Petra Verhülsdonk diskutiert Zukunftsideen für das MVZ Goch mit Beteiligten.
27. Oktober 2026 · Corinna Denzer-Schmidt · Goch

Brückenbauerin im Gesundheitswesen

Petra Verhülsdonk ist neue Geschäftsführerin des MVZ Goch

GOCH. Es gibt Momente im Leben, da weiß man „Das ist es!“ So ging es Petra Verhülsdonk, als sie die Anzeige sah, mit der eine neue Geschäftsführung für das kommunale Gocher MVZ gesucht wurde. Zuletzt hatte sie in Braunschweig den ambulanten Bereich eines Klinikums der Maximalversorgung geleitet und war dort unter anderem für die Entwicklung einer ambulanten Strategie im Zusammenspiel mit der übergeordneten Medizinstrategie des Klinikums verantwortlich.

Die Liebe hat mich an den Niederrhein gebracht“, lacht sie, „im Sommer 2025 bin ich dann umgezogen.“ Seitdem pendelte sie nach Niedersachsen - und weiß nun den Luxus eines kurzen Arbeitsweges zu schätzen. Noch bis zum Ende des Jahres arbeitet sie gemeinsam mit dem bisherigen Geschäftsführer Ulrich Knickrehm, ab dem 1. Januar 2027 dann allein. Ihr Dank gilt ihm genauso, wie auch Kämmerin Bettina Gansen und Gabi Theißen (Beauftragte Gesundheitsversorgung), die das Gocher MVZ in kurzer Zeit aufgebaut haben - am 1. Januar 2025 ist es an den Start gegangen.

Ihr Amt hat Petra Verhülsdonk am 1. September angetreten. Sie ist eine erfahrene Gesundheitsmanagerin und ausgewiesene Expertin für Medizinische Versorgungszentren und ambulante Versorgungsstrukturen. „Die ambulante Medizin ist mein berufliches Wohnzimmer“, erzählt sie im Gespräch mit den NN. Seit mehr als 36 Jahren ist sie im Gesundheitswesen tätig. Mehr als 20 Jahre arbeitete sie bei der Kassenärztlichen Vereinigung, unter anderem als Geschäftsstellenleiterin eines Zulassungsausschusses und als betriebswirtschaftliche Beraterin für Ärzte. Seit mehr als 15 Jahren ist Petra Verhülsdonk außerdem selbstständig beratend im Gesundheitswesen tätig. Als Geschäftsführerin mehrerer MVZ-Gesellschaften eines großen Gesundheitskonzerns verantwortete sie ambulante Strukturen an mehr als 20 Standorten mit über 70 angestellten Ärzten.

Mit diesem beeindruckenden fachlichen Hintergrund geht sie nun ihre neue Aufgabe in Goch an. „Man muss sich mit Engagement einbringen“, bringt sie ihre Motivation auf den Punkt, „ich bin überzeugt, hier etwas Gutes für Goch bewirken zu können.“ In den ersten Wochen hat sie sich erst einmal einen Überblick verschafft, in einigen Praxen hospitiert, mit den 45 Mitarbeitern des MVZ persönliche Kennenlern-Gespräche geführt und auch schon gemeinsam mit den Mitarbeitern die eine oder andere Stellschraube an bestehenden Strukturen gedreht. Die wichtigste Nachricht für die Gocher dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass ab sofort wieder kleine Patienten in der Kinderarztpraxis angenommen werden.

Das MVZ Goch hat inzwischen 7,5 Arztsitze, die sich auf acht Ärzte verteilen: haus- und kinderärztliche Versorgung sowie eine Praxis für Diabetologie am Standort Voßstraße. Dort hat Petra Verhülsdonk auch ihr Büro, im MVZ war einfach kein Platz mehr. „Ich möchte eine gemeinsame Unternehmenskultur entwickeln und November das Unternehmensbild vorstellen“, berichtet sie weiter. Petra Verhülsdonk findet offenes Feedback im Arbeitsalltag enorm wichtig. Nur so lasse sich Zukunft gemeinsam mit allen gestalten. Der weitere „Fahrplan“ für dieses Jahr steht ebenfalls: Im vierten Quartal sollen alle Prozesse und Strukturen, unter anderem Patientenströme effektiv leiten, etabliert sein. Außerdem möchte Petra Verhülsdonk Kooperationsverträge mit neuen Pflegeheimen schließen. Für 2027 lautet das Ziel „Stabilisierung und Sichtbarkeit.“ Denkbar wären hier zum Beispiel ein Gesundheitsforum, ein Tag der offenen Tür und ein Bürgerdialog. Nicht zuletzt ist für sie eine gemeinsame Stimme der kommunalen MVZ im politischen Leben essenziell: „Man könnte alle an einen Tisch holen und der Deutsche Städte- und Gemeindebund – eine Institution, die schon in Berlin vertreten ist - könnte Kooperationspartner eines Bundesverbandes werden.“ Damit ergäben sich für kommunale MVZ ganz neue Möglichkeiten, zu agieren.

Die „schwarze 0“ und der Blick auf Zahlen ist naturgemäß kein ganz unwichtiger Aspekt ihrer Tätigkeit, aber Gewinnabsichten stehen keinesfalls dahinter. Petra Verhülsdonk will den Blick auf die Menschen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit dem demografischen Wandel und Veränderungen, die damit einher gehen. Ein Thema dabei ist die verbesserte Behandlungsstruktur für geriatrische Patienten. Ein weiteres Ziel: Einen Psychotherapeuten nach Goch holen und wenn möglich, auch Arbeitsmedizin anbieten. Eines ist Petra Verhülsdonk ebenfalls sehr wichtig: Eventuelle Vorbehalte niedergelassener Ärzte abbauen. „Oft befürchten sie Konkurrenz von uns, aber uns geht es um die Daseinsvorsorge.“ Verschiedene Fachrichtungen müssten erhalten bleiben, denn eine Nachfolge für Praxen im ländlichen Bereich zu finden, werde immer schwieriger. „Da müssen wir kreativ werden“, weiß Petra Verhülsdonk. Dazu gehört für sie auch der Blick auf die sich verändernde Krankenhauslandschaft im Kreis Kleve, Stichwort „KarL32“: „Was passiert in Goch? Doppelstrukturen aufbauen oder in Konkurrenz zu gehen wäre das Schlechteste.“ Der Austausch mit allen Akteuren liegt ihr am Herzen.

Petra Verhülsdonk möchte das MVZ unter dem Leitgedanken „Zukunft gemeinsam gestalten“ als starken regionalen Gesundheitsanbieter weiterentwickeln. Dabei versteht sie sich insbesondere als Brückenbauerin zwischen den unterschiedlichen Akteuren der Gesundheitsversorgung. „Ich habe hier ein tolles Team gefunden“, freut sie sich auf die vor ihr liegenden Aufgaben.

Hintergrund

Es gibt in Deutschland 300 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), davon sind nur circa 80 bis 100 in kommunaler Trägerschaft. Letzteres hat der Gesetzgeber Kommunen 2015 ermöglicht.

Petra Verhülsdonk hat viele Ideen, wie die Zukunft des MVZ Goch gemeinsam mit allen Aktueren gestaltet werden kann. NN-Foto: CDS

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