GOCH. Er ist die Nummer 28 in einer langen Reihe von karnevalistischen Würdenträgern, die mit Gerd van Noy sen. begann: Die Prinzengarde der Pumpengemeinschaft Vrouwenpoort ernennt Diakon Werner Kühle zum „Dr. humoris Vrouwenpoortius“. Seit der Session 1968/69 zeichnet die Vrouwenpoort in unregelmäßigen Abständen Bürger aus, „die sich im und um den Gocher Karneval, natürlich besonders um den Karneval der Pumpengemeinschaft Vrouwenpoort und auch wegen außerkarnevalistischer Tätigkeiten zur Freude anderer Mitbürger verdient gemacht haben“, so die ausführliche Beschreibung dieses Ehrentitels. „2020 sind wir wegen Corona schon gar nicht mehr zum Fragen gekommen“, erzählt Flüstersitzungs-Präsident Heiner Terbuyken, „das haben wir jetzt nachgeholt.“

Mit Werner Kühle wird zum ers­ten Mal ein Hauptamtlicher im kirchlichen Dienst diesen Titel tragen. „Es gibt ja nicht mehr so viele im kirchlichen Dienst, die auch noch Humor haben“, so Heiner Terbuyken. Mit Werner Kühle habe man einen Mitarbeiter der Kirche gefunden, der durch sein gesamtes frohes und positives Auftreten ein würdiger Träger dieser Doktorehrung sei. Herzstück sind vor allem seine humorvollen Predigten bei der Karnevalistenmesse am Tulpensonntag – vor „ausverkauftem“ Haus und in Versform, bei denen augenzwinkernd „Gott und die Welt“ und der Redner selbst auf den Arm genommen werden. „Ich habe in diesen Predigten auch immer das Evangelium verkündet“, betont Werner Kühle, „und Wert darauf gelegt, das mit einem Lachen zu verbinden.“ Freude bei allen Gelegenheiten weiterzugeben, immer passende positive Worte zu finden, das sei sein Anliegen, so die Verantwortlichen der Vrouwenpoort: „Er ist ein Vertreter Gottes, wie ihn sich viele Menschen wünschen.“

Kühle sagt von sich selbst, dass er sehr viel Glück hatte: „Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen.“ Schon in der kirchlichen Jugend war er aktiv und vor 45 Jahren gab es dann den neuen Beruf des Pastoralreferenten, den er voller Begeisterung ergriff. Vier Jahre arbeitete Werner Kühle in Sonsbeck, danach in Goch: „Die Bandbreite des pastoralen Berufs ist einfach nur schön; man kommt mit vielen Menschen in Kontakt und die Arbeitstage sind sehr unterschiedlich.“ So erlebte er auch die Zusammenlegung von Gemeinden zur großen Arnold-Janssen-Gemeinde, die Schließung der Liebfrauenkirche an der Kalkarer Straße und unterrichtete das Fach Religion an mehreren Schulen.

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Werner Kühle war sehr überrascht, als der Anruf von Heiner Terbuyken kam: „Ich dachte erst, ich sollte in die Bütt.“ Nach kurzem Überlegen nahm er die Ehrung aber gerne an, auch wenn er, wie er selber sagt, „eigentlich nicht der Mann für die erste Reihe“ ist: „Ich stehe lieber in der dritten Reihe und schaue zu.“

„Letzter Diakon vor
 der Grenze“

Das wird sich nur schwer machen lassen, wenn der „letzte Diakon vor der Grenze“, wie er einmal genannt wurde, im Rahmen der 1. Flüstersitzung der Vrouwenpoort am 16. Januar 2022 vom 1. Vorsitzenden Sascha Elsing feierlich mit Urkunde, Doktorhut und Schärpe in den Kreis der humoristischen Würdenträger aufgenommen wird. „Ich bin nie ein Doktor gewesen, das ich das noch mal schaffe“, schmunzelt Kühle. Der 68-jährige, der übrigens zwischen den beiden Flüs­tersitzungen Geburtstag feiert, stammt aus dem Ruhrgebiet, aus Duisburg-Rheinhausen. Die alte Heimat möchte er mit entspechendem Liedgut vorstellen. In Planung ist auch noch, eventuell ein Lied auf „Platt“ zu singen. Das alles als Erwiderung auf die Laudatio, die Heiner Terbuyken halten wird.
Nun hofft man bei der Vrouwenpoort, dass angesichts der angespannten Lage feiern unter Einhaltung der zu diesem Zeitpunkt gültigen Corona-Vorschriften möglich sein wird. 124 Plätze gibt es bei den Flüstersitzungen im Vereinslokal „Poorte Jäntje“, die ohne Musik, Verstärker und Mikrofon auskommen. „Eigentlich sind wir auch schon ausverkauft“, berichtet Heiner Terbuyken, „kämen Abstand und Maske, würden wir allerdings absagen, das hätte hier keinen Sinn.“ „Das Lachen darf ja nicht im Halse stecken bleiben“, ergänzt Werner Kühle.

Bild: Werner Kühle (2. vr) ist der neue „Dr. humoris Vrouwenpoortius“. Ehrengardist und Pumpenbaas Heiner Flintrop (l), Flüstersitzungs-Präsident Heiner Terbuyken (2. vl) und Ehrengardist Josef Polders (r) stellten ihn kürzlich vor. NN-Foto: CDS