Joseph Beuys
Kurator Dr. Alexander Grönert und Museumsdirektorin Julia Niggemann in der Beuys-Ausstellung mit Werken aus der Sammlung van der Grinten. NN-Foto: SP

MOYLAND. „Joseph Beuys – der Star“, „Joseph Beuys – der Politiker“, „Joseph Beuys – der Scharmane“. Alle drei Begriffe beschreiben den Ausnahmekünstler, der in Rindern aufwuchs und im Mai dieses Jahres 100 Jahre alt geworden wäre, auf irgendeine Weise. Das Museum Schloss Moyland widmet Beuys eine eigene Etage mit einer Sammlungspräsentation, die am morgigen Sonntag in den Räumen zwischen Nord- und Ostturm wiedereröffnet wird.

Die Beuys-Ausstellung mit dem Titel „Joseph Beuys – Werke aus der Sammlung van der Grinten“ gibt einen neuen Einblick in die Sammlung der Brüder van der Grinten. Sie beginnt aber zunächst mit der Person Joseph Beuys. An der Wand direkt am Eingang zur Ausstellung ist die Biografie Beuys‘ skizziert. „Wir sehen jeden Tag, wie wichtig das ist. Hier bleiben viele Besucher sehr lange stehen und lesen“, sagt Kurator Dr. Alexander Grönert. Bereits seit 2012 zeigt das Museum unter dem Reihentitel „Kunst. Bewegt.“ in halbjährigen Wechseln 20 Ausstellungen aus dem Bestand der Sammlung van der Grinten. 

Joseph Beuys
Diese Werke zeigte Joseph Beuys einmal exakt in derselben Anordnung im Klever Museum B.C. Koekkoek-Haus. NN-Foto: SP

„Jetzt zeigen wir zwischen Nord- und Ostturm eine Auswahl an Werken, die nur noch punktuell dem Wechsel unterworfen sind. Wir beginnen mit plastischen Arbeiten aus den 1950er Jahren und enden in den 1970/1980er Jahren“, sagt Grönert. Für die Präsentation wurden etwa 90 signifikante Objekte vor allem aus dem plastischen Werk von Joseph Beuys ausgewählt, darunter die einzigartige Gruppe der „Hasengräber“, die Holzkreuze als „Symbol des Leidens“ und als „Symbol der Erlösung“, die Objekte „Schlitten“, „Tisch mit Aggregrat“, „Fettecke“ sowie das Schlüsselwerk „Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet“. Letzteres ist allerdings bis Ende 2022 an das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld ausgeliehen, das aktuell eine Ausstellung zu Marcel Duchamp und Joseph Beuys zeigt.

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Neuer Blickwinkel

Das Museum Schloss Moyland gibt in seinen Sammlungspräsentationen Besuchern aber auch immer wieder die Möglichkeit, die Kunst von Beuys aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Dieses Mal zeigt die Ausstellung drei Werke von Beuys in Gegenüberstellungen mit Arbeiten von Künstlerinnen. Diese haben einige seiner Werke aufgenommen, um sie kritisch zu hinterfragen und ironisch oder sinnerweiternd zu kommentieren beziehungsweise neu zu interpretieren. „Daran sieht man, dass Beuys‘ Werke auch heute noch von Bedeutung sind und sich Künstler mit ihm auseinandersetzen“, sagt Grönert. 

Zu den Gegenüberstellungen gehört Beuys‘ berühmter „Filzanzug“, dem Jade Kuriki Olivo unter ihrem Künstlernamen „Puppies Puppies“ als „Felt Dress“ eine neue Version verpasst hat. Susi Gelb hat sich der „Capri-Batterie“ angenommen und eigene Versionen mit gelben Zitronen erstellt. Außerdem hat Elaine Sturte-vant die Beuys-Fotografie „La rivoluzione siamo Noi“ neuinterpretiert.

Drucksachen

Die Beuys-Etage komplettiert bis zum 20. März 2022 die zweite Ausstellung „Joseph Beuys – über Drucksachen; bearbeitete Zeitungen von Joseph Beuys“. Der Ausnahmekünstler hat nämlich in den 1960er Jahren angefangen, Drucksachen in Collagen und Objekten zu verwenden. 

Das Begleitprogramm
Öffentliche Führungen an jedem ersten, dritten und fünften Sonntag im Monat um 14 Uhr sowie am Sonntag, 26. Dezember, 14 Uhr, und Rosenmontag, 28. Februar, um 13 und 14 Uhr. Kosten: 3 Euro zzgl. Museumseintritt
 Wochenende der Graphik Das Wochenende der Graphik am Samstag, 13. November, 14 bis 17 Uhr, und Sonntag, 14. November, 12 bis 16 Uhr, steht dieses Jahr ganz im Zeichen von „100 Jahre Joseph Beuys“. Das Beuys-Archiv öffnet seine Pforten und gewährt Einblicke hinter die Kulissen. Kosten: nur Museumseintritt. Das vollständige Programm gibt es online unter www.moyland.de.
 Letzter Tag der Ausstellung (20. März 2022) 12 Uhr: Update für Joseph Beuys Susi Gelb im Gespräch mit Dr. Alexander Grönert über die Farbe Gelb, Aneignung als künstlerische Strategie und Urheberrecht 15 Uhr: Kuratorenführung mit Dr. Alexander Grönert Kosten: 5 Euro zzgl. Museumseintritt

Vor allem Zeitungen spielten dabei für ihn eine große Rolle. Beuys eröffnete neue Sichtweisen auf das Thema, indem er Zeitungen als Wissensspeicher begriff und sie zu Stapeln geschichtet als Batterie bezeichnete oder indem er aufgeschlagene Zeitungsseiten gezielt mit Farbe bearbeitete. Er nutzte Drucksachen und Zeitungen auch, um seine Idee von einer sozialen Kunst zu erklären und zu verarbeiten. Die Ausstellung umfasst rund 50 Werke, darunter überarbeitete Zeitungen, Objekte und Collagen mit Zeitungspapier von Beuys sowie Drucksachen und Fotografien. „Diese Ausstellung haben wir vor einem Jahr schon einmal ganz kurz gezeigt, bis der Lockdown kam. Jetzt ist sie in leicht veränderter Form noch einmal zu sehen“, sagt Grönert.

Kuratorenführung

Die Ausstellung wird morgen um 14 Uhr eröffnet. Der Eintritt ist frei. Um 14 Uhr findet eine kostenlose Kuratorenführung mit Dr. Alexander Grönert statt. Am 15.30 Uhr beginnt ein Gespräch und Lesung mit Dr. Christiane Hoffmans. Sie ist Autorin des Buches „Der Jahrhundertkünstler Joseph Beuys“. Auch dazu ist der Eintritt frei.