Mut machen durch Podcast und durch Gottvertrauen

Detlev Friedriszik macht das Leiden von Parkinson-Erkrankten öffentlich

RHEINBERG. Detlev Friedriszik ist einer von den rund 400.000 Menschen in Deutschland, die an Parkinson erkrankt sind. Nach der Diagnose vor 15 Jahren fiel er zunächst in ein tiefes Loch. Der aktive 50-Jährige musste sich damit auseinander setzen, dass die unheilbare Krankheit sein Leben komplett verändern würde. In dem Podcast „Jetzt erst recht!“ erzählt er seine Geschichte und macht anderen Menschen Mut, trotz der Krankheit sinnvoll weiterzuleben.

Detlev Friedriszik mit seiner Ehefrau Marianne, die ihn unterstützt bei seinen Bemühungen, mit der Parkinson-Erkrankung offen umzugehen.
Foto: Archiv privat

Unermüdlich setzt er sich seit Jahren dafür ein, die Öffentlichkeit über diese neurodegenerative Gerhirnerkrankung aufzuklären. Denn viele Menschen deuten das Krankheitsbild falsch. Er weiß von Betroffenen, dass sie versuchen, ihre Krankheit vor ihrer Umwelt zu verstecken. Sie ziehen sich zurück. Daher ist es Detlev Friedriszik so wichtig, die Symptome der Krankheit zu erläutern.

Kaum einer kennt die Auswirkungen

Weitläufig ist das Zittern bekannt, Oma kann die Kaffeetasse nicht mehr alleine halten. Aber die Krankheit hat einen viel graviererenderen Verlauf. Der Muskelabbau ist nicht aufzuhalten. Medikamente lindern die Symptome, können diesen Prozess aber nicht aufhalten.

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Schwierigkeiten im Alltag

Aus dem Alltag berichtet Friedriszik: „Beim sogenannten Maskengesicht kann der Parkinson-Patient nicht mehr die Gesichtsmuskeln bewegen und das Gesicht sieht aus wie eine Maske. In Gesprächen erkennt der Gegenüber nicht seine Gemütsverfassung und interpretiert seinen Gesichtsausdruck zum Beispiel als böse oder sagt, du kannst ja wohl gar nicht mehr lächeln, habe ichdir was getan? Der Patient wird oft durch seinen torkligen Gang als Alkoholiker eingestuft und ihm wird gesagt: Du brauchst wohl wieder einen Schnaps, damit dein Pegel wieder steigt. Beim Einfrieren lässt der Körper keinen Schritt mehr zu und es dauert etwas, bis die Blockade aufgehoben wird (durch äußeren Impuls). Der Patient verharrt zum Beispiel an der Kasse und kann sich nicht bewegen, dann folgen Kommentare: wie geht’s nicht schneller? Wir haben unsere Zeit nicht gestohlen. Genau dieser Stress führt dazu, dass der Parkinson-Patient noch länger braucht, bis der Körper wieder mitmacht. Ein Autofahrer hält am Straßenrand an und will dem Patienten die Möglichkeit des Überquerens der Straße ermöglichen und er friert ein und kann keinen Schritt weitergehen. Der Autofahrer fühlt sich veräppelt, schimpft und zeigt ihm den Vogel.“

Offenheit statt Rückzug

Dieses alles schmerzt, kann zu Depressionen führen, schlimmstenfalls zu Suizid-Gedanken.
Detlev Friedriszik ist ein sehr gläubiger Mensch. Ihm gibt der Glaube Kraft, mit seiner Krankheit umzugehen. Und er rät allen Mitbetroffenen: „Es ist immer besser mit der Erkrankung offen umzugehen, denn sonst verliert man viel Kraft durch Versteckspiel.“
Er weiß, dass seit Jahren Forscher versuchen Mittel zu finden, um die Krankheit zu stoppen und eine Verbesserung für den Patienten zu erwirken. Obwohl bisher noch kein Erfolg erzielt werden konnte, glaubt Friedriszik fest daran, dass irgendwann das richtige Mittel gefunden wird. Bis dahin will er sich nicht mit Grübeln aufhalten, was noch alles auf ihn zukommen könne. Und er rät: „Jeder Parkinsonverlauf kann anders sein. Man sollte daher das Hamsterrad verlassen und nicht darüber grübeln, was auf einen zukommen könnte, sondern jeden Tag ohne Stress genießen. Jeden Tag der mit Grübeln und schlechten Gedanken angefüllt ist, ist ein verlorener Tag.“

Austausch in Selbsthilfegruppen

Er empfiehlt den Austausch in Selbsthilfegruppen oder in speziellen Parkinson Facebookgruppen.
Da ihm das Leid der Parkinson-Patienten sehr am Herzen liegt, hat er nun gemeinsam mit Heinz-Dieter Burchardt den Kontakt zur Kirche gesucht. Auf insgesamt vier Seiten haben die beiden zusammengefasst, was auch Seelsorger über die Krankheit wissen sollten. Sie hoffen, so einen Beitrag zu leisten zu mehr Verständnis und Unterstützung durch kirchliche Amtsträger.

Optimale Medikamenteneinstellung und Bewegung

Und immer wieder weisen sie darauf hin, dass niemand aufgeben sollte. Sie raten dazu, einen erfahrenen Neurologen aufzusuchen für eine optimale Medikamenteneinstellung. Zusätzlich durch Sport und Bewegung die Muskelkraft zu verbessern und dadurch die Lebensqualität zu erhalten solange es geht. Damit könne eine Verlangsamung der Erkrankung erreicht werden.