Die Historische Zeitschrift ist im örtlichen Buchhandel erhältlich. NN-Foto: CDS

GOCH (CDS). Kürzlich ist die bereits 67. Ausgabe der Historischen Zeitschrift für Goch und Umgebung – „An Niers und Kendel“ – erschienen. Herausgegeben vom Heimatverein Goch, beschäftigt sie sich auf 33 Seiten wieder mit vielen interessanten Facetten der regionalen Geschichte.

So erinnert Autor Dieter Bullack an die ehemalige Lederfabrik Josef Moll und an das 100-jährige Bestehen der Ferienfahrten nach Ameland. Hans-Joachim Koepp schreibt über die erste Kneipe von Pfalzdorf, über den Arzt, Siedler und Bürgermeister Dr. Speck, die Seidenraupenzucht in Goch, über erste hölzerne Hinweisschilder zu den Nachbarorten, ein Kartenwerk über das Gocher Gebiet und Oberbrandmeister, die selber Feuerspritzen hergestellt haben.

Lederfabrik

Die Ledefabrik Moll befand sich auf dem Gelände hinter der Post, an der Brückenstraße – im Areal zwischen Feld-, Reiscop- und Mittelstraße. Später war hier die Standortverwaltung der Bundeswehr angesiedelt. Inzwischen gibt es hier ein großes Wohngebiet. Gegründet 1905 vom Pols­terer und Sattler Josef Moll senior, florierte das Geschäft, so dass 1908, damals noch am Standort Voßstraße/Ecke Peerengäßchen, schon 250 Arbeiter Lohn und Brot fanden. Große Aufträge aus dem Kriegsministerium führten im Ersten Weltkrieg dazu, dass Josef Moll 1918 seinen anwachsenden Betrieb zur Reiscop-/Ecke Mittelstraße verlegte. Dort wurde dann das neue Fabrikgebäude gebaut. Dieter Bullack schildert ausführlich die weitere Geschichte des Unternehmens, aus dem unter anderem die heute noch in Goch ansässige Firma Derbystar hervorging.
2021 blickte der Ameland-Verein Kleve auf sein 100-jähriges Bestehen zurück. Gefeiert werden konnte dieses Jubiläum wegen der Corona-Pandemie leider nicht. 1921 verbrachten Jungen aus Kleve erstmals ihre Ferien auf der heute so beliebten westfriesischen Insel. Dieter Bullack widmet sich in seinem Beitrag den beiden Ferienlagern von 1982 und 1983, als der Gocher Paul Goossens und der Klever Norbert Hemsen neue Ferienlager-Leiter wurden und ihre Ideen in die Ferienmaßnahme einbrachten. Das wird von vielen Fotos, die bei den Beteiligten Erinnerungen wecken dürften, begleitet.

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Schenkwirtschaften

Dass die Geschichte der Pfalzdorfer Schenkwirtschaften früh begonnen hat, schildert Hans-Joachim Koepp. Schon 1741, als Pfälzer Siedler in die Gocher Heide kamen, gründete Wessel Holtermann einen Bauernhof mit Schenkwirtschaft an der Landstraße von Goch nach Kleve. Koepp widmet sich der weiteren Entwicklung und familiären Verbindungen; 1878 hieß der Wirt schließlich Jakob Aymanns. Dieser war von 1882 bis 1918 zweiter ehrenamtlicher Beigeodneter und Standesbeamter in Pfalzdorf. Auch die Auswirkungen der Bahnlinie zwischen Kleve und Goch für die Schankwirtschaft thematisiert Koepp und berichtet über weitere Pfalzdorfer Gaststätten.

Stadtphysikus Dr. Speck

Mit einem Förderer der Pfälzer auf der Gocher Heide beschäftigt sich Hans-Joachim Koepp in einem weiteren Beitrag. Zu den Aufgaben des Stadtphysikus Dr. Peter Wilhelm Speck (1714 bis 1769) gehörte die unentgeltliche Behandlung von Armen in Goch und auf der Gocher Heide. Er half den Kolonisten außerdem mit Geld und Nahrung. Mit der Züchtung von Maulbeerbäumen und damit von Seidenraupen beschäftigte sich Dr. Speck auf Wunsch des Gocher Magistrates, der damit die heimische Wirtschaft fördern wollte. Dr. Speck starb 1769 wahrscheinlich an Typhus. Auf die Seidenraupenzucht mittels Maulbeerbaumplantagen im Gocher Gebiet geht Koepp in einem weiteren Beitrag ein. Zahlreiche Versuche scheiterten, trotzdem wurde in Goch Seide verarbeitet. Denn der Krefelder Seidenverlag F. & H. von der Leyen betrieb von 1750 bis circa 1770 in Goch eine Niederlassung. Bis in die Neuzeit hinein gab es immer wieder Ansätze, Seidenraupen vor Ort zu züchten.

Schilder und Karten

Wegweiser – heutzutage gerne auch digital – sind nicht mehr wegzudenken; die ersten Hinweisschilder für Goch und Umgebung sind 1699 entstanden, als der Markgraf zu Brandenburg im April des Jahres anordnete, dass zur besseren Orientierung für Reisende hölzerne Wegweiser aufzustellen seien. Vor dem Voßtor stand dann ein solcher, im Bild festgeghalten von Jan de Beyer, wie Koepp berichtet. 34 mal 23 Zentimeter groß ist das Einzelblatt im Reymann‘schen Kartenwerk, welches das Gocher Gebiet zeigt. Um 1868 ist es entstanden. Friedrich Wilhelm III. hatte angeregt, ein solches Kartenwerk. Koepp führt aus, dass das Gocher Blatt bei Kartographen und Historikern leider recht unbekannt sei – dabei sein es sehr genau und könne als wichtige Informationsquelle dienen. Die 67. Ausgabe schließt mit einem Bericht von Hans-Joachim ­Koepp über den Gocher Oberbrandmeister Henrik van Vossen, der 1723 vom Magistrat eingestellt wurde. Vossen war zugleich Feinschmied und stellt Brandspritzen aus Metall her.
Das Heft ist zum Preis von 2,50 Euro ab sofort in den Gocher Buchhandlungen oder im Versand beim „Historischen Arbeitskreis an Niers und Kendel“, Holunderweg 8, 47574 Goch, E-Mail an: megohm@t-online.de (zuzüglich Versandkosten 2,50 Euro) erhältlich.