GOCH. Was im vergangenen Jahr als „Goch History meets Street­art“ begonnen hat, wird in diesem Jahr fortgesetzt. Vom 15. August bis zum 12. September heißt es in der Weberstadt „GhmS Urban Art Festival“. 170 Künstler aus dem In- und Ausland werden in der Vorbereitungsphase vom 31. Juli bis zum 15. August nach Goch kommen und ihre Werke an Hausgiebel, Mauern, Brücken und Wände im Innenstadtbereich bringen. Unter anderem sind das Cantwo, Hombre, Aura, Hera von Herakut, Mister Woodland, Nean Kingdom, Hoker, Bananensprayer Thomas Baumgärtel, dessen Ausstellung im Museum Goch noch bis zum 15. Juni zu sehen ist, spear paintings und Adultremix.

44 neue Spots sind dabei. „Es werden richtige Gemälde und Wandmalereien entstehen“, freut sich Benjamin Taag, Initiator des Festivals, auf den Sommer. „Jeder Künstler bekommt die gleiche Chance, sich an öffentlichen Wänden zu beweisen – egal, ob bekannt oder nicht bekannt; wir lassen eine Freiluft-Galerie entstehen.“ Dass er damit eines der größten Urban Art Festivals in Deutschland plant, sei ihm gar nicht bewusst gewesen: „Das hat man mir so gesagt.“ Eine solche Veranstaltung wäre ohne Unterstützung gar nicht möglich und die ist vielfältig. So hat der Heimatverein Goch die Schirmherrschaft übernommen und bei der Erstellung der his­torischen Route durch die Stadt geholfen. Damit das Festival coronakonform ablaufen kann, hat die Gocher Firma Medical Care 500 FFP2-Masken beigesteuert. Zusätzliche Verstärkung gibt es durch das Testzentrum Goch (B + H Group). „Außerdem hat jeder Künstler seinen eigenen Bereich, in dem er arbeitet und wo der Abstand eingehalten werden kann“, erklärt Benjamin Taag, „ist das nicht möglich, greifen Testung und Masken.“ Abgesehen davon hofft er, dass sich die Corona-Situation im Sommer anders, sprich natürlich besser, darstellen wird.

Leni Valk und ihre Familie stehen im Mittelpunkt

Coronakonform ist auf jeden Fall die Geschichtsrunde durch Goch, die man allein oder als (erlaubte) Gruppe ablaufen kann. Dieses Mal steht die jüdische Familie Valk im Mittelpunkt. Alle Stationen beschäftigen sich mit dem Schicksal von Leni Valk und ihren Eltern in der Zeit des Nationalsozialismus. Die neunjährige Leni starb 1943, kurz nach ihrer Ankunft, im Konzentrationslager Sobibor. Ihre Eltern, von denen sie getrennt war, überlebten. Die Route startet an der Brückenstraße: Dort wo sich heute das Sparkassen-Gebäude befindet, stand einst das Geburtshaus von Leni Valk. Am Marktplatz, einer weiteren Station, gehörte ihrem Vater Walter Valk seit 1930 das Spezialgeschäft für Herren- und Knabenbekleidung. An einer Garage bei der Susmühle bringt der Künstler Lacuna ein Wandbild an: Die ganze Familie Valk wird zu sehen sein – Leni allerdings nur als Silhouette. Dafür wird sie an vielen Orten in Goch auftauchen, wo sich sich aufgehalten hat; zum Beispiel in der Herzogstraße, wo sie und ihre Mutter, versteckt bei Freunden, 1938 die Pogromnacht erlebten. „Wir wollen in diesem Zusammenhang auch auf die Gocher Stolpersteine aufmerksam machen“, berichtet Benjamin Taag. Zu jeder geschichtlichen Station soll es wieder QR-Codes geben, die man mit dem Smartphone scannen und sich dann ein Video anschauen kann. Eingebettet in die Videos werden Bilder von Stefan Artz, der historische und neue Ansichten der Geschichtsstationen kombiniert. Eine zusätzliche Route trägt den Titel „Dinge, die Du über Goch noch nicht wusstest.“ Entstanden sind die witzigen und ungewöhnlichen Geschichten gemeinsam mit Franz van Well vom Heimatverein Goch – vielen dürfte er als Spezialist für Gocher Platt bestens bekannt sein.

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Laufmappen

Die farbigen Laufmappen für die Geschichtsrunde sponsert die Firma Druckdat. Man kann sich zu gegebener Zeit sein Exemplar bei der Kultourbühne Goch, beim Museum Goch, bei der Volksbank an der Niers, bei der Bäckerei Heicks und Teutenberg und bei den Werbering-Fachgeschäften abholen. Wer möchte, kann die Mappe aber auch als PDF von der Homepage des Heimatvereins Goch herunterladen (www.heimatverein-goch.de). Gekoppelt ist die Geschichtsrunde wieder an ein Gewinnspiel. Wer mitmacht, kann auf iPads, Bluetooth-Boxen, T-Shirts und Kappen von Reell und Stickerpakete aus aller Welt hoffen. Benjamin Taag ist dankbar, dass so viele Sponsoren mit an Bord sind. Sie werden deshalb auch auf einer Bauzaun-Wand mit ihren Logos vertreten sein. Weitere Hilfe ist stets willkommen – sei es mit Spenden oder ganz tatkräftig: Für den Zeitraum vom 9. Juli bis 4. August werden noch Helfer, die sich gut in Goch auskennen (und bestenfalls Führerschein/Pkw besitzen) für organisatorische Dinge wie Wände vorbereiten und Material-Fahrten gesucht. Weitere Informationen dazu gibt es unter E-Mail an: GhmSfestival@gmail.com

Diese Mädchenfiguren stammen vom Streetart-Künstler Banam. Zu finden sind sie gegenüber vom Museum Goch. Foto: privat

Goch gebührend in Szene setzen und ein „gutes, neues, großes Event“ für die Weberstadt schaffen, das ist das erklärte Ziel von Benjamin Taag. Die Mehrheit sei dafür, so seine Erfahrung, auch wenn es im vergangenen Jahr durchaus einige Gegenstimmen gegeben habe. Unbedingt vermitteln möchte Benjamin Taag, dass „Streetart eine Kunstform ist, nicht Vandalismus und Schmierei.“ Vorab kann man sich schon in den sozialen Netzwerken informieren und Eindrücke vom vergangenen Jahr auf sich wirken lassen: www.facebook.com/Goch.history.meets.Streetart, www.instagram.com/goch_history_meets_streetart