Zwei Retterinnen der Bücherei gehen in Rente
Nach 30 Jahren geben Marlies Schug und Renate Anker ihr Ehrenamt auf
Beiden Ehrenamtlern fiel diese Entscheidung nicht leicht. „Es wird schon was fehlen“, meint Anker, „noch vor ein paar Jahren wäre es für mich absolut undenkbar gewesen, diese Tätigkeit aufzugeben.“ Obwohl beide anfangs hauptsächlich die Schließung der Bücherei in der Gemeinde verhindern wollten, bekamen sie auch schnell Gefallen an ihrer Tätigkeit. Dazu zählten nicht nur die Auswahl der Bücher und die reine Ausleihe, sondern auch die Beratung von Lesern. „Manche Leute kommen hier in die Bücherei und wollen sich wirklich beraten lassen, welcher Roman zu ihnen passen könnte“, berichtet Schug. Diesen Austausch hat auch Anker sehr geliebt: „Ich lese wirklich sehr viel. Ich bin eine richtige Leseratte und habe mich daher gerne mit anderen ebenso anspruchsvollen Lesern unterhalten und mich bezüglich neuer Titel und Autoren ausgetauscht. Ich habe hier über die Jahre viele Gleichgesinnte getroffen.“ Als Kundin werde Anker der Bücherei deshalb auf jeden Fall erhalten bleiben, verspricht sie.
Dass ihre Tätigkeit sie über 30 Jahre an die Bücherei binden werde, hätten beide 1994 noch nicht für möglich gehalten. „Wir haben ehrlich gesagt gar nicht drüber nachgedacht, wie lang das gehen könnte. Damals wollten wir wirklich nur, dass die Bücherei erhalten bleibt“, sagt Schug. Beide Frauen hatten Anfang der 1990er Jahre auch noch schulpflichtige Kinder, die ebenfalls gerne in der Bücherei stöberten. „Meine Tochter war auch eine richtige Leseratte. So viele Bücher konnte man gar nicht kaufen, wie sie gelesen hat. Deshalb ging sie auch mehrmals in der Woche in die Bücherei“, berichtet Anker. Aus diesem Grund sei die Nachricht, dass die politische Gemeinde die Bücherei schließen wollte, für sie auch ein Schock gewesen. Als sie ebenfalls den Aufruf des Musik- und Literaturkreis Alpen las, die Bücherei als Trägerverein mit Ehrenamtlern weiterzuführen zu wollen, sei für sie ebenso sofort klar gewesen, dass sie sich engagieren wolle.
Neben Schug und Anker meldeten sich noch weitere Freiwillige. „Wir waren damals 15 bis 20 Frauen“, erinnern sich die beiden. Auch zwei Männer seien anfangs dabei gewesen, hätten sich nach kurzer Zeit aber wieder zurückgezogen. Schug und Anker blieben für ganze 30 Jahre – und machten 2011 etwa auch den Umzug der Bücherei ins umgebaute und barrierefreie alte Rathaus mit, wo sie noch heute beheimatet ist. „Den Umzug 2011 haben wir auch zum Anlass genommen, alle Bücher zu digitalisieren“, sagt Kerstin Pieper, Vorsitzende des Musik- und Literaturkreises Alpen. Auch das erledigten die etwa 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die es bis heute sind.
Für Marlies Schug und Renate Anker fassten nach dem diesjährigen 30. Jubiläum der Übernahme der Bücherei durch den Musik- und Literaturkreis Alpen gemeinsam den Entschluss aufzuhören. „Mit der 30 haben wir gedacht, dass es jetzt Zeit ist aufzuhören“, sagt Schug. Auch wenn ihnen der Abschied vom Ehrenamt nach so langer Zeit sichtbar schwerfällt, gehen sie mit vielen schönen Erinnerungen aus 30 Jahren verdientermaßen in „Rente“. Sabrina PetersZum Abschied gab es Blumen für Marlies Schug (l.) und Renate Anker. NN-Foto: SP