Katharinengrundschule Holt
Eltern und Kinder setzen sich gemeinsam dafür ein, dass sie weiter in Auwel-Holt zur Schule gehen können. NN-Foto: Dickel

AUWEL-HOLT Elf bedrückte Kinder stehen gemeinsam mit ihren Eltern auf ihrem Schulhof. Noch ist der Schulhof der Katharinengrundschule ihr Schulhof, doch bereits nach den Ferien sollen die elf Kinder (und auch die vier Kinder, die bei dem Termin nicht dabei sein konnten) auf eine andere Schule gehen.

Während die Kinder aber noch nicht so ganz begreifen können, was innerhalb einer Woche alles geschehen ist, sind die Eltern vor allem aufgebracht und wütend. Doch der Reihe nach. Am Montag erfuhr Christina Kretz, Klassenpflegschaftsvorsitzende der derzeitig zweiten Klasse von Direktor Thomas Auler über die Schließung der Klasse: „Er sagte mir, dass die Klassenstärke mit 15 Schülern zu gering sei und außerdem ein Lehrermangel herrsche“, so Kretz.

Schüler müssen auf eine neue Schule

Aus diesen Gründen müssten die 15 Schüler der derzeit zweiten Klasse der Katharinengrundschule am Standort Holt nach den Sommerferien eine andere Grundschule besuchen. Für die Klassenpflegschaftsvorsitzende kommt diese Information vollkommen unvorbereitet: „Wir hatten im Mai erst eine Schulkonferenz, in der zwar über Schülerzahlen gesprochen wurde, aber nie die Rede von der Schließung einer Klasse war“, berichtet Kretz. Sie benachrichtigte daraufhin die anderen Eltern der betroffenen Kinder. Alle sind sich einig, dass sie die Entscheidung nicht so einfach hinnehmen möchten: „Die Kinder werden aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen und müssen mit dem Bus zur Schule fahren“, macht Peter Opschroef seine Unmut Luft. „Am meisten stört uns aber, dass wir überhaupt nicht informiert wurden, sondern die Entscheidung einfach über unsere Köpfe hinweg getroffen wurde.“

Einige der Eltern sind zudem besorgt, welche Auswirkung die Schließung der Klasse auf die Zukunft der Schule haben könnte: „Das sind doch jetzt dann nur die ersten Dominosteine in einer langer Reihe, die fallen“, äußert sich Alexander Rosmann. Opschroef stimmt dem zu: „Es besteht die berechtigte Angst, dass bald der ganze Standort geschlossen wird, dabei ist die Schule das Zentrum des Dorfes.“

Die Eltern der betroffenen Schüler rechnen damit, dass ihre Kinder auf den Standort in Straelen aufgeteilt werden – allerdings ohne im Klassenverband zu bleiben: „Wir dürfen dann entscheiden, welche Kinder noch zusammen bleiben dürfen“, erklärt Kretz wütend. Mit dieser Lösung ist keines der anwesenden Elternteile einverstanden. Stattdessen habe man sich rechtlichen Beistand geholt, um zu prüfen, ob es keine andere Möglichkeit gibt. Auch die Kinder wünschen sich, weiter gemeinsam in Holt zur Schule zu gehen. Offiziell wird mit allen Eltern am kommenden Dienstag im Rahmen eines Elternabends über das Thema gesprochen.

Umzug von zwei Schülern und Lehrermangel

Schulleiter Thomas Auler erklärt aber auf Anfrage bereits vorab, was die Gründe für die Schließung der Klasse sind: „Direkt zu Beginn des nächsten Schuljahres werden zwei Schüler der Klasse 2H wegziehen und damit müssen wir bereits jetzt von nur noch 13 Schülern ausgehen.“ Der Klassenfrequenzrichtwert sei bei der Bildung und Instandhaltung einer Schulklasse ausschlaggebend. Zudem käme der gravierende Mangel an Grundschullehrern hinzu: „Im letzten Ausschreibungsverfahren durften wir zwei Stellen ausschreiben. Leider stand am Mittwoch, 19. Juni, fest, dass beide Stellen nicht besetzt werden. Aufgrund dessen haben wir die Entscheidung getroffen, aus unserem sechszügigen Jahrgang 2 (komplette Katharinengrundschule mit allen Standorten) eine Fünfzügigkeit herzustellen“, so Auler.

Direkt im Anschluss wurde die Klassenpflegschaftsvorsitzende und die Klassenlehrerin benachrichtigt und zu einer Klassenpflegschaftssitzung eingeladen. Weiter erklärt Auler, dass er die Wünsche der Eltern zum Wohle der Kinder berücksichtige und es in keiner Weise um eine schleichende Schließung der Schule gehe: „Die Jahrgangsstärke des neuen ersten Jahrgangs bekräftigen unseren Standort.“

Stadtverwaltung: Bekräftigung des Teilstandorts

Auf Anfrage erklärte die Stadtverwaltung Straelen, dass sie die Aufrechterhaltung des Teilstandortes der Katharinengrundschule in Auwel Holt bekräftige. Die Aufteilung in den Hauptstandort in Straelen und die beiden Teilstandorte in Auwel Holt und Herongen stünde hingegen zu keiner Zeit zur Disposition. Innerschulische Organisationsmaßnahmen wie die Klassenbildung oder die Unterbringung in Außenstellen unterlägen jedoch der jeweiligen Schulleitung und nicht der Stadt, die als Schulträger lediglich für die Gebäude und die Schulausstattung verantwortlich sei.

Auch Bürgermeister Hans-Josef Linssen bekräftigt die Aussage der Stadtverwaltung: „Wir – Rat und Verwaltung – haben uns vor einigen Jahren bewusst für dieses Modell mit den beiden Teilstandorten unserer Grundschule in Auwel-Holt und Herongen entschieden. Dies geschah vor allem mit dem Hintergrund, den Mädchen und Jungen einen kurzen Schulweg zu ermöglichen und auch um die dörfliche Infrastruktur dieser beiden Ortsteile zu stärken“, so Linssen. Deshalb habe er in einem Gespräch mit Schulleiter Thomas Auler auch an ihn appelliert, eine alternative Lösungsmöglichkeit zu finden.