Annemarie Ricken erhält den Rheinlandtaler
Sie wurde für ihr ehrenamtliches Wirken im Bereich Archäologie, Geschichte, Kulturlandschaftsentwicklung, Volkskunde und historischer Alltagskultur geehrt
VEEN. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat Annemarie Ricken aus Veen für ihr ehrenamtliches Wirken im Bereich Archäologie, Geschichte, Kulturlandschaftsentwicklung, Volkskunde und historischer Alltagskultur mit dem Rheinlandtaler in der Kategorie Kultur ausgezeichnet.
Annemarie Ricken führt seit (fast) 20 Jahren als ehrenamtliche Mitarbeiterin der Außenstelle Xanten des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege Feldbegehungen durch. Hier sucht sie systematisch Ackerflächen nach Funden aus frühen Epochen. Darüber hinaus recherchiert sie insbesondere in Archiven und hat sich Kenntnisse der oft schwierig zu entziffernden, historischen Handschriften selber angeeignet. Durch die Archivarbeit gelang es ihr, im Umfeld von Alpen-Veen 18 abgerissene historische Höfe, darunter einen Rittersitz, zu lokalisieren und so entscheidend zur Kenntnis der historischen bäuerlichen Landschaft beizutragen. Außerdem konnte sie anhand der unveröffentlichten Quellen Relikte verorten, die obertägig nicht mehr sichtbar sind: Zum einen der ehemalige jüdische Friedhof in Alpen, die Vorburg der Motte Alpen, sowie zwei Ziegeleien und zwei Landwehre in Sonsbeck. Ricken hat außerdem zu dem Vordringen des Bislicher Rheinmäanders seit nachrömischer Zeit und seinen Auswirkungen auf die Kulturlandschaft geforscht. Weiter hat sie Archivrecherchen zur Bedeutung der Fährstelle Beek-Bislich zur Vorbereitung für eine Sonderausstellung im Deichdorfmuseum Bislich in 2022 durchgeführt. Schließlich ist sie in der Wissensvermittlung aktiv: Bei der Neueinrichtung des „Haus der Veener Geschichte“ in Alpen in 2007 war sie ebenfalls beteiligt und führt seitdem dort Gästeführungen durch und ist für das Archiv des Heimatmuseums verantwortlich. Einige Publikationen zeugen von ihrem Engagement.
„Ihr Interesse an Heimatgeschichte wurde schon als Kind geweckt: Alte Schrift und altes Papier haben Sie schon früh fasziniert. So ist es nicht überraschend, dass Sie 1996 dem noch jungen Förderverein ,Unsere Veener Geschichte e.V.‘ (gegründet 1989, Anm. d. Red.) beitraten. Als dem Verein das Veener Pfarrarchiv übergeben wurde, machten Sie sich mit alten Schreibschriften wie Sütterlin vertraut, ordneten das Archiv und legten ein Findbuch an. Später arbeiteten Sie im Vereinsvorstand mit, heute als dessen Beisitzerin“, sagte Karin Schmitt-Promny, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, bei der Verleihung. Ricken sei ebenso daran beteiligt gewesen, dass das Dorf Veen beim Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2022 die Silbermedaille gewann.
Ebenso hervor hob Schmitt-Promny Rickens ehrenamtliche Tätigkeit für das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in der Außenstelle in Xanten: „Herauszustellen ist vor allem Ihre Arbeit an den nicht edierten Originalquellen, die nur in Archiven zugänglich sind. Besonders bemerkenswert: Das Rüstzeug für diese Recherchen, also die Arbeit in Archiven und das Entziffern historischer Handschriften, haben Sie sich im Selbststudium angeeignet.“
Die Sicherung archäologischer Relikte in Alpen und Xanten sei für Ricken stets von größter Wichtigkeit, um das kulturelle Erbe zu erforschen und dauerhaft zu schützen. „Ihre Grundlagenarbeit, also die Suche nach Fundstellen auf dem Feld und im Archiv, ist für den langfristigen Erhalt dieses Erbes wichtig: So können die Fundorte registriert werden und stehen als Planungsgrundlage für weitere Forschungen zur Verfügung“, betonte Schmitt-Promny. Zudem vermittle Ricken etwa in Vorträgen die Bedeutung von Bodendenkmälern und Kulturlandschaft, wo immer es ihr möglich sei.