Ausstellung „self on stage“ im Museum Goch
Eröffnung am Sonntag, 6. September
GOCH. Im Museum Goch wird am Sonntag, 6. September, 11.30 Uhr, die Ausstellung „self on stage“ eröffnet. Eine Ausstellung über die Selbstinszenierung von Frauen in der zeitgenössischen Kunst. Die Begrüßung übernimmt Museumsdirektor Dr. Stepjan Mann. Mit der Ausstellung „self on stage“ präsentiert das Museum Goch eine Auswahl internationaler Künstlerinnen, die für die gezeigten Fotografien zugleich vor und hinter der Kamera agieren. Ausgewählt und kuratiert wurde die Ausstellung von dem Journalisten und Fotografie-Experten Freddy Langer, der auch die Einführung gestaltet. Rund 50 Jahre nach dem Aufbruch legendärer Künstlerpersönlichkeiten wie zum Beispiel Valie Export, Annegret Soltau, Ulrike Rosenbach oder Gabriele Stötzer, die sich ihren Platz in der Kunstgeschichtsschreibung erkämpften, ist es an der Zeit, einen Blick auf aktuelle Tendenzen der weiblichen Auseinandersetzung mit dem Selbst zu werfen. Befreit von jenen gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen, an denen sich die Vorgängergenerationen abarbeiten mussten, widmen sich die heute vertretenen Fotografinnen einer großen Bandbreite an Themen.
Auf Instagram wird der Hashtag „selfstaging“ großzügig interpretiert und nicht zuletzt von Frauen verwendet, die bereits ihr bloßes Lächeln für den Bruchteil einer Sekunde als Inszenierung begreifen. Mit wie viel größerer Ernsthaftigkeit der Begriff in der Kunst behaftet ist und welcher Aufwand damit verbunden sein kann, zeigt seit mehr als einem halben Jahrhundert das, was vereinfacht als „feministische Fotografie“ bezeichnet wird. Als Modell, Kamerafrau und Regisseurin in Personalunion – darüber hinaus zuständig für Kostüm, Requisiten und Licht – reagierten Künstlerinnen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit eindringlichen visuellen Metaphern auf die ihnen von außen zugeschriebenen Rollen und auf ihre Suche nach Wegen der Selbstbefreiung. Diese Suche führte mitunter bis an die Grenze der Selbstzerstörung. In ihren Inszenierungen verschnürten, verpackten oder verdrehten sie ihre Körper als Antwort auf das Diktat des Schönheitsideals in einer von Männern dominierten Welt. Dass Künstlerinnen von den USA bis in die DDR ähnliche Bildlösungen für ihre jeweilige Situation entwickelten, spricht nicht für Einfallslosigkeit, sondern wird zum Ausdruck einer tief empfundenen Verbitterung und eines Bedürfnisses nach größtmöglicher bildlicher Zuspitzung. Teilnehmende Künstlerinnen sind Kirsten Becken, Kincsö Bede, Katharina Bosse, Elina Brotherus, Susan Copich, Rachel Feinstein, Marie Foissey, Melanie Issaka, Cloe Jancis, Susanne Junker, Tarrah Krajnak, Lia Sophie Laukant, Michala Norup, Loreal Prystaj, Grit Reiss, Alicia Rodriguez Alvisa, Nina Röder, Kourtney Roy, Corinne Rusch, Emma Sarpaniemi, Annegret Soltau, Martina Stapf, Lilith Terra, Isabelle Wenzel und weitere.