GOCH. Die Stimmung ist zuversichtlich beim VHS-Zweckverband Goch-Uedem-Kevelaer-Weeze. Mit einem neuen Programmheft in petto hofft das Team angesichts niedriger Inzidenzwerte, die Kursteilnehmer bald wieder in mehr Präsenzveranstaltungen begrüßen zu dürfen. „Aber Entwarnung können wir natürlich noch nicht geben“, sagt VHS-Direktor Theo Reintjes.

Zum Einstieg in die Präsentation des Programms konnte Reintjes gute Nachrichten überbringen. Trotz weniger Erträge sei das vergangene Jahr relativ gut verlaufen, rote Zahlen schrieb man nicht. Eine große Hilfe war dabei auch die finanzielle Unterstützung durch unterschiedliche Fonds. Trotzdem: Einige Kurse wurden von der Präsenz in die digitale Welt verlegt, „etliche Kurse mussten wir aber auch entweder abbrechen oder absagen.“

Nun sind in der VHS seit dem 31. Mai zumindest wieder Präsenzveranstaltungen möglich. Da die Pandemie aber andauert, gibt es weiterhin eine Mischung aus Präsenz- und Online-Kursen. „Die Onlineveranstaltungen werden uns als VHS begleiten“, sagt Reintjes. Die Möglichkeit, von zu Hause zu lernen gehöre mittlerweile dazu. Daniela Gust, stellvertretende Leiterin, kann das untermauern. Vor allem viele ältere Leute würden gerne darauf zurückgreifen. „Sie sind ja manchmal nicht mehr allzu mobil.“

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Zweiter Anlauf für Beuys

Das Coverthema des aktuellen Programmhefts ist wie beim Heft davor der Künstler Joseph Beuys. Auf den ersten Blick ungewöhnlich, hat es einen einfachen Grund: Das Team der VHS wollte nicht, dass Beuys‘ 100. Geburtstag wegen der Pandemie und abgesagter Veranstaltungen untergeht. Also hat man für die jetzt hoffentlich besseren Zeiten auf dasselbe Motiv mit einer anderen Farbgebung gesetzt.

Die dazugehörige Veranstaltung findet am Samstag, 28. August, von 10 bis 17 Uhr statt. Sie ist eine Kombination aus einem kunstgeschichtlichen Vortrag und einer Fahrradtour. Auf letzterer besuchen die Teilnehmer verschiedene Exponate Beuys‘ in Kleve.

Um beim Thema Kunst und Kultur zu bleiben: „Ein großes Standbein waren die Museums- und Theaterfahrten. Das ist mit der Pandemie eingebrochen“, sagt Gust. Derzeit ist unklar, wie es mit solchen Events weitergeht, die Pläne liegen daher auf Eis. „Wir versuchen, sie kurzfristig bekanntzugeben“, sagt Gust.

Fest geplant sind aber unter anderem die Klavierkonzerte. Dr. Roman Salyutov kombiniert seine Konzerte mit Musik von Chopin und Bach mit Informationen über die Künstler. „Wir haben auch nach wie vor ein großes Angebot an Mal- und Kreativkursen.“ Die Fotografie kehrt ebenso zurück: in Form von Theorie und Exkursionen.

1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Neben Beuys gibt es einen weiteren Schwerpunkt: „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. „Wir haben geschaut, dass wir hierzu auch Präsenzveranstaltungen anbieten können“, sagt Gust. Ein Vortrag über jüdische Malerinnen ist eine davon. Online hingegen ziehen Interessierte mit Gästen Bilanz und blicken nach vorn: Zum Beispiel mit den Fragen, was es heute bedeutet, jüdisch zu sein und wie man wachsendem Antisemitismus begegnen kann. Eine besondere zeitgeschichtliche Lesung über die deutsche Geschichte und den Widerstand im Zweiten Weltkrieg bietet Tim Pröse mit seinem Buch „Jahrhundertzeugen“. Mit starkem Bezug zu Einzelschicksalen sei diese Lesung laut Reintjes für alle Generationen interessant, aber vor allem für Schüler.

Sprachen-Freunde hingegen finden Kurse zu elf Sprachen, auch Exoten wie Chinesisch und Japanisch sind dabei. „Neu ist zudem einmal im Monat der Einbürgerungstest. Dieser wird bereits sehr gut angenommen“, sagt Monique Kling.

Im Bereich EDV und berufliche Bildung ist das Programm mehr oder weniger identisch geblieben, wie Johannes Wilhelms verrät. „Inhaltlich ist noch einmal die gesamte Bandbreite abgedeckt, die für beruflichen Zwecke wichtig ist.“ Gemeint sind nicht nur klassische Programme, wie Textverarbeitung. Auch moderne Themen wie Datenschutz und Sicherheit im Internet finden Beachtung. „Die Teilnehmer brauchen zu Beginn Dozenten, die sie durch das Thema begleiten“, erläutert Wilhelms die Präsenzveranstaltungen. Die Fortgeschrittenen-Kurse hingegen würden zunehmend online angeboten. So möchte man auch für die mögliche Corona-Zukunft gewappnet sein.

Nachteile ausgleichen

Ein großes Problem spricht Reintjes beim Thema Schulabschlüsse und Integrationskurse an. Zuletzt fanden diese Kurse oft online statt. „Fakt ist: Wer einen Laptop hat, oder zumindest ein Tablet mit Tastatur und Kopfhörern, ist im Vorteil.“ Diejenigen, die nur ein Handy hätten, seien benachteiligt. Auch fehlendes WLAN in Wohnanlagen sei ein Problem. „Es ist unabdingbar, dass wir diese sozialen Strukturen durchbrechen, sonst wird die Kluft immer größer.“ Trotz Motivation würden diejenigen, die ohnehin schon im Laufe ihres Lebens ins Hintertreffen geraten seien, durch die Pandemie erneut abgestraft. Daher freut sich Reintjes über die Möglichkeit, Gelder anzufordern und dadurch bald für jede Klasse etwa 25 Laptops anzuschaffen. Das Programm liegt in allen Kommunen in öffentlichen Einrichtungen aus, wie auch online. Unter www.vhs-goch.de sind die Anmeldungen zudem besonders einfach.