„Boxteler Bahn“: Erinnerung an ein Stück Geschichte

Zum 150. Geburtstag der „Boxteler Bahn“ öffnet am Samstag eine Ausstellung

GOCH. Die „Boxteler Bahn“ ist nicht nur ein Stück niederrheinische und niederländische Geschichte. Sie gehörte nach ihrer Gründung vor 150 Jahren auch zu den wichtigsten hiesigen Schienenverkehr-Verbindungen. „In Goch und Wesel hatte die Strecke Verbindung an das weiterführende Schienennetz. Dabei wurde die gesamte Post aus Nord- und Süddeutschland von England nach Übersee transportiert“, berichtet Werner Verfürth.

Mit der Ausstellung wollen die Organisatoren die „Boxteler Bahn“ würdigen. NN-Foto: SP

Er sammelt seit 1995 Ansichtskarten der „Boxteler Bahn“. Gemeinsam mit Michael Lehmann aus Uedem und Jan Wessels aus dem niederländischen Gennep hat er diese zu einer Ausstellung zusammengefasst, die am kommenden Samstag um 11 Uhr im Haus zu den fünf Ringen in Goch eröffnet wird.

Die Gründung der „Boxteler Bahn“ würde sich am 28. Mai zum 150. Mal jähren. An diesem Tag wurde die Nord-Brabant-Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft (NBDS) gegründet, die den Grundstein für die „Boxteler Bahn“ legte. Die erste Teilstrecke wurde 1873 von Boxtel bis Goch eröffnet. Am 1. Juli 1878 folgte die zweite Teilstrecke von Goch nach Wesel, wodurch sie weitere Verbindungen an das weiterführende Streckennetz bekam. Ab 1881 könnten von der niederländischen Hafenstadt Vlissingen die Züge über Boxtel und Wesel nach Münster und Berlin fahren. Weitere Fernverbindungen führten nach Hamburg und Basel.

„Die Eisenbahnstrecke prägte unsere Region“

„Goch hat dabei besonders profitiert, weil in Goch der Zoll war und die Züge eine halbe Stunde Aufenthalt hatten“, schildert Verfürth. Auch Ulrich Knickrehm, Bürgermeister der Stadt Goch, schreibt in einem Vorwort des Buches zur Ausstellung von der großen Bedeutung der „Boxteler Bahn“ für die Region. „Diese Eisenbahnstrecke von Boxtel nach Wesel prägte unsere Region nachhaltig. Sie ließ die Menschen räumlich enger zusammenrücken und überwand Barrieren. Die „Boxteler Bahn“ war folgerichtig nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, auch gesellschaftlich hatte sie eine außergewöhnliche Bedeutung.“

Nicht nur Ansichtskarten der „Boxteler Bahn“, sondern auch eine Modelleisenbahn gibt es im Haus zu den fünf Ringen zu sehen.
NN-Foto: SP

Die „Boxteler Bahn“ war damals sogar ein Vorreiter ihrer Zunft. „Sie war hinsichtlich Geschwindigkeit und Komfort führend in den Niederlanden und Deutschland. Dort gab es die ersten Züge mit Schlaf- und Speisewagen. Zudem waren es damals die schnellsten Lokomotiven. Dadurch, dass die Strecke gerade war, konnten sie bis zu 100 Stundenkilometer schnell fahren. Der Durchschnitt lag aber bei 80 Stundenkilometern“, sagt Verfürth. Bei der Überfahrt von England nach Vlissingen habe es oft Verspätungen gegeben, welche die Boxteler Bahn auf ihrer Strecke wieder aufgeholt habe.

Erster Weltkrieg führte zum Ende

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 habe allerdings das Ende der Boxteler Bahn eingeläutet. „Der Krieg brachte, weil der internationale Verkehr zum Erliegen kam, derart katastrophale Einnahmeausfälle für die Bahngesellschaft, dass sie schließlich Konkurs ging“, erläutert Verfürth das Ende der Boxteler Bahn. Die holländische Teilstrecke übernahm schließlich ab 1925 die Nederlandse Spoorwegen (NS). Der deutsche Teil ging an die deutsche Reichsbahn (DR).

Buch zur Ausstellung

Mit der Ausstellung „150 Jahre Boxteler Bahn“ wollen die Heimatfreunde Goch mit Unterstützung der Heimatfreunde aus Uedem und Gennep aber nochmals an die „Boxteler Bahn“ erinnern. 100 Ansichtskarten und ein Eisenbahnmodell stellen die komplette Geschichte dar. Zusätzlich dazu gibt es ein gleichnamiges Buch, das ebenfalls Ansichtskarten und alle geschichtlichen Infos zusammenfasst. Es ist für zehn Euro im örtlichen Buchhandel oder während der Ausstellung zu erwerben.

Die Ausstellung ist samstags und sonntags sowie am 1. und 30. Mai jeweils von 11 bis 17 Uhr im Haus zu den fünf Ringen in Goch geöffnet. Die Ausstellung endet am 30. Mai. Ab dem 2. Juni ist sie dann in Gennep zu bewundern.