Xanten hilft Partnerschule in Beit Sahour
Eine-Welt-Gruppe Xanten spendet 750 Euro für Schulgeld / Wegen des Nahostkonflikts findet der Unterricht derzeit wieder online statt
XANTEN. Der Unterricht im laufenden Schuljahr konnte an der Evangelical Lutheran School im palästinensischen Beit Sahour östlich von Bethlehem im Westjordanland seit September ganz normal stattfinden. Seit Samstag, 28. Februar, ist das anders. Aufgrund des Krieges in Nahost müssen die 442 Schülerinnen und Schüler wieder per Distanz unterrichtet werden. Für sie ist das zwar keine neue, aber dennoch keine schöne Situation. Dabei hat sich auch für die Einwohner Beit Sahours seit der Eskalation im Nahostkonflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern – dem Anschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, der den Beginn eines weiteren Kriegs einläutete –, ohnehin das Leben verändert. „Beit Sahour lebte vorher vom Tourismus. Der ist weggebrochen. Deshalb haben viele Menschen hier keine Arbeit mehr und kaum noch Geld“, berichtet Shireen Awad, Leiterin der Evangelical Lutheran School im palästinensischen Beit Sahour. Entsprechend könnten viele Menschen auch das Schulgeld für ihre Kinder nicht mehr aufbringen. Deshalb hat der Vorstand der Eine-Welt-Gruppe-Xanten (EWGX) entschieden, die Kinder an der Evangelical Lutheran School zu unterstützen und insgesamt 750 Euro zu spenden. Damit soll ein kleiner Beitrag zum Schulgeld für fünf Schülerinnen und Schüler übernommen werden.
„Natürlich ist das nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein, aber es ist immerhin eine kleine Unterstützung“, sagt Wolfgang Schneider, Vorstandsmitglied der EWGX. Die Symbolkraft dahinter sei jedoch ungleich höher: Die Stadt Xanten, die seit September 2011 eine Städtepartnerschaft mit der palästinensischen Stadt Beit Sahour führt, wolle damit ihre Verbundenheit ausdrücken. Zeitgleich zur Städtepartnerschaft ging auch das Stiftsgymnasium Xanten eine Schulpartnerschaft mit der Evangelisch-Lutherischen Schule in Beit Sahour ein. Seitdem fanden einige Schulaustäusche statt. In den vergangenen Jahren besuchten sowohl Xantener Schüler die Schule in Beit Sahour als auch palästinensische Schüler das Stiftsgymnasium sowie eine weitere Partnerschule in Freiburg. Seit dem Anschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 konnten diese Austäusche allerdings aufgrund der Kriegssituation nicht mehr stattfinden. Kurz vorher – im September 2023 – waren die bislang letzten Xantener Schüler in Beit Sahour zu Gast (die NN berichtete damals von ihren Eindrücken).
Der Kontakt zur Partnerschule in Beit Sahour wird seitdem allerdings online gepflegt. „Es finden etwa regelmäßige Videocalls statt. Die Schülerinnen und Schüler haben zum Teil auch über ihre sozialen Netzwerke untereinander Kontakt“, berichtet Jeannette Osthus, Lehrerin am Stiftsgymnasium Xanten. Entsprechend groß sei auch das Mitgefühl für die Menschen in Nahost.
Vor einem Jahr unterstützte die Eine-Welt-Gruppe-Xanten bereits ältere Menschen vor Ort mit einer Spendenaktion. Fast 2.000 Euro gingen im April 2025 an eine Apotheke in Beit Sahour. Mit dem Geld konnten älteren Menschen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, wichtige und dringend benötigte Medikamente bezahlt werden (auch darüber berichtete die NN). Nun sei die junge Generation dran gewesen.
Die Evangelical Lutheran School ist mit 125 Jahren die älteste Schule in Beit Sahour. 66 Prozent der 442 Schülerinnen und Schüler sind christlicher Konfession. Sie werden von 43 Lehrkräften unterrichtet. „Wir setzen uns für Frieden, Gerechtigkeit und Akzeptanz ein. Außerdem bieten wir an unserer Schule viele außerschulische Aktivitäten an. Wir haben eine ganze Bandbreite an Austauschprogrammen und Arbeitsprojekten“, sagt die Schulleiterin“, sagt Schulleiterin Shireen Awad. Im Schulalltag würden weitere Aktivitäten wie eine Weihnachtsfeier oder ein großes Fest zum Unabhängigkeitstag am 15. November, dem Nationalfeiertag im Land, stattfinden. „Dafür backen und kochen wir gemeinsam“, berichtet Awad. Der Schule sei es wichtig, den Kindern, die vom Kindergarten bis zum Abitur dort hingehen können, einen so normalen Alltag wie möglich zu ermöglichen – trotz des Kriegs, den die Schulleiterin „Genozid“ nennt und der zwar nicht direkt in Beit Sahour oder in unmittelbarer Umgebung ausgetragen wird, aber dessen Auswirkungen eben auch die Menschen vor Ort betreffen.
Beim Angriff auf den Iran am Samstag, 28. Februar, waren die Schülerinnen und Schüler in der Schule, bis die Alarme, die vor möglichen Raketen und Drohnen in der Luft warnten, losgingen. „Wir haben sie dann in Sicherheit gebracht und die Eltern angerufen, die sie dann abgeholt haben“, berichtet Awad. Seitdem gibt das Ministerium vor, dass der Unterricht wieder in Distanz durchgeführt werden muss. „Das kennen wir schon seit Corona“, sagt Lehrerin Rasha Khair. Auch seit dem Herbst 2023 habe der Unterricht immer wieder online durchgeführt werden müssen. Seit dem Schuljahresbeginn im September seien die Schülerinnen und Schüler aber in Präsenz unterrichtet worden. Das sei auch immer noch die bessere Wahl, da „man dann auch die Herzen erreicht und gemeinsam lachen kann“, wie Khair beschreibt.
Angepasster Stundenplan
Doch die Evangelical Lutheran School in Beit Sahour versucht dennoch, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Der Stundenplan wurde mittlerweile angepasst. „Wir unterrichten nur die Fächer, die online funktionieren. Das sind Sprachen wie Arabisch, Englisch und Deutsch, Mathe und Social Studies“, sagt Khair. Der Stundenplan wurde zudem von acht auf sechs Einheiten reduziert. Auch die Unterrichtszeit wurde von 40 auf 35 Minuten angepasst.
Damit Kinder und Jugendliche in Palästina die Schule besuchen können, müssen Eltern ein Schulgeld von 3800 Schekel (aktuell umgerechnet 1062,85 Euro) für Kindergartenkinder und 4500 bis 4800 Schekel (aktuell umgerechnet 1258,63 bis 1342,54 Euro) für Schüler bis zum Abitur pro Jahr bezahlen. Hinzu kommt die Anmeldegebühr von 800 Schekel (aktuell umgerechnet 223,76 Euro). Diese Summen seien für viele Menschen kaum noch aufzubringen. „Wir sind deshalb sehr dankbar für die Hilfe aus Xanten“ betont Awad. Mit den 750 Euro können fünf Schülerinnen und Schüler unterstützt werden. Sie sind alle Mitglied des kleinen Chores an der Schule.
Sabrina PetersTrotz des Krieges wird der Kontakt nach Beit Sahour gehalten: Wolfgang Schneider (EWGX; r.) und Vertreter der Schulen tauschten sich aus und stellten das Spendenprojekt vor. NN-Foto: Theo Leie