"Abdelkarim Comedy-Auftritt am 10. Oktober in Rees, Foto von Moritz Künster"
24. September 2026 Von NN-Online · Rees

Abdelkarim mit „Plan Z“ im Bürgerhaus Rees

Der Comedian spricht über Politik, gescheiterte Pläne und Bahnerfahrungen.

REES. „Plan Z – Jetzt will er‘s wissen“, heißt das Comedy-Programm, mit dem Abdelkarim am Samstag, 10. Oktober, ab 20 Uhr im Reeser Bürgerhaus auftritt. Seit seinem ersten Besuch in der Rheinstadt vor zwei Jahren hat sich politisch und gesellschaftlich vieles im Land verändert – was der Comedian auch im Interview analysiert.

Sie treten am 10. Oktober in Rees auf. Wer wird dann Bundeskanzler sein?

Abdelkarim: Ich lege mich fest: Friedrich Merz, unser aller Bundespascha, wird auch am 10. Oktober Bundeskanzler sein. Ich meine, bei allem, was passiert und vor allem nicht passiert ist, ist er immer noch Kanzler, und das spricht für ihn.

Und wer ist am 10. Oktober Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt?

Abdelkarim: Keine Ahnung, ich kenn‘ mich mit der russischen Politik nicht aus.

Der Spiegel-Titel machte Ulrich Siegmund zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“. War das ein kluger Schachzug?

Abdelkarim: Die Überschrift klang schon ein bisschen nach Rambo 8, aber immerhin hat man dadurch eine neue Zielgruppe erreicht. Der Spiegel hatte wahrscheinlich schon lange nicht mehr so viele rechtsextreme Käufer wie bei dieser Ausgabe. Und wer weiß? Vielleicht haben einige von ihnen auch den Artikel gelesen und nicht nur das Titelbild ins Badezimmer mitgenommen.

Ihr aktuelles Programm heißt „Plan Z – Jetzt will er‘s wissen!“ Sind die Pläne A bis Y schon gescheitert?

Abdelkarim: Ganz klar ja! Und ich gehöre damit eindeutig zur Mehrheit. Ich kenne fast keine Menschen, bei denen Plan A wirklich geklappt hat. Die meisten von uns leben irgendwo zwischen Plan F und Plan K. Scheitern ist also ganz klar der Normalzustand. Scheitern braucht einfach ein besseres Marketing. Und deswegen frage ich: Warum kleine Pläne, wenn man auch mit großen scheitern kann? Das ist mein Lebensmotto. Und wenn Plan B scheitert, läuft sich Plan Z erst langsam warm.

Hängen „Plan Z“ und „Generation Z“ irgendwie zusammen?

Abdelkarim: Nicht bewusst, aber uns verbindet einiges. Zum Beispiel der Tunnel am Ende des Lichts. Und die Hoffnung, dass danach doch noch was kommen müsste.

Ihre bisherigen Programme hießen „Zwischen Ghetto und Germanen“, „Staatsfreund Nr. 1“, „Wir beruhigen uns“ und nun „Plan Z - Jetzt will er‘s wissen!“. Dagegen muss der Kollege Dieter Nuhr für seine Tourneen immer nur neue Wortspiele mit „Nuhr“ erfinden. Sind Sie neidisch, weil der Name Abdelkarim weniger Wortspiele erlaubt?

Abdelkarim: Ich war lange neidisch, aber ich habe mich jetzt einfach von Dieter Nuhr inspirieren lassen. Der Titel für mein nächstes Programm steht schon fest: „Nuhr ein Moslem“.

Die Bandbreite Ihrer Gastspiele im deutschen Fernsehen reicht von Shows mit Dieter Nuhr bis Carolin Kebekus. Müssen Sie sich – in Zeiten immer stärkerer Spaltung – inzwischen für eines dieser beiden politisch-ideologischen „Lager“ entscheiden?

Abdelkarim: Ich bin mir sogar sicher, dass es in Deutschland viel mehr „Lager“ gibt als nur zwei. Und hier und da – zum Glück nicht überall – gibt es auch Schnittmengen. Ich bin ein großer Fan davon, mit vielen unterschiedlichen Menschen zu reden und mir verschiedene Meinungen anzuhören. Entweder sage ich dann „Nee, sehe ich anders, weil...“ oder ich sage „Ah, Mist, da ist leider was dran.“ Wenn ich nur mit Menschen zu tun haben will, die meine Meinung vertreten, kann ich auch zuhause bleiben und Selbstgespräche führen. Ist weniger anstrengend.

