Im Beisein hochrangiger militärischer und ziviler Gäste wurde das neue Teleskop offiziell in Betrieb genommen.NN-Foto: CDS

UEDEM. „Der Weltraum, unendliche Weiten“ heißt es in einer bekannten Science-Fiction-Serie. Zu finden sind im All aber nicht nur Sterne; in der Erdumlaufbahn bewegen sich auch jede Menge Satelliten und Weltraumschrott.

Dieser Schrott – alte Satelliten, ausgebrannte Raketenstufen oder Überreste anderer technische Geräte – kann nur wenige Millimeter groß sein oder den Umfang eines Busses haben. Um im Blick zu haben, was alles im Orbit unterwegs ist, wurde nun auf dem Uedemer Paulsberg ein Teleskop offziell in Dienst genommen. Betrieben wird es gemeinsam vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt/Raumfahrtmanagement (DLR RFM) und dem Weltraumlagezentrum (WRLageZ) der Luftwaffe, das in Uedem angesiedelt ist.

„Uns interessiert: Wer macht da oben was?“, so Generalleutnant Joachim Wundrak, Kommandeur Zentrum Luftoperationen. So haben sich die zivile und die militärische Stelle zusammengetan, um ihre Ressourcen zu bündeln. Ziel sind Schutz und Sicherstellung der Funktion deutscher weltraumgestützter Systeme. „Die Abhängigkeit von solchen Systemen wird sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen“, erklärt Oberstleutnant Marc Worch die gemeinsamen Bestrebungen. Denn der Weltraumschrott hat Auswirkungen auf viele Bereiche: Bereits kleinste Teilchen können Solar-Panels unbrauchbar machen und Satelliten werden bei einer Kollision zerstört.

Das Hezstück des neuen Teleskop. NN-Foto:CDS

Das merkt man als Nutzer spätes­tens dann, wenn beispielsweise das Navigations-System im Auto keine GPS-Daten mehr bekommt, die WetterApp auf dem Handy keine Vorhersage mehr liefert oder die Börsendaten ausbleiben. Ungleich gefährlicher wären die Auswirkungen auf Flugsicherung oder wichtige Kommunikationskanäle, auch im militätischen Bereich. „Weltraumschrott bedroht aktive Systeme“, so Worch, „wir müssen deshalb wissen, wo sich was bewegt.“ Das neue Teleskop sammelt Bilddaten, die später in so genannte Bahndaten umgewandelt werden und für Fachleute ein exaktes Bild der Weltraumlage liefern.

„Das Teleskop guckt aber nicht wahllos in den Himmel“, erläutert Marius Eickmans vom DLR-Raumfahrtmanagement. Anhand von „Tasking Lists“ werden bestimmte Bereiche abgesucht und bearbeitet. Beim ersten Probelauf im Sommer dieses Jahres entstanden in nur sechs Stunden 2.500 Bilder, das waren 80 Gigabyte Daten. Diese wurden anschließend ins System des Weltraumlagezentrums eingespeist. „Comsat BW 2“, so der offizielle Name, liefert wichtige Informationen. Diese könnten dann an Betreiber von Satelliten weitergegeben werden, um vor drohenden Kollisionen zu warnen. „Um ein direktes Eingreifen unsererseits geht es nicht“, erläutert Marius Eickmans. Mit 200.000 Euro war das Teleskop vergleichweise preiswert. Beschafft wurde es im Rahmen des EU-Projektes „EUSST“ (European Space Surveillance und Tracking) durch das DLR RFM. Betriebskosten und Standort wurden durch die Luftwaffe bereitgestellt. Vom Weltraumlagezentrum aus wird das Teleskop ferngesteuert. Das Personal muss für die Planung der Aufnahmen und die Datenverarbeitung speziell geschult sein.

„Das ist für uns ein erster und extrem wichtiger Schritt“, betont Dr. Gerald Braun, Leiter der Abteilung Weltraumlage beim DLR Raumfahrtmanagement. Die Fähigkeiten der Sensornutzung und Messdatenverarbeitung zum Aufbau eines deutschen Satelliten- und Bahndatenkataloges sei ein wichtiger Schritt für den Ausbau der Fähigkeiten des Weltraumlagezentrums.
So soll das Zentrum schon Ende 2019 mit einem prototypischen Bahnverfolgungsradar ausgestattet werden, der das System erweitert.

Hintergrund
Rund um die Erde ist der Orbit dreigeteilt: Der „Low Earth Orbit“ („Leo“) ist die Höhe von 200 bis 2.000 Meter. Im „Leo“ werden Umwelt- und Wetterdaten gesammelt, außerdem kreisen hier Satelliten zur Bildgewinnung und Erdbeobachtung.
Der „Medium Earth Orbit“ („Meo“)ist die Höhe von 2.000 bis 25.000 Meter. Hier befinden sich unter anderem Satelliten für Navigation.
Im „Geostationary Orbit“ („Geo“) mit einer Höhe ab 36.000 Metern befinden sich Satelliten, die für Kommunikation und Fernsehen genutzt werden.
Das neue Teleskop beobachtet Objekte im „Meo“ und Geo“. Die Kuppel des Teleskops ist ein so genannter „Clamshell Dome“ und besteht aus wetterfesten Glasfaserverbund. Computergesteuert kann die Kuppel geöffnet und geschlossen werden. Bei starkem Wind oder Regen kann sie sich selbstätig schließen, damit das Teleskop nicht beschädigt wird.