Benjamin Taag möchte mit seiner neuen Aktion Alt und Neu auf eine respektvolle Weise zusammenbringen. Dabei können alle, die mitmachen, schöne Plätze in der Stadt entdecken und zusammen die Kunst in ihren verschiedenen Facetten erleben. Fotos (2): privat

GOCH. Angefangen hat es mit den „Brickmen“: 20 kleine, weiße Gipsfiguren, die Benjamin Taag und sein sechsjähriger Sohn Mathis, Künstlername „MzudemT“, unter dem Motto „Gocher Street­art gegen Gewalt, Rassismus und Fremdenhass“ an markanten Punkten in der Innenstadt versteckten. Alle waren aufgerufen, sich beim Suchen zu beteiligen und ihren Fund anschließend auf den sozialen Netzwerken zu posten (die NN berichteten).

Auch das neue Projekt „Gocher History meets Streetart“ ist auf Mitmachen ausgelegt. Denn Benjamin Taag plant eine historische Schnitzeljagd durch Goch, die vom 29. August bis 6. September stattfinden soll: „Ich möchte Kindern, Jugendlichen und Familien in der Corona-Zeit einfach eine schöne Outdoor-Beschäftigung bieten“, erklärt er. Ihm sei nämlich aufgefallen, dass viele Kids und Jugendliche die Stadtgeschichte und die Sehenswürdigkeiten gar nicht mehr kennen. Für ihn lag es da nahe, Geschichte und Kunst zu verbinden: „Streetart ist modern und zieht die Menschen an.“

Ungewöhnliche Perspektiven

Damit die Geschichtsrunde vor allem für junge Leute interessant wird, gibt es für die zehn Anlaufstellen – unter anderem das Steintor, die Maria-Magdalena-Kirche, die Sus-Mühle, die ehemalige Synagoge an der Herzogenstraße und den jüdischen Friedhof an der Kalkarere Straße – QR-Codes, die per Smartphone gescannt werden können und dann ein Video abspielen. Dabei eröffnen sich ganz neue, ungewöhnliche Perspektiven, wie in der Maria-Magdalena-Kirche. Denn mit einer Drohne ging es nicht nur hinauf bis zur Turmspitze, es durfte auch im Innenraum der Kirche gefilmt werden.

Laufmappe zum Download

Die jeweiligen QR-Codes, die Adressen der Anlaufstellen und die Streetart-Spots mit Adresse werden in einer Laufmappe zusammengefasst, die in Kürze zum Download bereit stehen soll. Der erste QR-Code ist dabei immer die Begrüßung und Erklärung zum Spiel, der zweite Code beinhaltet die Geschichte des Denkmals beziehungsweise der Sehenswürdigkeit per Video.
Auf den Lauf- und Fahrwegen kommt die Streetart ins Spiel: An Wänden und auf Flächen werden die Werke der nationalen und internationalen Streetart-Künstler von Benjamin Taag und seinem Team angebracht – natürlich immer in Absprache und legal: Kunstobjekte, Malereien, Past ups (bemaltes Papier, das mit imprägniertem Kleister auf der Wand angebracht wird), Tapes (Kunst mit Klebeband) oder Aufkleber. „Von gut gemalt über modern bis ausgesflippt soll das Stadtbild zusätzlich verschönert werden“, erklärt Benjamin Taag, und er betont: „An den Streetart-Spots sind Selfies ausdrücklich erlaubt und erwünscht.“ Und natürlich würde er sich freuen, wenn viele Fotos dann in den sozialen Medien gepostet werden.

Noch freie Flächen gesucht

Zwischen den Anlaufstellen sucht Benjamin Taag noch freie Flächen oder Wände an Häusern und Garagen in der Gocher Innenstadt. Wer Teil des Projekts „Gocher History meets Streetart“ werden möchte, kann sich bei ihm per Mail melden: bzudemt.urban.streetart@gmail.com.
Aus Deutschland wird das Projekt von Levveunlevvelosse #nohatefamily, bestehend aus über 1.500 Künstlern unterstützt. Aber auch Größen wie Sascha Düffels, Herr Eifel, r.f.art, Stuessydan, Metraeda, Bibostickas, Sweetsnini, ichbinARTig,Bädboy, Adultr mix oder Greentaxonom sind dabei.

Verbunden ist die Geschichts­runde außerdem mit einem kleinem Quiz: Es gilt, je eine Frage pro Station richtig zu beantworten. Den ausgefüllten Teilnahmezettel aus der Laufmappe kann man beim Reffeling Drive In, Hervorster Straße, bis zum 11. September in eine dort aufgestellte Box werfen. Dem ers­ten Platz winken ein Verzehrgutschein für ein Gocher Restaurant (vier Personen), ein exklusives Kunstbild und ein Stickerpaket von Künstlern, die beim Projekt mitgewirkt haben. Für den zweiten Platz gibt‘s ein Pos­ter, Bilder und ebenfalls ein Stickerpaket.

Mit diesem QR-Code bekommt man einen ersten Eindruck – es geht auf Entdeckungsreise in der Maria-Magdalena-Kirche.

„Die Preise werden nach Aktionsende verlost“, so Benjamin Taag. Das soll am 13. September, dem „Tag des offenen Denkmals“, im Haus zu den fünf Ringen geschehen. Wenn die Aktion in diesem Jahr gut läuft, dann könnte aus dem urbanen Spiel 2021 sogar ein Fes­tival werden, bei dem Streetart-Künstler zu Live-Performances eingeladen werden. Die Weichen dafür sind gestellt. Benjamin Taag dankt jedenfalls allen seinen Unterstützern, darunter Goch.TV, Heimatverein Goch, weiteren Sponsoren, Freunden und Bekannten und nicht zuletzt seiner Frau: „Für die mentale Unterstützung.“