Ein Atommüll-Endlager im Kreis Wesel?

Im Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung werden Flächen im Kreis Wesel für die Lagerung von Atommüll als geeignet aufgeführt

KREIS WESEL. Mit großer Sorge haben viele Bürger und die Politik im Kreis Wesel den Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zur Kenntnis genommen. Darin ist festgehalten, welche Flächen in Deutschland möglicherweise für die Lagerung von Atommüll geeignet wären. 90 Standorte wurden bundesweit ausgewählt – auch einige Flächen des Kreises Wesel fallen darunter. Auf ihrer Internetseite unter www.bge.de stellt die BGE eine interaktive Karte bereit, auf der alle Flächen zu sehen sind.

Atommüll-Endlager
Die BGE sucht Flächen, auf denen solche hochradioaktiven Fässer endgültig gelagert werden können. Foto: shutterstock

Zu den möglicherweise geeigneten Standorten zählt auch die Stadt Xanten. Dort seien „die geologischen Voraussetzungen in Form von Tongestein und Schichten aus Salzstein günstig für ein Atommüll-Endlager“, so die BGE. Herbert Dissen möchte ein Atommüll-Endlager in Xanten verhindern und hat deshalb bereits einen Bürgerantrag bei der Stadt Xanten gestellt. „Auch wenn der endgültige Standort noch nicht feststeht und die Suche nach einem Endlager noch immer im Gange ist, bin ich der Meinung, dass wir frühzeitig alles unternehmen müssen, um eine mögliche spätere Festlegung des Atommüll-Endlagers in unseren Bereichen zu verhindern. Die Notwendigkeit über ein gemeinsames Vorgehen mit den betroffenen Nachbargemeinden zwingt uns dazu schon jetzt frühzeitig über entsprechende Maßnahmen nachzudenken“, sagt der Bürger aus der Domstadt.

Thomas Görtz, Bürgermeister der Stadt Xanten, weist daraufhin, dass von der Bundesgesellschaft für Endlagerung erst der allererste Schritt eines Prozesses zur Suche nach einem Atommüllendlager bekanntgegeben worden sei, wonach über 50 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands lediglich hinsichtlich der Beschaffenheit des Untergrundes prinzipiell für ein Endlager geeignet wäre.

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Erkundungsprozess bis 2030

„Der Erkundungsprozess soll noch bis über das Jahr 2030 andauern, erst danach soll ein Endlagerstandort politisch abschließend festgelegt werden. Im weiteren Prozess werden noch viele andere Kriterien bewertet. Wir können uns nicht vorstellen, dass wir bei unserer Bevölkerungsdichte im Agglomerationsraum, zu dem wir auch noch gehören, sowie bei dem Vorliegen vieler anderer Restriktionen, zum Beispiel Hochwasserrisikogebiet, tatsächlich für ein solches Vorhaben infrage kommen“, sagt Görtz. Deshalb wäre er zunächst hinsichtlich einer Resolution erstmal vorsichtig. „Dann müssten ja jetzt theoretisch 50 Prozent aller Kommunen in Deutschland solche Resolutionen fassen. Ich meine, dass man das Verfahren erstmal abwarten und gut beobachten, aber nicht vorschnell reagieren sollte“, sagt Görtz. Letztlich wäre auch eine Positionierung des Rates erforderlich, der sich mit der Thematik bislang jedoch noch nicht befassen konnte.

Kreis soll Thema begleiten

Die Fraktion der Linken im Kreis Wesel hat bereits einen Antrag gestellt, dass sich der Kreistag in seiner nächsten Sitzung mit einem Atommüll-Endlager beschäftigen und die Kreisverwaltung „die weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen begleiten und dabei eng mit der Bundesgesellschaft für Endlagerung zusammenarbeiten“ soll. Man sei sich allerdings auch bewusst, dass kein politisches Gremium in den insgesamt 90 Teilgebieten, die für eine Endlagerung von Atommüll möglicherweise geeignet sein könnten, positiv auf die Nennung der eigenen Region reagieren werde.