Zahlen kennen keine Dramen
11. März 2026 · Kleve

Zahlen kennen keine Dramen

Polizei stellt Verkehrsunfallstatistik für den Kreis Kleve 2025 vor

KREIS KLEVE. Hinter manchen Zahlen stecken Trauer und Verzweiflung. 23 Menschen ließen im Jahr 2024 auf den Straßen des Kreises Kleve ihr Leben. Im vergangenen Jahr waren es 19.

Landrat Christoph Gerwers formuliert es so: „Die Bekanntgabe der Verkehrsunfallbilanz für das jeweils vergangene Jahr ist eine Aufgabe des Behördenleiters, die meistens mit traurigen Zahlen einhergeht, weil menschliche Schicksale dahinter stehen.“ Eine Statistik der Verkehrsunfälle ist Berg- und Talfahrt: Weniger Verkehrstote, aber mehr Verkehrsunfälle. Gerwers: „14 Menschen starben 2025 als Fahrzeugführer beziehungsweise Insassen eines PKW oder Kleintransporters. 2025 wurde kein Kind getötet, allerdings starb ein 15-Jähriger als Mitfahrer in einem PKW, dessen Fahrer nach derzeitigen Erkenntnissen mit überhöhter Geschwindigkeit und trotz Überholverbotes überholt hatte und beim Wiedereinscheren die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.“

Wer etwas über die unvorstellbare Dramatik solcher Ereignisse und ihre Wirkung auf Familie und Freunde erfahren will, müsste vielleicht mit denen reden, die bei der Kreispolizeibehörde im Opferschutz tätig sind. Sie sind es, die – nicht nur bei Unfällen mit Todesfolge, sondern auch bei solchen mit Schwerverletzten – ausrücken, um Familien zu unterrichten. Sie sind die ersten, bei denen sich Trauer und Verzweiflung Bahn brechen und sie sind es auch, die im vergangenen Jahr 128 Mal zur Betreuung von Angehörigen unterwegs waren. Gerwers: „Das nötigt mir höchsten Respekt ab und mein Dank gilt daher ausdrücklich den Kolleginnen und Kollegen, die sich freiwillig für die Wahrnehmung dieser schweren und belastenden Aufgabe bereit erklärt haben.“

9.269 Verkehrsunfälle ereigneten sich 2024 auf den Straßen im Kreis Kleve. Im vergangenen Jahr waren es 9.421. Die Zahl der Bagatellunfälle ist leicht gesunken. Achim Jaspers, Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde Kleve (KPB): „Bei den Schwerverletzten zeigt der Landesvergleich erneut, dass die Gefahr, bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt zu werden, im Kreis Kleve am höchsten im Land NRW ist. [...] Auch bei den Leichtverletzten kam es im Jahr 2025 zu einem weiteren Anstieg.“ Und noch eine schlechte Nachricht: „Nach einem deutlichen Anstieg auf 155 (plus 22) im Jahr 2024, ist die Zahl der verunglückten Kinder leider weiter gestiegen. 169 verunglückte Kinder im Jahr 2025 entsprechen einem Anstieg von 9,0 Prozent.“ Wirft man einen Blick auf die Unfallursachen, rangieren „Vorfahrt/Vorrang (20 Prozent) und Abbiegen/Wenden (17 Prozent) auf den vorderen Plätzen.

Bei zwei tödlichen Verkehrsunfällen mit insgesamt vier Verkehrstoten bestehe, so Jaspers, der Verdacht einer verbotenen Kraftfahrzeugrennens. „Der folgenschwerste Verkehrsunfall des Jahres 2025 ereignete sich am 13. September. Bei diesem Unfall starben die Insassen eines hochmotorisierten Mietwagens, zwei erwachsene Männer, und ein 15-jähriger Jugendlicher.“

Der Unfall habe, so Jaspers, die extreme Gefahr von Kraftfahrzeugrennen dramatisch und tragisch aufgezeigt. „Die Kreispolizeibehörde legt einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung aber auch die Bearbeitung von ‚verbotenen Kraftfahrzeugrennen‘ und setzt auf konsequente Ausschöpfung der bestehenden Möglichkeiten wie Sicherstellung von Führerscheinen sowie die technische Auswertung digitaler Spuren“, so Jaspers.

Die Zahl der verunglückten Pedelec-Fahrer stieg um 19 auf insgesamt 314. Jaspers: „Diese Entwicklung korreliert mit der steigenden Beliebtheit der Elektromobilität und ist als Landestrend feststellbar.“ Ein Rückgang von Verkehrsunfalltoten ist bei den Motorradfahrenden zu verzeichnen. Während 2023 und 2024 jeweils vier Motorradfahrende ums Leben kamen, war im vergangenen Jahr „nur“ ein Todesopfer zu beklagen.

Zahlen sind oft von einer kühlen Neutralität. Sie erzählen nichts von den Dramen im Hintergrund. Wer mit Opferschützern spricht, hört nicht selten, dass zwischen Leben und Tod bei schweren Unfällen nur „ein Streifen Zufall“ liegt.

Am Ende der Statistik findet sich eine Bilanz der tödlichen Verkehrsunfälle im Kreis Kleve im vergangenen Jahr. An jedem Anfang: Ein Datum, eine Uhrzeit, ein Ort. Danach: Eine kurze Beschreibung. Schnell merkt man, dass sich schon beim Lesen der Meldungen eine kaum beherrschbare Verzweiflung Bahn bricht. Das unfassbare Elend jedes einzelnen Falles passt nicht in Buchstaben. Es sprengt die Vorstellungskraft.

Wer sich für die Details der Statistik interessiert, findet sie hier: https://kleve.polizei.nrw/artikel/polizeiliche-verkehrsunfallbilanz