Tulpen, Plätzchen und Kaffee

Auf dem Jurytisch: Tulpen. Plätzchen. Und Kaffee. Das ist gut. Es ist acht Uhr morgens. Geister müssen geweckt werden: Jurygeister. Die Kandidaten und das Publikum: erstaunlicherweise hellwach. Korrektur: Natürlich ist das nicht erstaunlich.

Auf dem Lesethron

Wer heute vorliest, nimmt auf einem Thron Platz. Na, das ist doch mal eine Idee. Auf dem Kandidatentisch: Natürlich auch Blumen und natürlich kein Kaffee. Die Vorleser sind Drittklässler. Ort der Handlung: die Christophorus Grundschule in Kranenburg. Die Schüler grüßen mit einem Lied und heißen die Jury willkommen.

Ein bisschen aufgeregt

„Die Bücher haben wir im Dezember verteilt und das Lesen innerhalb der Klassen hat dann im Januar stattgefunden“, erklärt Saskia Tilly. Sie ist „Chefin“ der 3a. Stephanie Klamroth ist Klassenlehrerin der 3b. Auf einem Zettel, die Namen der Kandidaten: Finn Stöckel, Nane Vossen, Norah Kanen, Thomas Lambregts, Sofia Salou. Aufgeregt sind die alle – ein bisschen. Aber das gehört dazu.

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Für alle Felle

Der Thomas liest aus „Glück für alle Felle“. Nein, kein ‚Dreckfuhler‘. Fell – man ahnt es schon – ist tierisch. Es geht um einen Hund. Im Kurztext zum Buch steht: „Eine liebevoll hintersinnige Hundegeschichte“. Und ein paar ziemlich komplizierte Wörter tauchen auch auf: „Pessimist“ zum Beispiel und „Spirituelles“. Ein Yogalehrer scheint für das Spirituelle verantwortlich. Thomas schafft die Hürden ohne Probleme.

Bilder im Kopf

Finn liest manchmal ein bisschen leise. Man muss ihm hinterherkriechen in den Text. Aber: Das lohnt sich natürlich. Bei allen. Lesen, denkt man, ist schon etwas Tollbesonderes: Da bewegt jemand den Mund, macht Geräusche und im eigenen Kopf entstehen Bilder, Geschichten, Zusammenhänge.

Prepper

Die Kandidaten sind Prepper – allesamt. Nicht, dass sie Nudelregale leergekauft hätten oder Atemmasken. Preppen kommt ja von vorbereiten. Wenn man‘s auf Englisch sagt, heißt es „prepare“ – da kommt es her. Zurück zum Eigentlichen: Die hier antreten und vorlesen, sind bestens vorbereitet – kennen ihren Text und nehmen das Publikum mit. Das kommt gut. Auch morgens um acht. Nora dirigiert ein bisschen beim Lesen: Die Geschichte wird nicht nur zu Tönen – sie wird auch zu Gesten. Das Rundumsorglospaket. Norah erinnert mit ihren beiden Zöpfen ein bisschen an ein Mädchen aus Schweden, das es aus der Fantasie zwischen zwei Buchdeckeln in Millionen von Kinderköpfen geschafft hat. Lesen ist schon ein Hammer.

Eine glückliche Siegerin: Norah Kanen.NN-Foto: HF

Zurück auf den Thron

Am Ende schafft es Nora zurück auf den Thron, von dem aus sie gelesen hat: eine Lesekönigin wird bejubelt. Wir sehen uns im nächsten Jahr: Neuer Spaß. Neue Kandidaten. Ein altbekanntes Wunder: Buchstaben, die zu Welten werden.

Die 3a und 3b der Christophorus Grundschule in Kranenburg.NN-Foto: HF