2024 bewunderten viele Reeser Ihren Mut und Ihren Optimismus, dass Sie mit der Bahn zum Auftritt fuhren. Hat der zweigleisige Bahnhof in Empel-Rees Sie damals so sehr überzeugt, dass Sie am 10. Oktober wieder auf den ÖPNV setzen?

Abdelkarim: Der Bahnhof hat was. Immerhin kann sich da keiner verlaufen. Und die für die Deutsche Bahn typischen, sehr kurzfristigen Gleiswechsel sind in Rees mit viel weniger Panikattacken verbunden. Bei einem Gleiswechsel in Rees muss man sich einfach kurz umdrehen, fertig! Ich komme natürlich auch dieses Jahr mit der Bahn. Und ganz ehrlich, mein letzter Besuch am Bahnhof Empel-Rees ist ja etwas her. In den letzten zwei Jahren ist da optisch und technisch mit Sicherheit einiges passiert.

Damals, im März 2024, regierte noch die Ampelkoalition. Im Interview bezeichneten Sie diese als „demokratische Notlösung“. Was ist die aktuelle schwarz-rote Regierung?

Abdelkarim: Eine Momentaufnahme.

Ein paar Monate nach Ihrem ersten Auftritt in Rees waren Sie in Gregor Gysis Talk-Format „Missverstehen Sie mich richtig!“ zu Gast. Gehen Sie auch noch zu Ingmar Stadelmanns ähnlich gelagertem Comedy-Talk „Ich hab da mal ‚ne Frage“?

Abdelkarim: Ingmar hat mich sogar schon eingeladen, aber für mich war natürlich klar: Erst Rees, dann Berlin. Bei Ingmar Stadelmann bin ich am 20. Oktober. Wir müssen aber noch klären, wer von uns beiden als Ingmar kommt und wer als Abdelkarim.

Ingmar Stadelmann kokettiert damit, dass er oft mit Ihnen verwechselt wird. Passiert das umgekehrt auch?

Abdelkarim: Ja, und ich finde es super, dass wir in Deutschland mittlerweile so weit sind. Früher hieß es oft „Ausländer sehen alle gleich aus“, heute wird ein marokkanischer Bielefelder mit einem Ostdeutschen verwechselt. Und umgekehrt. Mehr Integration geht nicht.

In Ihrem Wikipedia-Eintrag stolpert man darüber, dass Sie 2023 beim 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg und in der 16. Staffel von „Let‘s Dance“ bei RTL mitgewirkt haben. Mit welcher gemeinsamen Erkenntnis sind Sie aus beiden Veranstaltungen herausgegangen?

Abdelkarim: Mit der Erkenntnis, dass der Glaube Berge versetzen kann, aber keine Hüfte. Außerdem hatte ich bei beiden Veranstaltungen oft den Eindruck: „Ich weiß nicht, was hier gerade passiert, aber die Leute hier scheinen den Ablauf zu kennen.“

Im Jahr 2028 wird die Stadt Rees 800 Jahre alt. Möchten Sie gratulieren?

Abdelkarim: Nein. Vorher gratulieren bringt Unglück. Ich komme einfach wie gewohnt in zwei Jahren wieder nach Rees, eröffne nach meinem Auftritt mit den Zuschauern den International Airport Rees, den wir ganz frech einfach „R-port“ nennen – und dann wird zum Geburtstag gratuliert.

Tickets im Vorverkauf

Tickets für den Kabarettabend in Kooperation mit dem Kulturbüro Niederrhein mit Abdelkarim „Plan Z: Jetzt will er‘s wissen!“ am Samstag, 10. Oktober, um 20 Uhr, im Bürgerhaus Rees, gibt es in der Touristeninformation in Rees und unter www.stadt-rees.de/shop.

Er will‘s wissen: Abdelkarim kommt am 10. Oktober nach Rees. Foto: Moritz Künster

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