Xantener Schulseelsorger wird zum Diakon geweiht
In der Schule und der Fazenda: Tobias Schrörs hat Freude an Verkündigung
XANTEN. Auf dem Wohnzimmertisch von Tobias Schrörs liegt ein Notenblatt. „Auf Dein Wort hin“ beginnt das Lied, das Schrörs selbst in diesem Jahr geschrieben hat. Es ist der Weihespruch der elf Männer, die in diesem Jahr in Münster zum Diakon geweiht werden. Auch Schrörs wird am Sonntag, 15. November, im St.-Paulus-Dom die Weihe von Bischof Dr. Heiner Wilmer erhalten.
Anschließend darf er zum Beispiel in Gottesdiensten predigen, Kinder taufen, bei Trauungen assistieren, aber auch Menschen beerdigen. Vor allen Dingen möchte der 50-jährige Xantener als Diakon vor Ort in seiner Pfarrei St. Viktor für die Menschen da sein. Schrörs, der im Stiftsgymnasium Religion und Latein lehrt, ist schon jetzt in vielen Bereichen aktiv. Als Schulseelsorger, im Seniorenheim, beim Kolpingverband, als Organist und Katechet in der Fazenda da Esperanca und als Leiter von Wortgottesdiensten. „Ich habe Freude an der Verkündigung“, sagt er überzeugt.
Sich in den Dienst der Kirche zu stellen, damit hatte er sich schon in seiner eigenen Schulzeit beschäftigt. Dennoch entschied er sich, zunächst Theologie auf Diplom und Latein auf Lehramt parallel zu studieren, bevor er einige Zeit im Priesterseminar Borromaeum in Münster lebte. Doch Veränderungen innerhalb der Kirche sowie der Ausbruch seiner Krankheit, einer Muskelschwäche, ließen in ihm den Schluss wachsen, nicht Priester, sondern Lehrer werden zu wollen.
„Ich habe den Gedanken, Diakon mit Zivilberuf zu werden, zwar nie ganz vergessen, aber auch nicht weiterverfolgt“, berichtet der 50-Jährige. Doch dann kam das Jahr 2022, Schrörs erkrankte zunächst leicht an Corona, entwickelte Wochen später aber eine so schwere Lungenentzündung, dass er schließlich ins Koma fiel. Die Ärzte konnten sein Leben nur knapp retten und Schrörs musste mühsam wieder lernen, zu sprechen und zu laufen. „Noch auf der Intensivstation habe ich mich dazu entschieden, kranke Menschen seelsorglich begleiten zu wollen, wenn ich meine eigene Krankheit überstehe“, berichtet er. Rund ein halbes Jahr später kam er ins Gespräch mit Propst Stefan Notz, bald darauf folgte die Entscheidung, sich auf das Diakonat vorzubereiten. Eigentlich dauert die Ausbildung vier Jahre, durch seine umfangreichen Vorkenntnisse durfte Schrörs jedoch in den bereits seit einem Jahr laufenden Kursus einsteigen. „Das Miteinander unter uns Weihekandidaten, die aus ganz unterschiedlichen Kontexten und Strömungen der Kirche stammen, war besonders schön“, sagt der Lehrer.
Er erwartet, dass die Weihe etwas in ihm verändern wird. „Zu wissen, wie viele Menschen in diesem Moment hinter mir stehen und mich unterstützen, das wird wahrscheinlich ein emotionales Erlebnis. Aber auch als Diakon bleibe ich natürlich der Mensch, als den mich die anderen jetzt schon kennen“, sagt er. Besonders freut er sich darüber, dass zwei Bewohner der Fazenda da Esperanca als Messdiener mit nach Münster kommen – und darauf, dass bei seinem Einführungsgottesdienst in Xanten der Kirchenchor sein Lied „Auf Dein Wort hin“ singen wird.
Tobias Schrörs aus Xanten wird im November zum Diakon mit Zivilberuf geweiht. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer