GOCH. Der Präsenzbestand eines Museums setzt sich bei Weitem nicht nur aus dem zusammen, was der Öffentlichkeit gezeigt wird. Im Depot lagern noch viele andere Kunstwerke, die nicht immer zu sehen sind. Und Depot ist auch das Stichwort beim Museum Goch.„Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir 4.000 Werke aus der Schenkung von Hiltrud Neumann unterbringen sollen“, berichtet Museumsdirektor Dr. Stephan Mann. Denn die Mönchengladbacherin hatte ihre außergewöhnliche Sammlung 2015 per Schenkung an die Kunststiftung Goch übertragen; laut Stiftungsvertrag kümmert sich das Museum Goch um die Pflege und wissenschaftliche Bearbeitung der Sammlung (die NN berichteten).

Das Depot muss den unterschiedlichen Ansprüchen der Kunstwerke gerecht werden. Fotos: Museum Goch

Im einem Gocher Industriegebiet ist nun eine Halle angemietet worden, die dem Museum als neues Depot – nicht nur für die Sammlung Hiltrud Neumann – dient. Die Zwangspause im coronabedingten Lockdown wurde genutzt, um zum einen den zeitlich aufwändigen Transport der Werke und zum anderen Arbeiten vor Ort zu erledigen. „Die Halle ist in verschiedene Bereiche für Gemälde, Mobiliar und Gipsfiguren – vor allem aus der Langenberg-Sammlung – unterteilt“, erklärt der Museumschef, „das führt manchmal zu lustigen Konstellationen, wenn Werke im Regal stehen, die sonst nicht zusammen gezeigt werden würden.“ Apropos Regal: Es soll im Depot eines von 15 Meter Länge aufgestellt werden, um einen Teil der Sammlung von Hiltrud Neumann aufzunehmen. In besonderen Schränken sollen kleinere Kunstwerke aus der Sammlung aufbewahrt werden.
„Alles muss so sicher und so gut wie möglich gelagert werden“, erklärt Dr. Mann. Das bedeutet, dass Metall nicht rosten darf, es für Gemälde nicht zu warm sein darf und für Holz wiederum nicht zu trocken: „Wir müssen den unterschiedlichen Anforderungen fachkundig gerecht werden.“ Diese Tätigkeit im Hintergrund sei nichts, um „Öffentlichkeit herzustellen und Preise zu gewinnen“, aber immens wichtig für die Arbeit eines Museums, so Dr. Mann.

Forschungsvolontariat

Bei der Inventarisierung der Sammlung Hiltrud Neumann wird es bald Hilfe geben: Im Rahmen des Projekts „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ bekommt das Museum Goch ab dem 1. September einen Volontär/eine Volontärin mit Bachelor oder Master in Kunstgeschichte. „Idealerweise jemanden, der im Bereich klassischer Museumsarbeit seine Zukunft sieht“, sagt Dr. Mann. Der Vorteil in Goch sei das kleine Team: „Dadurch lernt derjenige viel.“ Bei der Inventarisierung sollen Werkgruppen der Künstler, die Hiltrud Neumann gesammelt hat, angelegt werden. „Wir wollen diese Werkgruppen dann auch in Form kleiner Hefte publizieren“, so Dr. Mann. Dabei durchlaufe der Volontär alle Tätigkeiten über Sichtung, Erfassung und Fotografieren der Kunstwerke bis hin zum Bearbeiten der Inhalte. Aktuell ist im Museum Goch die Ausstellung „August Deusser. Kunst für immer – und immer nur Kunst!“ zu sehen (bis 13. September). Außerdem ist das Museum jeden Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet – somit steht einem Besuch nach Feierabend nichts im Wege. Mehr Informationen zu Ausstellungen und Aktionen gibt es auch unter www.museum-goch.de.

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