Diese Bronzekanne und Fragmente eines kannelierten Beckens wurden in Kalkar gefunden und lassen auf ein reiches Grab schließen. NN-Foto: SP
30. September 2026 · Sabrina Peters · Xanten

„Archäologie im Rheinland 2025“ im Xantener Römermuseum: Ein archäologischer Schatz aus Kalkar

Eine außergewöhnlich ausgestattete Grabstätte, römische Reiterhelmmasken und weitere spektakuläre Funde sind Teil der Ausstellung „Archäologie im Rheinland 2025“ im Xantener Römermuseum

XANTEN. Der Fund einer gut erhaltenen Bronzekanne auf einem Acker in Kalkar (der genaue Fundort soll geheim bleiben) überraschte sogar Marion Brüggler, Außenstellenleiterin im LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Der lizenzierte Sondengänger Henk Verhoeven hatte sie mit einer Metallsonde gefunden und dem LVR-Amt vorbeigebracht. „Er sagte sofort: Hier, könnt ihr haben. Er wusste selbst gar nicht, was er da für einen Hammerfund gefunden hat“, sagt Brüggler. Die sofort benachrichtigten Archäologen konnten vor Ort – einige Meter vom Fundort der Bronzekanne entfernt – weitere Bronzegefäße, Keramik- und Glasgefäße sowie den Henkel der Bronzekanne bergen und dokumentieren. „Die Lage der Gefäße lässt auf ein Brandgrab schließen, auch wenn sich nur wenig Leichenbrand im Umfeld der Gefäße befand“, sagt Brüggler. Mit insgesamt vier Bronzegefäßen als Grabbeigabe sei dieses Brandgrab aber außergewöhnlich gut ausgestattet gewesen. Die Fundsachen aus Kalkar sind nun Teil der Wanderausstellung „Archäologie im Rheinland 2025“ des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, die bis zum 3. Januar im Römermuseum im LVR-Archäologischen Park Xanten (APX) gastiert.

Von Millionen Jahre alten Zeugnissen tropischer Lebenswelten über liebevolle Grabausstattungen und faszinierende Masken der Römerzeit bis hin zu einem ultramarinblauen Wunder rheinischer Industriekultur und Relikten des Zweiten Weltkriegs zeigt die Wanderausstellung nach Stationen in Bonn und Zülpich nun auch am unteren Niederrhein zahlreiche interessante Funde und Befunde aus mehr als 800 archäologischen Maßnahmen im Rheinland des vergangenen Jahres. Damit bietet sie faszinierende Einblicke in die Vergangenheit des Rheinlandes und zeugt vom reichen kulturellen Erbe „unter unseren Füßen“. „Nach 2024 und 2025 präsentieren wir nun zum dritten Mal die Wanderausstellung ,Archäologie im Rheinland‘. Eines ist dabei immer dasselbe geblieben: Es werden jeweils die Ergebnisse des vorangegangenen Jahres gezeigt. Dabei gibt es immer eine Wundertüte voller Überraschungen“, sagt Christoph Eger, Leiter des LVR-Römermuseums.

Über das Leben zur Römerzeit, sowohl das irdische als auch das im Jenseits, geben in der Ausstellung mehrere Funde vom unteren Niederrhein Aufschluss. Herausragend sind die zwei bis 2025 aufwendig im LVR-Archäologischen Park Xanten restaurierten und nun erstmals im Römermuseum in Xanten präsentierten Reiterhelmmasken, die beim römischen Zweilegionenlager Vetera castra auf dem Fürstenberg gefunden wurden. Die aus Eisen hergestellten Masken waren auf der Außenseite mit Messing- und eventuell Silberblech überzogen und gehörten im 1. Jahrhundert n. Chr. zur Ausrüstung der römischen Kavallerie. Sie werden erstmalig im Rahmen einer Ausstellung im LVR-RömerMuseum gezeigt. „Die Masken gehören zu den Reitern, die in unserer Dauerausstellung zu sehen sind“, sagt Maria D‘Onza, Wissenschaftliche Referentin im LVR-Römermuseum.

Die Großstadt Colonia Ulpia Traiana ist mit ausgewählten Architekturfragmenten aus dem Bereich des so genannten Verwaltungspalastes im Stadtzentrum vertreten. Die bei Ausgrabungen im Jahr 1959 entdeckten Kalksteinfragmente, die teils noch Farbspuren aufweisen, lassen sich, zusammen mit über 250 anderen Architekturteilen, zu aufwendig ausgestalteten, prächtig verzierten Innendekorationen eines Badegebäudes rekonstruieren. Ganz in der Nähe befand sich ein Gartenstadion, dessen Umgangsbereich mit einem Fries aus stilisierten Rinderköpfen verziert war. Die

als Altfunde zu betrachtenden Ausstellungsstücke sind maßgeblich für die aktuell laufende Neubearbeitung der gesamten Baustrukturen und Funde in diesem Bereich der Colonia.

