Bleibt die Grundschule im Dorf?
Niers-Kendel-Schule: In der Schulausschuss-Sitzung am morgigen Donnerstag geht es um die Zukunft des Standortes Kessel
Schullandschaft
Bei der Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Digitalisierung am morgigen Donnerstag, 20. April, ab 18 Uhr, im großen Saal des Rathauses, steht nur ein einziges Thema auf der Tagesordnung: die Neuordnung der Gocher Grundschullandschaft. In der Beschlussdrucksache heißt es, dass weder der Standort Asperden (Klassen 1 und 2) noch der Standort Kessel (Klassen 3 und 4) in ihrem jetzigen Bestand für den Schul- und Betreuungsanspruch genügen beziehungsweise „erst recht nicht für eine erforderliche Eingangsklassenerhöhung“. Ein Ergänzungsgutachten zur Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes hatte prognostiziert, dass es in Goch zukünftig eher 16 statt 14 1. Klassen geben müsse. Die Drucksache nennt nun drei Varianten, mit denen reagiert werden könne: Umbau und Erweiterung der beiden bestehenden Teilstandorte; Erweiterung des Bestandsgebäudes in Asperden unter Aufgabe des Teilstandortes Kessel oder die Fusion beider Standorte durch einen Neubau an einem alternativen Standort in Asperden. „Eine angemessene räumliche Ausstattung in einer zukunftsfähigen Schulorganisation lässt sich lediglich in einem Schulneubau realisieren“, so das Fazit der Verwaltung; der Standort Asperden läge dafür zentral im Einzugsgebiet Asperden, Kessel, Hommersum, Hassum, Nierswalde, Goch-West und Teilen von Pfalzdorf. In ihrer schulfachlichen Stellungnahme zur Drucksache favorisiert auch Schulamtsdirektorin Dagmar Wintjens, übrigens lange Jahre Direktorin der Niers-Kendel-Schule in Kessel, einen Schulneubau.
„Die einfachste Lösung ist aber nicht immer die beste“, hält Lars Wagner, Mitglied im Verkehrs- und Heimatverein Kessel (VHV) und aktiv in der Bürgerinitiative Kessel, dagegen. Er hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema beschäftigt und gemeinsam mit einem Architekten für die Bürgerinitiative Kessel ein Konzept zur Erhaltung des Grundschulstandortes Kessel erarbeitet. Basierend auf den in der Beschlussdrucksache angegebenen Werten der Stadtverwaltung summiere sich – gemäß der Bürgerinitiative – der Betrag für einen Schul-Neubau mit Kauf eines dafür notwendigen Grundstückes sowie den unumgänglichen Neubau einer Turnhalle in Asperden auf etwa 17 Millionen Euro. Dem gegenüber stünden lediglich rund 9,68 Millionen für den Umbau und die Modernisierung beider Standorte. Neben Sachlichkeit und Zahlen gebe es aber auch emotionale und schulische Faktoren zu bedenken; die Bedeutung der Schule als integraler Bestandteil des Ortes wird betont.
Flexibilität
Bernd Thönnesen, 1. Vorsitzender des VHV schließt sich dem an: „Anbauten an den beiden Standorten verursachen geringere Kosten und mit zwei Standorten ist man flexibler für die Zukunft aufgestellt.“ Hinzu käme, dass dadurch auch deutlich weniger Schülertransporte anfallen würden. Wagner und Thönnesen unterstreichen, dass sich die Schulkonferenz ebenfalls für den Erhalt des Standortes Kessel ausgesprochen habe: „Seit Jahren fahren wir gut mit unseren Konzepten für den Unterricht und die OGS an zwei Standorten. Mit den zwei Standorten haben wir zwei kleinere Schulsysteme, die ein Grundschulkind nicht überfordern“, wird die Schulkonferenz im oben genannten Konzept mit Datum vom 28. November 2022 zitiert.
„Es sollte doch nicht gegen die aktuelle Schulleitung, die Eltern und gegen ein ganzes Dorf entschieden werden“, appelliert Bernd Thönnesen an die Politik. Der Wünsche der Betroffenen müssten respektiert werden. Die Schmerzen eines Dorfes spüre man heute noch, verweist Thönnesen auf die Schließung der Grundschule Hassum 2013. „Die Identifikation mit der Stadt wird dadurch nicht größer“, gibt er zu bedenken. Und: Als Hassum geschlossen wurde, sei den Bürgern schließlich versichert worden, dass die Schulstandorte Kessel und Asperden auf jeden Fall erhalten bleiben.
Bernd Thönnesen beklagt zudem, dass bei all den Planungen seitens der Verwaltung noch kein Folgenutzungskonzept für die Gebäude in Kessel mit Turnhalle, Spielplatz und neu gestaltetem Schulhof vorgelegt worden sei: „Diesen Komplex einfach zu schließen, ist ,Perlen vor die Säue werfen‘!“
Gespräche
„Wir sind mit allen anderen Schulen an der Kapazitätsgrenze und wollen bei allen Unsicherheiten der Prognosen noch einen Standort schließen“, äußert auch Lars Wagner sein Unverständnis für diesen Weg. Man müsse zudem ökonomische, aber auch ökologische Faktoren bei einem Neubau und Abriss in Asperden der Ertüchtigung des Bestands gegenüber stellen. Wagner und Thönnesen hoffen, dass ihre Argumente für einen Erhalt doch noch Gehör bei der Politik finden; im Vorfeld wurden bereits einige Gespräche geführt. „Hier konnte ich unsere Standpunkte darlegen“, bedankt sich Wagner für die Bereitschaft, zuzuhören. Der VHV lädt alle Mitglieder und interessierte Kesseler Bürger ein, sich am morgigen Donnerstag, um 17.30 Uhr, auf dem Marktplatz vor dem Rathaus zu treffen und anschließend die öffentliche Sitzung zu verfolgen. „Natürlich könnte der Ausschuss der einfachsten Lösung, dem Neubau folgen, aber das fände ich schlimm für alle Gocher Ortschaften“, hofft Lars Wagner auf ein anderes Ergebnis dieser ersten Beratung.
Die vorgesehene Beratungsfolge ist nun der Ausschuss für Schule, Kultur und Digitalisierung, am Dienstag, 6. Juni, der Haupt- und Finanzausschuss sowie am Donnerstag, 15. Juni, der Rat der Stadt Goch. Die Beschlussdrucksachen zum Thema finden Interessierte unter www.goch.de (hier: Ratsinformationssystem/Sitzungen).
Corinna Denzer-Schmidt
Noch werden Kinder und Besucher mit diesem Schild begrüßt.