Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust
20. Januar 2025 · Kevelaer

Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust

Lichtinstallationen und Schriftzug am Kevelaerer Rathaus

KEVELAER. Anlässlich des Gedenktages an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des Völkermordes wird das Rathaus der Wallfahrtsstadt Kevelaer mit dem Schriftzug „Niemals wieder“ angestrahlt. Diese Worte sollen am Montag, 27. Januar von 17 bis 22 Uhr ein sichtbares Zeichen setzen, aus den Gräueltaten des Nationalsozialismus zu lernen und Ähnliches für alle Zeiten zu verhindern.

Die Bürger werden aufgefordert, innezuhalten und sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden, aus der Geschichte zu lernen. In Vorbereitung auf den Gedenktag hat Stadtarchivar Till Bodden einen Fachaufsatz über die Opfer der NS-Zeit in Kevelaer recherchiert und verfasst. Der Beitrag widmet sich Einzelschicksalen von Betroffenen aus der Stadt. Zum Beispiel geht es um Maria Wackers, Anna Boland und Margaretha Hejmanns. Alle drei wurden zwischen 1941 und 1945, wegen angeblicher geistiger Krankheit, zur „Heilung“ in verschiedene Anstalten eingewiesen und dort durch die Nationalsozialisten ermordet. Für sie wurden auf Kevelaerer Stadtgebiet bereits drei Stolpersteine verlegt.

Till Bodden gibt in seinem Aufsatz aber auch Einblicke in das Schicksal verschiedener Menschen aus Kevelaer, wie sie ihr eigenes Schicksal schildern, als sie nach dem Krieg beim Amt um Entschädigung für die NS-Zeit ersuchten. „Leider ist die Überlieferung für Akten aus der Zeit des Dritten Reiches in Kevelaer nur sehr lückenhaft. Trotzdem wissen wir, dass es auch in unserer Stadt sowohl Menschen gab, die aktiv an den Untaten des Nationalsozialismus teilnahmen, als auch solche, die darunter leiden mussten. An die Geschichten von Letzteren wollen wir jetzt einmal mehr erinnern, indem wir die Selbstzeugnisse von betroffenen Verfolgten wiedergeben – von Menschen, die aus willkürlichsten Gründen aus ihrem Leben gerissen wurden,“ erklärt der Stadtarchivar.

Die aufgeführten Schicksale machten betroffen und regten auch grundsätzlich zum Nachdenken über die Folgen von Diskriminierung, Verfolgung und menschenverachtendem Handeln an. „Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist eine Mahnung an uns alle“, betont Bürgermeister Dr. Dominik Pichler. „In einer Zeit, in der Antisemitismus, Rassismus und Hass wieder verstärkt auftreten, ist ein klares Bekenntnis zu Menschlichkeit, Toleranz und Demokratie wichtiger denn je. Es ist unsere Pflicht, dass solche Gräueltaten nie wieder geschehen“. Der Fachaufsatz des Stadtarchivars Till Bodden kann über die Webseite der Stadt aufgerufen werden.

Am 27. Januar jährt sich zum 80. Mal der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Dieser Tag, der 1996 von Bundespräsident Roman Herzog zum Tag des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des Völkermordes ausgerufen wurde. Seit 2005 ist der 27. Januar von den Vereinten Nationen als internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust anerkannt. Die Wallfahrtsstadt Kevelaer möchte mit dem Gedenktag nicht nur der Opfer gedenken, sondern alle Bürger dazu anregen, sich mit den historischen Ereignissen auseinanderzusetzen. Der 27. Januar soll daran erinnern, dass es an allen liegt, dafür Sorge zu tragen, dass diese Zeiten nie wieder zurückkehren.