Boxteler Bahn
Werner Verfürth (r.) erklärt Heinz Wessels (Heimatverein Goch), Jochen Rademacher (Marketingleiter der Sparkasse Goch, Kevelaer und Weeze) und Franz van Beek (Heimatverein Goch) die Geschichte der Boxteler Bahn. NN-Foto: SP

GOCH. Am 1. Juli 1878 begann die bedeutende Geschichte der Boxteler Bahn: An diesem Tag fuhr erstmalig ein Zug von Goch nach Wesel. Im Laufe der Jahre gewann diese Bahnstrecke – vor allem in den beiden Weltkriegen – immer mehr an Bedeutung. So erfolgte der internationale Post- und Schnellzugverkehr über die Boxteler Bahn; der Bahnhof in Goch wurde dadurch zum bedeutenden, internationalen Knotenpunkt. Täglich fuhren dutzende Züge auf der Strecke vom niederländischen Boxtel über Goch nach Wesel. Bereits 1967 wurde jedoch der letzte Schienenverkehr auf der Boxteler Bahn eingestellt. Seitdem erinnert kaum noch etwas an die ehemals bedeutende Personen-, Güter- und Viehverkehrverbindung.

Der Heimatverein Goch, die Gemeinde Sonsbeck und die Stadt Xanten haben nun jedoch zusammengearbeitet, um diese Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Einheitliche Informationstafeln entlang der ehemaligen Strecke sollen die Boxteler Bahn wieder in den Fokus rücken. In Goch stehen bereits die ersten; in Sonsbeck und Xanten soll der Aufbau Ende Oktober erfolgen.

Anstoß zur Aktion war eine Postkarten-Ausstellung zur Boxteler Bahn, die 2019 im Fünf-Ringe-Haus in Goch gezeigt wurde. Werner Verfürth, Vorsitzender des Heimatvereins Goch, Michael Lehmann aus Uedem und Jan Wessels aus dem niederländischen Gennep präsentierten damals einige Ansichtskarten, die sie über viele Jahre hinweg zur Boxteler Bahn gesammelt hatten. „Michael Lehmann hat damals gesagt, warum wir nicht auch Info-Tafeln machen, die an die Boxteler Bahn erinnern“, berichtet Verfürth. Der Heimatverein Goch arbeitete seither an der Entwicklung und erhielt für das Projekt eine finanzielle Unterstützung durch einen Heimatscheck des Heimatministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen und durch eine Spende der Verbandssparkasse Goch, Kevelaer und Weeze.

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Schnellzug aus London

Die ersten Informationstafeln wurden nun in Goch aufgestellt: An der ehemaligen Haltestelle Kalbeck und am Gocher Bahnhof erinnern diese nun an die große Zeit der Eisenbahn, als die Weberstadt der Knotenpunkt war und eine Schnellzughaltestation hatte. „Der Schnellzug musste damals von London nach Berlin wegen der Zollformalitäten täglich 36 Minuten in Goch halten. Damals gingen Adlige und Prominente in der Bahnhofsgaststätte speisen oder das Essen wurde ihnen im Zug vom Bahnhofswirt gereicht“, erklärt Verfürth, der selbst über 40 Jahre als Fahrdienstleiter im Dienst der Eisenbahn stand.

Ein weiteres Schild befindet sich an der ehemaligen Zollabfertigung, die heute an der Klever Straße in Goch das Orthopädiezentrum von Mönks und Scheer beherbergt. In den nächsten Tagen sollen zudem noch weitere Schilder an der ehemaligen Güterabfertigung in Hassum, dem heutigen Zuhause des „wahnsinnigen Puppenspielers“ Heinz Bömler, und am alten Bahnhof an der Triftstraße in Asperden aufgestellt werden. Folgen werden Ende Oktober weitere Info-Tafeln entlang des „Boxteler Bahn-Radweges“ von Xanten bis Labbeck. Die Schilder beinhalten Fotos sowie einen von Verfürth verfassten Text, den Heinz van de Linde und Graham Warrener ins Englische sowie Theo Ghijsen ins Niederländische übersetzt haben. Heinz Wessels hat zudem den Metallrahmen der Info-Tafeln gefertigt.

Fertigstellung des Radweges

„Der Radweg entlang der Boxteler Bahn, der demnächst von Xanten bis Goch durchgehend fertiggestellt sein wird, erfreut sich schon jetzt auf den bereits befahrbaren Abschnitten großer Beliebtheit. Die Radfahrer fahren entlang der historischen Strecke, können jedoch kaum noch die Zusammenhänge der ehemaligen Boxteler Bahn und die Bedeutung der Bahnlinie zur damaligen Zeit verstehen“, sagt Verfürth. Er hoffe, dass sich das mit den neuen Info-Tafeln ändere und dass der neue Gocher Stadtrat sich verstärkt für einen Radweg von Goch zur niederländischen Grenze über die alte Eisenbahnstrecke Boxteler Bahn einsetze. „Denn auch auf niederländischer Seite ist eine Fortsetzung des Radweges seit dem 28. Mai 2011 vorhanden. Dieser wird sehr stark von vielen Radfahrern und Wanderern genutzt“, sagt Verfürth.