Auf eine gute Versorgung nicht nur im Diesseits, sondern auch im Jenseits lässt das bei Alpen-Huck nur wenige hundert Meter von der Limesstraße und dem Kastell Alpen-Drüpt entfernte Brandgrab eines etwa acht bis neun Jahre alten Jungen schließen. Seine sterblichen Überreste waren größtenteils in einer Holzkiste niedergelegt und sein Grab umfangreich mit Speise-, Trink- sowie Kochgeschirr aus Keramik ausgestattet worden. Das Besondere: Seine Asche war mit einem Teller bedeckt, auf dessen Unterseite der Name „Neutus“ eingeritzt ist. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um den Namen des Jungen.

Die Ausstellung führt anschließend durch verschiedene Epochen bis in die jüngere Vergangenheit. Zu den ältesten Funden gehören fast 400 Millionen Jahre alte versteinerte Schwämme und Korallen aus Bergisch Gladbach, die von tropischen Riffwelten im damaligen Flachmeer zeugen. Funde aus Erkelenz-Lützerath-Alt geben Einblicke in die Jungsteinzeit und Eisenzeit. Neben Steinbeilen und Keramik gehören dazu auch sogenannte Briquetage, die auf Salzgewinnung und Verbindungen bis an die Nordseeküste hinweisen.

Den Abschluss bilden industriearchäologische Zeugnisse und Relikte des Zweiten Weltkriegs. Aus Duisburg stammen Funde aus den Überresten einer Ultramarinfabrik, darunter Reste von Öfen, Dampfmaschinen und leuchtend blau verfärbten Becken. An das Kriegsgeschehen erinnert ein 1943 bei Kerpen-Manheim-Alt abgestürztes Flugzeug der Royal Air Force, dessen Fundstücke erst 2025 geborgen und untersucht wurden. Teile der Maschine sowie persönliche Gegenstände der Besatzung geben Einblicke in das Schicksal der siebenköpfigen Crew, von der vier Mitglieder bis heute als vermisst gelten.

Als ganz besondere Funde lassen sich zudem die Funde vom Kölner Heumarkt hervorheben. Die Grabungen in den mit Weltkriegsschutt verfüllten Kellern brachten zahlreiche Zeugnisse aus dem Leben und Arbeiten der Menschen vom Mittelalter bis in die Moderne ans Licht. Neben Fundstücken aus Handel und Handwerk und dem Inventar einer Gastwirtschaft zählen dazu unter anderem eine Siegburger Kanne, ein Frechener Bartmannkrug, ein Löffel aus einer Latrinengrube, ein kleines Steinzeuggefäß für Salben oder Arzneien, Murmeln sowie zwei Heiligenfiguren und eine bronzene Tierfigur. Besonders ungewöhnlich und eindrucksvoll ist das gusseiserne Drehschloss einer Toilette: Korpus und Türklinke wurden durch Hitze und Druck verformt, doch die Anzeige des Schlosses steht noch immer auf „Besetzt“. Die Funde machen auf besondere Weise sichtbar, wie sich im Schutt eines zerstörten Stadtquartiers Spuren des Alltags über Jahrhunderte erhalten haben.

Die Wanderausstellung „Archäologie im Rheinland 2025“ entstand in enger Zusammenarbeit mit dem LVR-Landesmuseum Bonn, dem LVR-Archäologischen Park Xanten, den Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur, dem Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln, der MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, den Universitäten Köln und Bonn, der Stadtarchäologie Duisburg sowie Grabungsfirmen und privaten Leihgebern. Die Ausstellung ist täglich zu den normalen Öffnungszeiten des Archäologischen Parks geöffnet. Jeden Sonntag um 13.30 Uhr gibt es eine offene Führung, in der sich die Besucher auf eine etwa 60 Minuten lange Zeitreise durch die spannende Vergangenheit des Rheinlandes begeben und mit den wichtigsten Informationen zu den ausgestellten Funden und ersten Forschungsergebnissen versorgt werden.

Diese Funde stammen aus einer ehemaligen Gastwirtschaft. Sie wurden unterhalb des Kölner Heumarktes gefunden. NN-Foto: SP

Diese Funde stammen aus einer ehemaligen Gastwirtschaft. Sie wurden unterhalb des Kölner Heumarktes gefunden. NN-Foto: SP

Erstmalig zeigt das RömerMuseum diese Reiterhelmmasken. NN-Foto: SP

Erstmalig zeigt das RömerMuseum diese Reiterhelmmasken. NN-Foto: SP

Diese Bronzekanne und Fragmente eines kannelierten Beckens wurden in Kalkar gefunden und lassen auf ein reiches Grab schließen. NN-Foto: SP

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