Gildemeister Heinrich Weßels (l.) und Altmeister René Gravendyk mit dem Gildebuch von 1723. Foto: St. Eligius-Gilde Goch
11. Juni 2025 · Goch

Zusammenhalt und Standesehre prägen seit 500 Jahren die Gilde

Jubiläum der St. Eligius-Gilde Goch wird am kommenden Wochenende mit einem Begegnungsfest gefeiert

GOCH. „Die Gilde ist älter als die Französische Revolution und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung“: Altmeister René Gravendyk und Gildemeister Heinrich Weßels sind zu Recht stolz auf die 500-jährige Geschichte der St. Eligius-Gilde 1525 Goch.

Dieses ganz besondere Jubiläum wird vom 13. bis 15. Juni mit einem Festwochenende in Goch gewürdigt. Das wird schon seit vielen Wochen vorbereitet und bietet den Gästen aus Deutschland und den verschiedenen europäischen Eligiusgilden und Bruderschaften ein abwechslungsreiches Programm mit Besichtigungen, Kammerkonzert und Empfang. „Wir freuen uns sehr, dass auch der Präsident der Eureloy, Alain Lagane aus Frankreich, zu unserer Feier kommt“, erzählt René Gravendyk. In der Eureloy sind neben Deutschland die europäischen Eligiusbruderschaften aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Italien und Spanien vertreten. Gegründet wurde die Eureloy im Juni 1990. Deren „Hauptstadt“ ist Noyon in Frankreich; in der dortigen Kathedrale werden zahlreiche Reliquien des heiligen Eligius aufbewahrt.

Ausstellung

Im Rahmen der Feier vom 13. bis 15. Juni findet außerdem eine Ausstellung in der Heimatwerkstatt des Heimatvereins Goch, im Haus zu den fünf Ringen, Steinstraße, statt. Dort werden Exponate gezeigt, die für die Gilde zusammengetragen wurden. Die Ausstellung ist dann bis zum 13. September, immer freitags zu sehen, dann ist die Heimatwerkstatt besetzt. Und „An Niers und Kendel“, die historischen Zeitschrift für Stadt Goch und Umgebung, beschäftigt sich in ihrer neuesten Ausgabe (Nr. 75) mit der reichen Geschichte der Gilde. Das Heft ist zum Preis von 3,50 Euro in den Gocher Buchhandlungen oder im Versand beim „Historischen Arbeitskreis an Niers und Kendel“, Holunderweg 8, 47574 Goch oder per E-Mail an megohm@t-online.de (zuzüglich Versandkosten 2,50 Euro), erhältlich.

Die Gilde, gegründet am 17. September 1525, sollte die Standesehre wahren und fördern – was im Grunde die Innungen auch heute noch tun. Früher war das Netzwerk auch dafür gedacht, Witwen zu unterstützen, wenn der Mann, der Ernährer der Familie, starb. Die soziale Komponente in der Gilde war und ist bis heute wichtig. Die St. Eligius-Gilde ist die älteste Gilde in Goch, und ganz wichtig kein Verein, deshalb hat man auch ein Banner und keine Fahne. 1525 wurden im ersten Gildebrief die Rechte und Pflichten der Zunftmitglieder festgehalten; dieses Pergament ging jedoch leider Anfang des 18. Jahrhunderts verloren, wie Autor Dieter Bullack im Heft beschreibt. 1708 fertigte der Magistrat der Stadt Goch auf Bitten der Gilde eine neue Urkunde aus, denn es gab zum Glück noch eine Abschrift vom Original.

Gildebrief

Der Gildebrief von 1708 war nach dem Zweiten Weltkrieg 80 Jahre lang verschollen und wurde nun – zur großen Freude der Gilde – bei Recherchen zur Jubiläumsfeier wieder entdeckt. „Man glaubte, die Urkunde sei im Zweiten Weltkrieg zerstört worden“, so Gildemeister Weßels. Ein weiteres wertvolles Stück Geschichte ist das Gildenbuch von 1723. Es war für Goch das zweite seiner Art; auf der ersten Seite findet sich ein mit Tinte gemaltes Bild des Gildepatrons St. Eligius. Er steht in seiner Bischofstracht vor dem Amboss, mit Hammer und Bischofsstab in seinen Händen. 1966 wurde dann eine neues, in Leder eingebundenes Gildebuch angefertigt.

„Finne“ und „Growwe“

In Goch sind alle Mitglieder der Gilde „Metaller“, unterteilt in „Finne“ und Growwe“ – beide haben aber die Flamme in ihrer Tätigkeit. So ist zum Beispiel René Gravendyk „enne Growwe“ (KFZ) und Heinrich Weßels „enne Finne“ (Elektro). Der Patronatstag in Goch ist der 1. Dezember, dann wird immer gemeinsam mit Gottesdienst, Frühstück „en Örtje und en Bier“ und Abendessen gefeiert. Das besteht traditionell aus Bratwurst mit Kartoffeln und Feldsalat. Quasi zum „Nachtisch“ folgt der Jahresbericht des Altmeisters, bevor nach altem Brauch die Schiefertafel herumgereicht wird, auf der die Gildebrüder ihren neuen Gildemeister „met Krijd en Lej“ wählen.

Die Geschäftsunterlagen und Utensilien, unter anderem Gilde-Kerze, Eligius-Figur, Sammelhut und „Ley än Kritt“ werden seit 1979 in der großen, eigens angefertigten Amtstruhe aus Holz aufbewahrt. Sie steht seitdem stets beim jeweiligen Gildemeister. In den Unterlagen der Gilde sind natürlich auch die Mitglieder aufgeführt, darunter viele bekannte Namen aus Goch. Fast von Beginn an in der St. Eligius-Gilde vertreten ist die Familie Vaegs. Willi Vaegs, Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Goch, wurde im Laufe der Jahre zweimal zum Gildemeister gewählt: 1963 und 2006, ebenso wie elf andere Gildebrüder. Dieter Bullack würdigt auf den ersten Seiten des Heftes drei verstorbene Gildebrüder, die die Nachkriegsgeschichte der Gilde geprägt haben. Ernst Schreiber war es, der das Gildebuch von 1723 und alle noch vorhandenen Akten gerettet hat. Heinz Mosterts erstellte eine Chronik der Jahre 1949 bis 1999 und rekonstruierte das alte Siegel, das heute noch genutzt wird. Als internationale Botschafter der Gocher St. Eligius-Gilde und Stifter einer Holzfigur machte sich Franz Küppers verdient.

„Das Miteinander in der Gilde ist für Goch eine tolle Sache“, unterstreicht René Gravendyk. So blicken die Gildebrüder nach einem halben Jahrtausend weiterhin positiv in die Zukunft und pflegen die Freundschaft zu den europäischen Bruderschaften.

Gildemeister Heinrich Weßels (l.) und Altmeister René Gravendyk mit dem Gildebuch von 1723. Foto: St. Eligius-Gilde Goch