Norbert Pohls Leidenschaft ist der Wein. Dem ging er im Frühjahr auf die Spur.Fotos: Norbert Pohl
9. Oktober 2023 · Kerken

XXL-Wine-Tasting auf zwei Rädern

Norbert Pohl aus Stenden fährt 6.100 Kilometer durch Italien und besucht befreundete Winzer

NIEDERRHEIN. Norbert Pohl ist Weinfachverkäufer und Berater aus Stenden. In seinen zwei Geschäften „Ausgesuchte Weine“ in Krefeld, beriet er lange viele Kunden am Niederrhein. Nach 40 Jahren im Beruf übernahm jetzt ein Nachfolger sein Business – doch ans Aufhören denkt der Weinliebhaber noch lange nicht. Zu Ehren der langen Zusammenarbeit mit seinen Winzern und Freunden in Italien, schnappte er sich im vergangenen Jahr sein E-Bike und ging auf eine 6.100 Kilometer lange Fahrradtour um ganz Italien. Alles in nur drei Monaten.

„Ich bin so fit wie noch nie in meinem Leben“, sagt Pohl, und strahlt dabei bis über beide Ohren. Logisch, nach täglichen 100 bis 120 Kilometern auf dem Drahtesel bei Wind und Wetter gewöhnt man sich irgendwann an die körperliche Belastung. Große Vorbereitung habe es für die Reise nicht gegeben, orientiert wurde sich lediglich an den Weingütern, denen Pohl einen Besuch abstattete.

So wurde der Startpunkt die kleine Provinz Naturns am Fuße der Ötztaler Alpen in Südtirol. Von dort aus ging es in Richtung Süden nach Venetien an den Gardasee, dann über Verona weiter nach Ostiglia, den Ort Cento in Ferrara und nach Bologna. Von Tag zu Tag suchte sich Pohl das nächste Ziel: „Ich habe die Reise komplett spontan strukturiert. Auch die Hotels habe ich meistens erst am selben Tag online gebucht, um eine Möglichkeit zum Schlafen und aufladen meines E-Bikes zu haben. Man kommt bei so einem Abenteuer automatisch in einen Flow.“ Einsamkeit gab es als Alleinreisender keine, wie Pohl weiter beschreibt, „die drei Monate in Italien waren geprägt von tollen Eindrücken und Erlebnissen. Ich spreche fließend Italienisch, was mir die Kommunikation deutlich vereinfachte. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und herzlich.“ Die Sprache lernte er während eines Praktikums auf einem italienischen Weingut. „Für das Studium der Weinwirtschaft ist ein Praktikum notwendig. Aus einem geplanten halben Jahr wurden zwei Jahre. So gut hat es mir gefallen“, erklärt Pohl und blickt lächelnd auf die vergangenen Zeiten zurück. Neben der Menschen waren auch die vielfältige Landschaft der Alpen, großflächige Weinfelder und die Küste, sowie die Kulinarik seine Highlights, „ich liebe alles was mit gutem Essen zu tun hat. Daher probiere ich auch gerne Dinge aus. Zum Beispiel: Eine Pasta mit Tintenfisch, die von der Tinte des Tieres schwarz gefärbt war. Eine einmalige Erfahrung.“

Nach Florenz ging es für den Radler natürlich auch in Städte wie Rom und Neapel. In der Ortschaft Sorrent, die auch zu Neapel zählt, besuchte er außerdem ein weiteres Mitglied seiner Weinfamilie. „Es war eine ganz andere Art von Urlaub. Wenn man mit dem Auto fährt, rast man oft an allem gedankenlos vorbei. Auf dem Fahrrad ist es entspannter. So kann man auch mal querfeldein fahren und bekommt einen authentischen Blick auf das einheimische Leben Italiens“, schwärmt Pohl. Er appelliert an jeden, wieder mehr Fahrrad zu fahren und sagt ganz klar: „Ich will die Menschen fürs Fahrradfahren begeistern.“

Dass er irgendwann mal selbst über 6.000 Kilometer auf dem Rad in einer Tour zurücklegen würde, hätte er früher nicht gedacht, „Ich war vorher überhaupt kein übermäßiger Fahrradfahrer, habe aber in den letzten Jahren viel gefallen daran gefunden.“

Nächste Reise: Frankreich

Weiter ging sein Reise entlang des „Stiefels“. Von Agropoli nach San Giovanni, Lamezia Terme und Tropea ganz im Süden, um die Spitze Italiens herum und wieder hoch entlang der Küste des ionischen Meers. Nach Ciro Marina, Matera, Manduri, Nardò und Monopoli ging es schließlich wieder an der Küste der Adria bis zu der Stadt Teramo im mittleren Teil des Landes weiter. Die drei-monatige Reise endete zurück auf der Höhe der Alpen in Österreich, wo Norbert Pohl seinen letzten Stopp machte.

„Nach drei Monaten war ich auch sehr froh wieder den Heimweg antreten zu können. Natürlich auf dem Fahrrad. Die nächste Reise kommt bald!“, kündigt Pohl an. Solange er fit ist, will er seine Fahrradreisen fortsetzen. Einmal im Jahr ein Trip. Das nächste Ziel wird Frankreich sein, in den kommenden Wochen soll es losgehen.

Jacqueline Kurschatke
Ein voll bepacktes Fahrrad bringt Norbert Pohl durch Italien.

Ein voll bepacktes Fahrrad bringt Norbert Pohl durch Italien.

Norbert Pohls Leidenschaft ist der Wein. Dem ging er im Frühjahr auf die Spur.Fotos: Norbert Pohl