Sylvia Löhrmann, Martin Hamburger (beide Bethe-Stiftung), Hedwig Meyer-Wilmes, Wolfgang Gebing und Edmund Verbeet (alle Haus des Erinnerns und Gedenkens) hoffen gemeinsam auf viele Spenden. NN-Foto: SP
3. September 2026 · Sabrina Peters · Kleve

Bethe-Stiftung verdoppelt Spenden für das geplante Haus des Erinnerns und Gedenkens in Kleve

Auf dem Synagogenplatz ist ein transparenter Erinnerungs- und Lernort geplant – Spendenaktion läuft bis Ende November

KLEVE. Für Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen), ehrenamtliche Beauftragte für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und die Erinnerungskultur des Landes Nordrhein-Westfalen, ist das geplante Haus des Erinnerns und Gedenkens auf dem Synagogenplatz in Kleve ein Vorzeigeprojekt, das eine Strahlkraft weit über die Klever Stadtgrenzen hinaus besitzt. „Wir brauchen Orte des Erinnerns, Orte des Lernens und Orte der Begegnung“, betonte Löhrmann bei ihrem Besuch in Kleve anlässlich des Starts eines Spenden-Finanzierungsprojektes mit der Bethe-Stiftung. Im Zeitraum vom 1. September bis zum 30. November 2026 wird in diesem Zusammenhang jede Einzelspende bis 2.000 Euro an den Klever Verein Haus des Erinnerns und Gedenkens unter dem Stichwort „Verdoppelung Bethe-Stiftung“ von der Bethe-Stiftung verdoppelt. Die Gesamtförderung beträgt 25.000 Euro, sodass durch die Aktion insgesamt 50.000 Euro generiert werden können.

Die Bethe-Stiftung wurde im Jahr 1996 von den Eheleuten Roswitha und Erich Bethe gegründet und verfügt heute über ein Stiftungskapital von über zehn Millionen Euro. Neben der schwerpunktmäßigen Unterstützung von Kinderhospizen und Kinder- und Jugendschutzeinrichtungen widmet sich die Stiftung unter anderem auch den Aspekten der Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte.

Von dem Vorhaben in Kleve, dem Bau eines Hauses des Erinnerns und Gedenkens auf dem Synagogenplatz in Kleve, auf dem bis zu ihrer Zerstörung 1938 tatsächlich eine Synagoge stand, war das Ehepaar Bethe sofort angetan, wie Löhrmann und Stiftungs-Vorstandsmitglied Martin Hamburger berichteten. Auch Löhrmann selbst sei ganz beeindruckt von dem, „was Sie hier vorhaben“. Ein Ort des Erinnerns, des Lernens und der Begegnung, der in einer Zeit des wieder zunehmenden Antisemitismus und Rassismus sowohl in der demokratischen Gesellschaft als auch in der pädagogischen Auseinandersetzung sehr wertvoll sei, sei genau die Beschreibung des Vorhabens in Kleve.

„Es ist wichtig, dass Dinge vor Ort greifbar sind“, ergänzte Hamburger. Deshalb sei ein Haus des Erinnerns und Gedenkens, das dort stünde, wo einst auch eine Synagoge gestanden habe, ein sehr wertvoller Beitrag im zunehmend noch notwendiger werdenden Kampf gegen Antisemitismus. „Denn wo wird‘s greifbarer als an einem Platz, der nicht einfach nur Synagogenplatz heißt?“

