Was heißt „Austherapiert“? – Aufgeben gilt nicht!

Nach zehn Jahren Parkinson am Ende? - Expertenhilfe für Detlev Friedriszik

RHEINBERG. Wenn ein Arzt das Wort „austherapiert“ gegenüber seinem Patienten ausspricht, dann kann es wie ein Todesurteil klingen. Und so schoss es auch dem 60-jährigen Detlev Friedriszik aus Alpsray durch den Kopf „Ist das nun das Ende nach zehn Jahren Parkinson-Erkrankung?“

Detlev Friedriszik hat in der Zeit der Medikamentenanpassung seine Übungen daheim im Wohnzimmer durchgeführt. Per Videoübertragung konnte sich der behandelnde Arzt ein Bild vom Behandlungsfortschritt machen. Foto: nno.de
Detlev Friedriszik hat in der Zeit der Medikamentenanpassung seine Übungen daheim im Wohnzimmer durchgeführt. Per Videoübertragung konnte sich der behandelnde Arzt ein Bild vom Behandlungsfortschritt machen.
Foto: nno.de

Mit 50 Jahren aus dem Berufsleben herausgerissen – das war  schon ein Schock. Statt als Manager durch die Weltgeschichte zu reisen nun überwiegend auf Zuhause angewiesen zu sein – nicht leicht zu verkraften. Ein Lernprozess Hilfe anzunehmen, die eigene Krankheit zu akzeptieren, wohl wissend, dass es bislang keine Heilung gibt. Rückzug war angesagt, doch dann siegte der Lebenswille. Detlev Friedriszik überlegte: „Was kann ich noch tun, um trotz Erkrankung ein sinnvolles Leben zu führen?“ Er engagierte sich für die Aufklärung zur Krankheit, entwickelte DVD, Buch und Hörbuch in einer bundeweiten Aktion „Diagnose Parkinson – Alles vorbei“. Beste Unterstützung erhielt er bei der Umsetzung von Ehefrau Marianne. Für ihr Engagement wurde das Paar mit Preisen ausgezeichnet. Wohl wissend dass Medikamente nicht alles sind, entdeckten sie Bewegung als zusätzliche Behandlungsmöglichkeit. Ein österreichischer Parkinson-Patient hatte die sogenannten „Smovey-Ringe“ entwickelt. Friedrisziks spürten  die wohltuende Wirkung bei der Gymnastik mit diesem Vibroswingsystem. Sie empfahlen es anderen Patienten und Bewegungsfreudigen. Auf Bitten von zwei Bürgermeistern setzten sie sich für das Projekt „Mehr Bewegung für unsere Kinder am Niederrhein“ ein und sorgten dafür, dass mit Sponsorengeld 17 Kindertagesstätten und 14 Schulen mit diesen Ringen ausgestattet werden konnten.
Detlev Friedriszik blühte regelrecht auf durch seine neue Aufgabe und doch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr. Aufstehen aus dem Sessel – Fehlanzeige. Alleine die Strümpfe anziehen – auch das ging nicht mehr. „Ohne Hilfe komme ich nicht zurecht“, sah der Rheinberger Ende letzten Jahres sein eingeschränktes Leben und wandte sich an seine Ärzte. „Was erwarten Sie  nach zehn Jahren Parkinsonerkrankung“ kam die Antwort und es fielen Worte wie „austherapiert“ und „abfinden“.
Keine Hoffnung mehr? Detlev Friedriszik wollte es nicht glauben.  „Aufgeben gilt nicht!“ – diesen Tipp hatte er schon so oft anderen Patienten gegeben. Nun musste er initiativ werden. Dank persönlicher Kontakte lernte er Prof. Dr. Woitalla, Chefarzt und Parkinson-Spezialist der Neurologischen Klinik St. Josef in Essen Kupferdreh, kennen. „Austherapiert ist keine Zustandsbeschreibung, die man akzeptieren muss“, stellte Woitalla im Erstgespräch fest und vermittelte dem Rheinberger dadurch Hoffnung. Friedriszik erinnert sich: „Der Chefarzt sagte mir, dass es bei Parkinson fünf Rezeptoren gebe, die mit den entsprechenden Mitteln bedient werden müssten. Wenn man nur die Dosis steigere bei einem oder zwei der Rezeptoren und die anderen Rezeptoren nicht bediene, käme es zur Schieflage. Dann ginge es dem Patienten immer schlechter und man sähe ihm seine Krankheit deutlich an.“ Der Arzt schlug ihm eine Medikamtenanpassung in häuslicher Umgebung vor. Dazu musste ins Wohnzimmer der Friedrisziks ein PC und eine Kamera installiert werden. Vier mal am Tag führte  der 60-Jährige nach klar formulierten Anweisungen Aufgaben und Bewegungsübungen durch, die sich der Parkinsonspezialist auf den Filmübertragungen anschauen konnte. Nach der Auswertung konnte er eine Medikamtenumstellung vornehmen und gleichzeitig die Wirkung beobachten.
Das Ehepaar konnte es kaum glauben: Schon bald war eine Verbesserung in der Mobilität festzustellen. Detlev musste nicht ständig um Hilfe bitten. Seine Stimme gewann wieder an Volumen, seine Aussprache wurde deutlicher.
„Bis auf den Tremor und Probleme mit den Augen (Lichtempfindlichkeit) ist eine nie für möglich gehaltene Verbesserung der Lebenssituation eingetreten“, freut sich Friedriszik nach der Therapie und er macht anderen Betroffenen Mut: „Auch wenn man auf dem Land lebt, hat man die Möglichkeit den Prozess der Medikamentenumstellung von erfahrenen Parkinsonspezialisten auswerten und anpassen zu lassen.“ Er zieht das Fazit: „„Man sollte sich niemals mit einem Zustand zufrieden geben, es geht  immer noch etwas, man muss nur hartnäckig suchen.“ Allerdings muss er zugeben, dass Prof. Woitalla keine Garantie übernehmen kann, dass sich bei jedem Parkinsonerkrankten durch diese Therapie so ein großartiger Erfolg einstellt. Friedriszik hofft natürlich, dass sein momentaner Zustand lange anhält. Gerne gibt er Interessierten Auskunft unter Telefon 02843 990338 oder per mail an info@freemade.de

INFO

Detlev Friedriszik hat unter www.freemade.de ein Informationsportal geschaffen für Parkinson-Betroffene und Angehörige