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Die Eheleute Heribert (m.) und Ursula Hölz (r.) unterstützen seit den 1990er Jahren hilfsbedürftige Menschen und verschiedene Projekte in Bosnien. Dafür verlieh ihnen vor einem Jahr der damalige NRW-Ministerpräsdent Armin Laschet (l.) den Landesverdienstorden. Foto: Land NRW/Günther Ortmann
4. Juli 2022 · Kevelaer

Das Leid ist immer noch groß

Die Hilfe der Caritas Duisburg in Bosnien ist weiterhin unverzichtbar

KEVELAER. Bosnien, immer noch Bosnien. Heribert Hölz, Initiator und Beauftragter der Bosnienhilfe der Caritas Duisburg, lässt dieses Thema auch 30 Jahre nach Beginn des Bosnien-Krieges nicht in Ruhe. „Wir können die Menschen dort nicht allein lassen. Viele brauchen immer noch unsere Hilfe.“ Häufig hört er Sätze wie: „Die müssen doch allein zu recht kommen.“ Die Realität sieht anders aus, so seine Erfahrung. Viele Menschen seien sich mit ihrem Schicksal selbst überlassen, staatliche Hilfe oft nicht zu erwarten. Einige Dörfer sind verlassen, die jungen Leute zogen dorthin, wo es Arbeit gibt. Zurück bleiben die Alten, viele ohne Einkommen.

Alte und Kranke

„Wenn es auch ein Gebot der Stunde ist, den Menschen in der Ukraine beizustehen, denke ich auch an Menschen, die vergessen sind. Und das ist auch eine Katastrophe! Deshalb bleibe ich dabei, für Menschen Sorge zu tragen, an die niemand mehr denkt, wo absolut keine Besserung der Lebensumstände realistisch ist“, so Heribert Hölz in einem Rundschreiben an 150 Unterstützer der Bosnienhilfe. Darin hatte er ihnen Informationen über den aktuellen Projektstand zukommen lassen. Er ist den Spendern dankbar für die dauerhafte, finanzielle Hilfe. Einige haben sogar Daueraufträge einrichtet. Um zu beweisen, wie wichtig die Bosnienhilfe immer noch ist, hat er seinem Rundbrief ein Schreiben des Caritasverbandes Banja Luca beigefügt. „Es sind Viele, die niemanden haben. Es gibt auch solche Familien, deren Kinder im Ausland sind, aber nicht für die Eltern sorgen. Oft haben die Eltern seit Jahren keine Nachricht von den Kindern. Hier gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, dass die Kinder für die Eltern sorgen müssen.“ Eine der besonders stark benachteiligten Gruppen seien alte und kranke Menschen, die oft allein und verlassen, kümmerlich ihr Leben fristen müssten. „Rund 18,7 Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt. 40 Prozent der alten Menschen leben in extremer Armut. Sie haben ein Monatseinkommen von weniger als 105 Euro zur Verfügung“, ist in dem Schreiben des Caritasverbandes Banja Luca nachzulesen.

Als Folge der Pandemie habe sich die wirtschaftliche Situation zusätzlich verschlechtert. Vor allem die Preise für Nahrungsmittel, aber auch alle anderen Artikel, würden unkontrolliert steigen. Während in den Nachbarländern Maßnahmen gegen starke Verteuerung unternommen würden, machten die Politiker in Bosnien und Herzegowina nichts. Der Vertreter des Caritasverbandes Banja Luca dankt für die langjährige Unterstützung durch die Bosnienhilfe. Beispielsweise bei der Hauspflege alter und kranker Menschen und bei Essen auf Rädern. „Wir konnten in vielen Fällen helfen, die Not stark reduzieren und den Menschen Kenntnis geben, dass sie nicht alleine sind.“ Wie unerlässlich der langjährige Einsatz der Bosnienhilfe ist, beweist ein weiterer Dankesbrief. Schwester Stanislava von den Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu aus Slavonski Brod schreibt: „All diese Jahre können wir mit Ihrer Hilfe die große Freude der Gesichter von Menschen sehen, die auf Ihre Hilfe angewiesen sind. Gerade, als ich diese Danksagung schrieb, klingelten Bedürftige an unsere Haustür und ich freue mich sehr, dank Ihnen, dass ich denen helfen kann und deren Leid zum Teil mindern kann.“

Solche Danksagungen rühren Heribert Hölz zutiefst und bestärken ihn darin, weiter zu machen. Trotz seiner 79 Jahre gönnt er sich keine Ruhe. Jeden Werktag arbeitet er für sein Herzensprojekt, die Bosnienhilfe der Caritas Duisburg. Mal telefoniert er mit Institutionen in Bosnien, mal erledigt er Korrespondenz. Aktuell ist wieder die Zeit, Marmelade herzustellen. Sie wird später verkauft, der Erlös geht an die Bosnienhilfe. Jetzt herrscht in der Küche der Familie Hölz in Neukirchen-Vluyn Hochbetrieb. Ehefrau Ursula hat wie immer alles bestens organisiert. Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie ein Netzwerk von Obstlieferanten und Helfern auf. Die Sache läuft. „Pro Jahr sind es 1.000 bis 1.500 Gläser“, erzählt Heribert Hölz. Weit mehr als 50.000 Gläser Marmelade haben die Eheleute Hölz inzwischen zugunsten der Bosnienhilfe verkauft. Ans Aufhören denken beide nicht. „Solange Sie (Heribert Hölz) die Bosnienhilfe machen, unterstützen wir das Projekt“, bekam er jüngst als Antwort auf sein Rundschreiben. Wie lange die Eheleute Hölz noch so aktiv seien können, ist ungewiss. Im Oktober feiert Heribert immerhin seinen 80. Geburtstag. Kerstin Kahrl

Die Eheleute Heribert (m.) und Ursula Hölz (r.) unterstützen seit den 1990er Jahren hilfsbedürftige Menschen und verschiedene Projekte in Bosnien. Dafür verlieh ihnen vor einem Jahr der damalige NRW-Ministerpräsdent Armin Laschet (l.) den Landesverdienstorden. Foto: Land NRW/Günther Ortmann

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