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Die Arbeiten im Ahrtal schreiten voran.Fotos: privat
15. Juli 2025 Von NN-Online · Straelen

Das Ahrtal – vier Jahre nach der Flut: eine Baustellen-Welt

Maria Trösser und Marlene Leupers überreichen Spendengelder an betroffene Menschen im Ahrtal

GELDERLAND. Im Juli 2021 wurde das Ahrtal von der größten Naturkatastrophe Deutschlands der Nachkriegszeit heimgesucht. Die Erinnerungen der schrecklichen Bilder der vom Wasser weggerissenen Brücken und Häuser sind mehr oder weniger bei den Menschen präsent; seien es die Menschen im Tal, die die Flut erlebten und überlebten, sowie den vielen freiwilligen Helfern aus ganz Deutschland und den Nachbarländern.

Wurden in den ersten Wochen Schlamm, Schutt und Müll weggeräumt, waren es später die Stemmarbeiten der Helfer, um die Häuser zu entkernen und für den Wiederaufbau herzurichten. Spendengelder wurden gesammelt, die auf unterschiedlichsten Wegen das Ahrtal unterstützten.

So ging auch auf der monatlichen Irish Session in Wachtendonk ein Spendenhut für das Ahrtal herum und auch der Veranstalter Christoph Büskens (Altdeutsche Gaststätte Büskens) sammelte mit seinem Garagentrödel Geld für die Menschen im Ahrtal. Die Organisatorin der Irish Session, Maria Trösser, übergab bereits mehrmals die gesammelten Gelder aus dem Hut an Privatpersonen im Ahrtal, zuletzt im Januar 2024.

2.500 Euro gespendet

Bis zum Herbst 2024 waren wieder 2.500 Euro zusammengekommen, die sie nun gemeinsam mit Marlene Leupers zur letzten Übergabe an verschiedene Privatleuten im Ahrtal verteilte. „Ich war nun längere Zeit nicht mehr dort, und freue mich über die Entwicklung, die der Wiederaufbau macht“, erklärt Maria Trösser. „Immer wieder werde ich gefragt, wie weit es denn endlich voran geht? Die Antworten dazu sind zu unterschiedlich. Heute wird fleißig an den Bahngleisen und dem Ahr-Radwanderweg gebaut, hier gibt es endlich einen Vorstoß.“ „Als wir im Herbst 2021 durch das Ahrtal fuhren, lagen an den Ahr-Ufern Schutt und Geröll“, erinnert sich Marlene Leupers. „Heute liegen hier Sand und Kies und jede Menge Schüttgut für den Wiederaufbau des Radwanderweges und der Bahn. Das sieht man doch gerne!“

Fragt man die Menschen, wie es persönlich bei ihnen und in ihnen aussieht? „Die Aussagen hören sich so widersprüchlich an, und das ist die Realität“, ist die Wahrnehmung von Maria Trösser. „Wir sitzen in einem neu renovierten Restaurant, und gegenüber steht eine Wohnhaus-Ruine ohne Fenster, an der die Wasserstandmarke bis kurz unter dem Dachgeschoss erkennbar ist.“ Während die einen schon fertig sind, steht bei den anderen der Rohbau still. „Bürokratie halt. Sie ist einfach nur zermürbend“, berichtet eine Betroffene den beiden. „Wir werden durch Auflagen und Prüfungen ausgebremst. Hätte ich gewusst, welch ein Marathon vor mir liegt, hätte ich nicht wieder aufgebaut“, sagt sie resigniert, und heute doch voller Mut und neuem Tatendrang, da sie hartnäckig genug bei der ISB gewesen ist, bis ihre Akte endlich gezogen und abgearbeitet wurde, und nun weitere Gelder genehmigt sind.

Psychologische Hilfe

Wieder einmal hat Maria Trösser den Bus des ZKF entdeckt, der vom Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik gesponsert und in einen Besprechungsraum, Büro und kleine Küche umgebaut wurde. Hier holen sich die Menschen psychologische Hilfe in individuellen Gesprächen. Der Bus ist seit dem 30. November 2021 im Ahrtal mobil im Einsatz und wird mehr denn je angenommen.

Solida(h)rität im Ahrtal

Die Solida(h)rität ist im Ahrtal neu entstanden. Nicht nur, dass die vielen fremden Helfer von überall herkamen – und aus Fremde Freunde wurden – auch untereinander wurde geholfen. Man packte gemeinsam an und unterstützte sich gegenseitig. „Es ist heute schwieriger, Menschen zu finden, an denen ich die Spenden verteile. Die Frage ist heut nicht mehr: Wer kann es gebrauchen?, sondern: Wer hat es noch verdient?“, erläutert Maria Trösser ihre Suche nach „Kandidaten“. Denn mittlerweile gibt es wohl kaum jemanden der Betroffenen im Ahrtal, der keine Spende oder Unterstützung in irgendeiner Form erhalten hat.

„In diesen vier Jahren seit der Flut haben sich aber auch die Menschen verändert: Ja, es gibt Zusammenhalt, aber auch Nein, weil Neid sich unter den Bewohnern breit gemacht hat“, weiß Maria Trösser von ihrem Helfernetzwerk und den Gesprächen mit den Menschen. „Aus diesem Grund ist auch keiner, an denen wir heute die Spenden überreicht und verteilt haben, bereit, in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Und das ist zu respektieren.“

Menschen sind weggezogen, und kommen nicht mehr wieder, dafür haben wiederum Helfer ihr Herz im Ahrtal verloren, und sind hergezogen, starten einen Neubeginn ihres eigenen Lebens – ein Wandel der Zeit. Die Dorfgemeinschaften, die es mal gab, wird es so nicht mehr geben, sagen die Einheimischen, die geblieben sind. Erst wenn alle Häuser wieder fertig sind, wird sich eine neue Generation mit neuen Gemeinschaften entwickeln.

Maria Trösser und Marlene Leupers fahren gerne wieder ins Tal für Weinfeste und Wanderungen oder sonstigen kleinere Hilfen. Doch heute geht es erst mal wieder heim in ihrer heilen Welt, zurück aus der Baustellen-Welt des Ahrtals.

Session: Die nächste Irish Session auf der Weinstraße in Wachtendonk findet am Sonntag, 20. Juli, ab 14 Uhr statt.

Maria Trösser (l.) und Marlene Leupers besuchten erneut das Ahrtal.

Maria Trösser (l.) und Marlene Leupers besuchten erneut das Ahrtal.

Im Bus des ZKF erhalten die Menschen psychologische Hilfe.

Im Bus des ZKF erhalten die Menschen psychologische Hilfe.

Die Arbeiten im Ahrtal schreiten voran.Fotos: privat

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