohngebäude und drei Gemeinschaftsgebäude sowie die Außenanlagen des Kinderdorfes sollen in den kommenden Jahren saniert werden, um sich an klimatische Veränderungen anzupassen. Dafür werden bis 2032 etwa zwölf Millionen Euro investiert – aus öffentlichen Geldern sowie Spenden.

Begonnen wurde mit der energetischen Sanierung der Wohnhäuser. Und das aus gutem Grund, berichtet Torsten Borgards, technischer Leiter des SOS-Kinderdorf Niederrhein: „Es nützt uns nichts, ein nachhaltiges Energienetz zu haben, wenn die Wände, Türen und Fenster in unseren Häusern nicht richtig isoliert sind.“ Nötig seien also umfangreiche Dämmungsmaßnahmen sowie ein automatisches Lüftungssystem, das für Erfrischung in den Innenräumen sorge, ohne Fenster öffnen zu müssen. Zusätzlich setzt der Experte auf Fotovoltaikanlagen auf den Dächern der Häuser und energiesparende Solewärmepumpen. Bereits zwei der 13 Häuser konnten in den vergangenen sechs Monaten umgebaut werden. Borgards zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben in den letzten Monaten viel Erfahrung gesammelt und glauben, dass wir die anderen Häuser noch schneller fertigstellen können.“ Während der Baumaßnahmen ziehen die Kinder in andere Wohnhäuser um. Die ersten Wohngruppen dürfen in drei Wochen nun aber endlich wieder zurück.

Fotovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Co. gehören im Kinderdorf zukünftig zu einem modernen „Anergienetz“ mit drei Eisspeichern und sogenannten Geokolektoren. Die Eisspeicher werden auf dem Gelände des Kinderdorfes in die Erde eingelassen, Geokolektoren ziehen Wärme aus dem umliegenden Erdreich. Überschüssige Energie, die in heißen Sommern produziert und in den Eisspeichern gelagert wird, kann so im Winter wieder abgegeben und beispielsweise zum Heizen genutzt werden. Ziel sei es, den eigenen Energieverbrauch um bis zu 85 Prozent zu senken. Die Energiekosten des Dorfes würden sich damit etwa halbieren.

Ein Problem bleibt aber bestehen: die Hitze im Sommer. Um für Abkühlung zu sorgen planen die Verantwortlichen eine ausgiebige Begrünung der Anlage mit Pflanzen an Fassaden und Dächern sowie eine Entsiegelung des Innenhofs für mehr Bäume und Grünflächen. Ein Regenwasserspeicher soll dem dorfeigenen Wasserspielplatz zu gute kommen. Hier können die Kinder an heißen Tagen spielen, matschen und das kühle Nass genießen.

Da diese vielen Veränderungen im laufenden Betrieb des Dorfes stattfinden, möchten die Erwachsenen auch die Kinder nicht unbeteiligt lassen. „Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir die Kinder bei der Planung integrieren können. Sie sollen merken, dass sie eine Selbstwirksamkeit haben und ihre Stimmen gehört werden“, betont Claudia Braß-Wissink, Leiterin im Bereich Hilfen zur Erziehung. Engagieren könnten sich die Kinder in verschiedenen Gremien. Dort werden Ideen gesammelt und besprochen, was wirklich umsetzbar ist.

Braß-Wissink und ihre Kollegen sehen in dem neuen Klimadorf schon viele Ansätze, das Zusammenleben im Dorf kreativ und ökologisch zu gestalten. Zusammen Beete bepflanzen oder aus alten Milchpackungen Vogelhäuschen basteln, geben schon jetzt und auch zukünftig einen Eindruck von Nachhaltigkeit und führen die Kinder schon früh an Umweltschutz heran.

Aktuell ist das SOS-Kinderdorf mit seinen vielen Betonbauten noch nicht an aktuelle Klimaveränderungen angepasst. Das soll sich bis 2032 ändern. Foto: SOS-Kinderdorf e.V

Aktuell ist das SOS-Kinderdorf mit seinen vielen Betonbauten noch nicht an aktuelle Klimaveränderungen angepasst. Das soll sich bis 2032 ändern. Foto: SOS-Kinderdorf e.V Foto: SOS-Kinderdorf e.V.

Freuen sich auf die kommenden Veränderungen für eine nachhaltige Zukunft im SOS-Kinderdorf Niederrhein: (V.l) Claudia Braß-Wissink, Peter Schönrock, Katrin Wißen, Torsten Borgards. NN-Foto: J. Kurschatke

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