KREIS WESEL. Das seit dem 3. Juli geltende Verbot für viele Plastikartikel ist ein Schritt in Richtung Müllvermeidung. Dieses gilt für die gesamte EU. Der Kreis Wesel hat sich noch mehr vorgenommen: Nachdem hier Anfang des Jahres die Idee eines einheitlichen Mehrwegsystems für Gastronomen vorgestellt wurde, folgt jetzt der zweite Schritt für weniger Verpackungs- und Plastikmüll. Nach einer Idee aus München nimmt das Klimabündnis der Kommunen im Kreis am deutschlandweiten Projekt „Einmal ohne, bitte“ teil. Dabei signalisieren teilnehmende Geschäfte ihren Kunden, verpackungsfrei und mit eigenen Behältern einkaufen zu können.

Botschafter des Projekts sind bisher die Klimaschutzmanager der Kommunen Xanten, Rheinberg, Wesel, Hamminkeln, Dins­laken und Neukirchen-Vluyn. Damit sind sie Ansprechpartner für interessierte Betriebe.

„Wir möchten nun auch den verbrauchergezielten Ansatz fah­ren“, sagt Dr. Lisa Heider, Klimaschutzmanagerin in Xanten. Sie selbst kennt die Situation: Man möchte den eigenen Kaffeebecher auffüllen lassen, bekommt aber ein Nein zu hören. „Aus hygienetechnischen Gründen“, wie es oft heiße. „Deswegen ist es wichtig, dass die Möglichkeit für Kunden transparent gemacht wird.“ Sie erwähnt eine Studie, nach der 50 Prozent der Befragten nicht die eigenen Behältnisse einsetzen – in dem Glauben, auf Ablehnung zu stoßen. Auch Rheinbergs Bürgermeister Dietmar Heyde bemerkt das immer häufigere Interesse der Verbraucher. „Wenn wir das bedienen können, sind wir auf einem guten Weg.“

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Mit Aufklebern zeigen teilnehmende Geschäfte, dass man eigene Behälter mitbringen kann. Außerdem setzen die Kommunen darauf, dass Unternehmen auf die Möglichkeiten auch beim Einkauf verbal aufmerksam machen. Infomaterial für die Kunden gibt es ebenso. Das zum Projekt zugehörige Material bezahlen die Städte.

„Interesse gibt es eigentlich überall“, sagt Heider. Auf dem Xantener Wochenmarkt zum Beispiel habe man schnell zwei Teilnehmer gefunden. Es gibt aber auch Bedenken. „Nicht nur Kunden haben sie. Wir wollen ebenso Geschäftsstellen mit profunden Informationen die Angst nehmen“, sagt Nicole Weber Ferreira dos Santos, Klimaschutzmanagerin in Rheinberg. Das gelte auch für die Geschäfte, die vor Corona schon verpackungsfrei unterwegs waren, aber wegen der Pandemie aus Sicherheitsgründen davon Abstand nahmen.

Alles abgesichert

Für die richtige Absicherung der Umsetzung sprach man mit der Lebensmittelüberwachung des Kreises. So gibt es erklärende Merkblätter fürdie Gastronomie. Aufsteller vor Ort machen auch die Konsumenten aufmerksam. Halte man sich an diese Dinge, gebe es keine Probleme. Zum Beispiel stellt der Kunde sein Geschirr auf ein Tablett, der Verkäufer befüllt dann den Behälter und reicht ihn zurück. So kommt das Kundengeschirr mit nichts Sensiblem in Kontakt, die Hygiene bleibt gewährleistet. Der Umstand, dass Hygiene durch Corona einen neuen Stellenwert erhalten habe, könne die Akzeptanz dieses Ansatzes unterstützen, findet Xantens Bürgermeister Thomas Görtz.

Unter www.einmalohnebitte.de sind neben weiteren Informationen auch die teilnehmenden Geschäfte gelistet. In Xanten sind bereits neun Betriebe dabei. In Rheinberg laufen aktuell Gespräche mit Restaurants und Bäckereien.

Multiplikatoren für größeren Erfolg seien laut Heider zum Beispiel die Ketten, darunter Supermärkte. Gerade hier seien die Bedenken jedoch oft größer. Nicht teilzunehmen könnte laut Görtz jedoch ein Wettbewerbsnachteil sein. Im Falle von Ablehnung könnten Kunden mit eigenen Behältern dann zur Konkurrenz abwandern.

„Ich denke, es ist ein wichtiger Teil der Lösung“, sagt Heider. Die Takeaway-Kultur sei in der Pandemie angestiegen. „So kann es nicht weitergehen. Die Müllproblematik ist nicht zu bewältigen.“ Mehrweg-Pool-Systeme allein hält sie nicht für zielführend. „Man kann nicht so viele Behälter lagern, wie die Geschäfte am Tag Kunden haben.“ Es müsse verschiedene Ansätze geben, mit Mehrweg im Zentrum. Zum Thema Bioplastik als Alternative ergänzt Weber Ferreira dos Santos: „Das löst ebenfalls nicht das Problem der übermäßigen Verpackungen.“