GELDERN. Eigentlich wollte Klaus Boegel nicht künstlerisch tätig werden zum Thema Corona. Seine Kunst lebt vom Miteinander, von der Kommunikation zwischen Menschen und Künstler. „Der Lockdown schränkt uns alle sehr ein und wir können nichts dagegen tun. Negative Gefühle wie Angst, Wut, Enttäuschung, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Sorgen um die Existenz stauen sich zunehmend auf und wir wissen nicht wohin mit diesen Emotionen. Hier kann die Kunst einen Platz schaffen“, sagt Boegel.

In den vergangenen Monaten hat sich der bildende Künstler intensiv mit den Gefühlen und dem Befinden seiner Mitmenschen in Bezug auf die psychischen Auswirkungen der Pandemie auseinandergesetzt. Ihm kam die Idee der „Corona-Tränen“ – eine (Erinnerungs-)Installation, in der die mit der Pandemie verbundenen Emotionen eine Heimstätte finden können. Im Kulturausschuss fand seine Projektidee Zustimmung und Boegel freut sich, dass er in Zusammenarbeit mit der Stadt Geldern mit den Corona-Tränen „einen kleinen Beitrag in dieser Krisensituation“ leisten kann.

Sorgen, Nöte
und Ängste aufschreiben

Alle Gelderner Bürger sind eingeladen, ihre Sorgen, Nöte und Ängste aufzuschreiben und an Klaus Boegel zu schicken. Dies kann per E-Mail an boegel-mail@t-online.de, anonym per Post an die Stadt Geldern (Kennwort „Corona-Tränen“ Issumer Tor 36, 47608 Geldern) oder durch Einwurf im Briefkasten der Stadt Geldern (Kennwort „Corona-Tränen“) erfolgen. Die Botschaften werden von Klaus Boegel gefaltet und einzeln in von Hand geblasene Glas-Tropfen eingeschlossen. „Die negativen, dunklen Emotionen werden so sichtbar und ans Licht gebracht und quasi befreit aus der eigenen Psyche“, erklärt der Künstler. „Dies kann zur Folge haben, dass ihre bedrückende und eventuell krankmachende Wirkung entschärft oder sogar in etwas Positives umgewandelt werden kann.“

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Auch Rainer Niersmann vom Kulturbüro der Stadt Geldern betont, dass es nicht darum gehe, weitere negative Dinge in die Welt zu setzen: „Es geht vielmehr darum, sich seine Gedanken und Sorgen von der Seele zu schreiben, was durchaus ein positiver Aspekt in dieser negativen Zeit sein kann.“ Die Corona-Tränen werden an einem Baum im Innenhof der Stadtverwaltung Geldern befestigt. Besucher können die Briefe in den gläsernen Tränen sehen, aber nicht lesen. Die Botschaften werden anonym als Audiodatei eingespielt und können über einen QR-Code angehört werden. „So kann eine Gedenkstätte oder ein Ort der Erinnerung entstehen, eine wichtige Markierung in dieser Krisenzeit“, sagt Boegel. „Ich schaffe die Bedingungen, aber wir gemeinsam schaffen diesen Ort, an dem man sich besinnen und vielleicht Hoffnung schöpfen kann. Hoffnung, dass Krisen zu überwinden sind.“

Nähere Infos
erteilt das Kulturbüro

Gelderner Bürger, gerne auch Kinder, sind aufgerufen, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Die Stadt unterstützt das Projekt. „Hierdurch ist die Aufhängung von 50 Corona-Tränen gesichert ohne, dass sich Bürger finanziell beteiligen müssen“, sagt Rainer Niersmann. Für weitere Tränen können Patenschaften in Höhe von 25 Euro übernommen werden. Unabhängig davon, ob man sich mit seinen Gedanken und Empfindungen an dem Projekt beteiligt hat. Die Spendengelder fließen komplett in das Projekt, das von Klaus Boegel ehrenamtlich durchgeführt wird. Nähere Infos erteilt das Kulturbüro unter Telefon 02831/398116 oder per E-Mail an kultur@geldern.de.

Wenn die Corona-Tränen befestigt sind, bleibt der Zugang in den Innenhof zwar verschlossen, der Hof ist aber während der Öffnungszeiten der Verwaltung gut einsehbar. Außerdem wird er für Führungen zu bestimmten Zeiten geöffnet. Klaus Boegel hofft, dass schon bald auch persönliche Begegnungen am Baum möglich sein werden. „Ich würde mich freuen, wenn sich die Menschen hier austauschen könnten. Auch das kann den Leidensdruck reduzieren.“