Gruppenbild der Teilnehmer der Bildungsfahrt ins Neanderthal Museum, Mettmann, organisiert vom Kreis Kleve.
4. November 2026 · Niederrhein

Zeitreise mit Blick auf Gegenwart und Zukunft

Bildungsfahrten ins Neanderthal Museum und auf die Zeche Zollverein

KREIS KLEVE. „Aus der Vergangenheit lernen“: Unter diesem Motto standen zwei Bildungsfahrten des Kreises Kleve in den Herbstferien. Dabei ging es darum, sich mit Geschichte und Erinnerungskultur auseinanderzusetzen und Bezüge zur Gegenwart herzustellen. Organisiert wurde das Programm vom Kommunalen Integrationszentrum Kreis Kleve und der Querschnittsstelle „Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung im Kreis Kleve“. „Die Beschäftigung mit der Vergangenheit hilft uns Rassismus, Diskriminierung und rechtsextremistische Vorstellungen in der Gegenwart zu erkennen und ihnen entgegenzutreten. Dies wirft zugleich die Frage auf, welche Verantwortung wir heute und für die Zukunft übernehmen“, sagte Carina Cleven-Pawletko, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums.

Am ersten Tag ging es zum Neanderthal Museum nach Mettmann. Es war eine Reise Millionen Jahre zurück – in die Ur- und Frühgeschichte. Hier konnten sich die Teilnehmer über die Evolutionsgeschichte des Menschen und die ersten Migrationsbewegungen informieren. Zugleich verdeutlichte die Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Herkunft des Menschen, dass rassistische Vorstellungen, wie die Einteilung von Menschen – beispielsweise aufgrund ihrer Hautfarbe – in vermeintliche biologische Rassen, sich wissenschaftlich nicht halten lassen. Am Folgetag besuchte die Gruppe die Zeche Zollverein in Essen und erlebte dort die jüngere Vergangenheit, den Nationalsozialismus in Deutschland. Eine Zeit, in der gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rassenideologie zur systematischen Ermordung von Millionen Menschen führten. Hieran erinnerten die Ausstellungen „Unter Tage, unter Zwang“, die über Zwangsarbeit in den Industrieanlagen des Ruhrgebiets aufklärte sowie die Ausstellung „Holo Voices“ mit dem interaktiven Element „Frag nach“.

Die „Holo Voices“ sind Hologramme von Zeitzeugen des Holocausts, die auf Fragen von Besuchern zu ihrer Lebensgeschichte antworten. Dies wird durch zuvor geführte lange und intensive Interviews mit den Zeitzeugen ermöglicht, die mit einer speziellen Hologramm-Technik aufgezeichnet wurden. Eine künstliche Intelligenz ermittelt anhand von Schlagwörtern eine „passende Original-Antwort“. Die Aussagen der Zeitzeugen bleiben in den Hologrammen unverändert und authentisch. Diese Technik ermöglicht somit im Rahmen der Erinnerungskultur auch nachkommenden Generationen einen persönlichen Zugang zu diesem Thema. Begleitet wurden die zwei Ausstellungen durch Workshops von pädagogischen Mitarbeiterinnen des Vereins „Zweitzeugen“.

„Durch die beiden Fahrten wollten wir dazu anregen, historische Entwicklungen zu reflektieren und Bezüge zum eigenen Handeln herzustellen. Denn wir alle gestalten die Geschichte von morgen mit und tragen Verantwortung dafür, wie wir heute miteinander umgehen“, sagte Carina Cleven-Pawletko.

Gruppenbild mit dem Neandertaler: Einige der Teilnehmer der Bildungsfahrt des Kreises Kleve ins Neanderthal Museum in Mettmann. Foto: Kommunales Integrationszentrum Kreis Kleve