Der vor drei Jahren gegründete Verein Haus des Gedenkens und Erinnerns ist trotz der finanziellen Hürden zuversichtlich, das Projekt tatsächlich in die Tat umsetzen zu können. „Allein mit privaten Mitteln wird das aber nicht gelingen“, sagte Edmund Verbeet, Vorsitzender des Vereins, der mit etwa drei Millionen Euro Baukosten rechnet, die dank der Unterstützung von etwa Bau- und Handwerksfirmen aber noch weiter gesenkt werden können. Außerdem hofft der Verein, rund 80 bis 90 Prozent der finalen Summe aus Fördergeldern des Bundes und des Landes finanzieren zu können. „Wir gehen davon aus, dass wir etwa 300.000 Euro aus eigenen Mitteln brauchen werden. Und das können wir auch erreichen“, betonte Verbeet. Einen großen Teil habe der Verein bereits zusammengetragen. Die nun zu erreichenden 50.000 Euro mithilfe der Verdopplungs-Aktion der Bethe-Stiftung sollen hinzukommen. Zudem unterstütze die Stadt Kleve als Eigentümerin des Grundstückes das Vorhaben, indem sie dieses dem Verein in einer Absichtserklärung bereits zugesichert habe. Zur Landesgartenschau im Jahr 2029 sollen die ersten Fundamente des Hauses des Erinnerns und Gedenkens auf dem Synagogenplatz in Kleve stehen. „Es ist aber nicht realistisch, dass bis dahin das komplette Haus gebaut werden kann. Das kann noch vier, acht oder zehn Jahre dauern. Darüber können wir keine realistische Einschätzung abgeben“, sagte Verbeet. Der Verein Haus des Erinnerns und Gedenkens sei aber zuversichtlich, dass das Haus irgendwann gebaut werden könne. „Da lassen wir uns nicht von der Klever Mentalität „das wird doch eh nichts“ beeindrucken“, betonte Verbeet.

Sylvia Löhrmann zeigte sich im Pressegespräch ebenfalls zuversichtlich – auch weil Zeitzeugin Eva Weyl als Schirmherrin ebenfalls bereits mit an Bord sei. „Sie wird kräftig Werbung für das Projekt machen“, meinte Löhrmann. Und diese gehe weit über die Klever Stadtgrenzen hinaus. Die Synagoge habe schließlich bis zur Zerstörung 1938 eine bedeutende Rolle nicht nur in Kleve, sondern am gesamten Niederrhein gespielt; ebenso wie die jüdische Gemeinde, die in Kleve beheimatet gewesen sei.

Haus des Erinnerns

Das Haus des Erinnerns und Gedenkens soll auf dem Synagogenplatz in Kleve als Ort des kulturellen Erinnerns und der Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte, dem Nationalsozialismus und dem Holocaust entstehen. Der transparente Baukörper wird innerhalb der historischen Grundmauern der ehemaligen Synagoge errichtet, während der Synagogenplatz als öffentlicher Gedenkort weitgehend erhalten bleibt.

Das Gebäude soll aus einem offenen, nicht beheizten Erdgeschoss sowie zwei beheizten Obergeschossen bestehen. Im Erdgeschoss ermöglichen Glaselemente Einblicke auf die noch vorhandenen Fundamente der ehemaligen Synagoge. Die beiden Obergeschosse bieten jeweils einen rund 92 Quadratmeter großen Veranstaltungsraum, ergänzt durch Pantryküche und barrierefreies WC. Im zweiten Obergeschoss soll der hohe Dachraum zudem für Sonderausstellungen genutzt werden können. Vorgesehen sind unter anderem Gedenkveranstaltungen, Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Filmvorführungen. Darüber hinaus soll das Haus als außerschulischer Lern- und Arbeitsort sowie für Bildungs- und Antidiskriminierungsangebote genutzt werden. Betrieben werden soll es von einer rechtsfähigen Bürgerstiftung. Weitere Informationen – auch zur Spendenaktion – gibt es online unter www.hdeug.de.

Der Entwurf des Hauses des Erinnerns und Gedenken, das auf dem Klever Synagogenplatz entstehen soll. Grafik: Verein Haus des Erinnerns und Gedenkens

Der Entwurf des Hauses des Erinnerns und Gedenken, das auf dem Klever Synagogenplatz entstehen soll. Grafik: Verein Haus des Erinnerns und Gedenkens

Sylvia Löhrmann, Martin Hamburger (beide Bethe-Stiftung), Hedwig Meyer-Wilmes, Wolfgang Gebing und Edmund Verbeet (alle Haus des Erinnerns und Gedenkens) hoffen gemeinsam auf viele Spenden. NN-Foto: SP

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