„Wir wollen gehört werden!“
Bürgerantrag zur Einrichtung eines Arbeitskreises zur dysfunktionalen Bahnstrecke RE10
NIEDERRHEIN. „Ich hatte wirklich die Hoffnung, dass sich mit der Petition aus dem Herbst 2023 und der Übergabe im Januar 2024 mit knapp 6000 Unterschriften endlich etwas getan hätte. Nun stehen wir hier, zwei Jahre später, und die Zustände sind so schlecht wie noch nie“m, sagt Jannik Berbalk. Der Klever hat am Montag einen Bürgerantrag an den Kreis Kleve eingereicht. Er fordert die Einrichtung eines Arbeitskreises oder Unterausschusses zur Verbesserung der Qualität des RE10. Er fordert, dass man einen selbst verpflichtenden Arbeitskreis auf Initiative des Kreises einrichtet, in welcher sich benannte Vertreter von beispielsweise RRB, DB, VRR, der Politik und der Interessengemeinschaft RE10 kontinuierlich und regelmäßig austauschen.
Berbalk: „Ich habe weiter Gespräche geführt – bisher 17 direkte und 42 indirekte – mit der Rhein-Ruhr-Bahn, der Deutschen Bahn, DB InfraGO, politischen Entscheidungsträgern und Betroffenen. Meine Geduld war 2024 bereits aufgebraucht – jetzt ist sie in blanke Wut umgewandelt.“ Wenn Eltern oder Alleinerziehende schildern, dass sie inzwischen große Probleme hätten, ihre Kinder pünktlich zur Schule zu bringen und gleichzeitig rechtzeitig am Arbeitsplatz zu erscheinen, dann sei ein Maß erreicht, „in dem wieder einmal die arbeitende Bevölkerung das Versagen der Verantwortlichen auszubaden hat. Die Menschen haben diesen miesen Zug einfach nur satt!“
Trotz all der Wut kann und wolle er nicht aufgeben: „Wer aufgibt, verliert mit Sicherheit – und ich habe den Menschen, die die Petition unterschrieben haben, zugesichert, nicht aufzugeben. Also machen wir weiter und fordern das einzig Richtige: Wir wollen direkt gehört werden!“ Die Interessengemeinschaft RE10 (IG RE10) zeige, dass sich Betroffene selbst organisieren können. Dass eine Bürgergemeinschaft teilweise schneller und besser informiert als die Betreiber der Strecke selbst, zeige deutlich: Die Verantwortlichen haben kein Gefühl dafür, wie und worüber wir informiert werden wollen.
Berbalk nennt auch ein Beispiel: „Stand 26.01.2026 erfahren Pendler aus einer Pressemitteilung zum Schienenersatzverkehr für Schüler lediglich indirekt, dass die aktuellen Einschränkungen wohl doch über den 31.01.2026 hinaus bestehen bleiben werden. Was ist das für eine Informationspolitik?“ Die Probleme seien nicht neu. Seit mindestens 2016 kam es zu regelmäßigen Störungen, seit 2020 nahmen die Ausfälle deutlich zu und seit 2023/2024 erreicht die Situation ein Rekordniveau. „Das der Januar 2026 das toppt, ist wirklich kaum noch zu glauben“, findet Berbalk.
Infrastrukturprobleme der DB InfraGO – insbesondere Stellwerke, Bahnübergänge und Signalanlagen – bremsen den Betrieb seit Jahren aus. Hinzu kämen Fahrzeug- und Betriebsprobleme bei der Rhein-Ruhr-Bahn/NWB wie Fahrzeugmangel, Reparaturen, Vandalismus und Personalengpässe. Die Rhein-Ruhr-Bahn versage aktuell deutlich, aber die Infrastruktur der Deutschen Bahn versage seit Jahren. Der VRR hingegen bliebe trotz der bekannten Lage lange nahezu untätig. Der einzige Akteur, der sich regelmäßig Gremien und der Kritik stelle, sei die Rhein-Ruhr-Bahn. Berbalk: „Weder VRR noch DB InfraGO erscheinen zuverlässig in Ausschüssen – und das trotz der massiven Problemlage und wiederholten Einladungen seitens der Organisatoren. Verdammt nochmal: Organisiert als Auftraggeber mehr Züge, lieber VRR! Es muss doch im Interesse des Verbundes sein, dass diese Strecke funktioniert! Seit Jahren ist die Strecke als Chaosstrecke bekannt. Der Niederrhein wird abgehängt – RE10 Ausfälle, RB42 auch viele Ausfälle, Emmerich–Oberhausen eine Dauerbaustelle.“
Die Fahrgäste erwarten transparente Kommunikation, auf Augenhöhe, ohne Floskeln und ohne verzögerte Pressemitteilungen. „Wir wollen Lösungen und keine Ausreden“, sagt Berbalk. „Seit Oktober 2025 kam es zu massiven Einschränkungen auf dem RE10, seit Mitte Dezember zur Vollkrise... und erst jetzt reagiert man mit einem Busangebot für Schüler. Das ist zu spät!“ Nach zwei Jahren Petition und knapp 7000 Unterschriften sei es richtig und wichtig, dass diese Busse fahren, aber der Weg dahin dürfe nicht wieder zwei Jahre dauern bis eine Lösung für Arbeitspendler erreicht wird. Man wolle keine leeren Versprechungen mehr.
Berbalk: „In den vergangenen Jahren wurde viel angekündigt: Von Fahrzeugoffensiven über Infrastrukturmodernisierungen bis zur „Zuverlässigkeitsoffensive“ aber bei den Menschen kommt davon erschreckend wenig an. Wir erwarten Ergebnisse statt Floskeln, verbindliche Zeitpläne statt unverbindlicher Pressemitteilungen.“ Die Realität auf dieser Strecke entscheidee über Ausbildungswege, Arbeitsplätze, Lebenszeit und Lebensqualität. Wenn die Verantwortlichen Mobilitätswende ernst meinen, dann beginnt sie nicht in Hochglanzbroschüren, sondern auf der RE10–Strecke zwischen Kleve und Düsseldorf. Genau dort müsse jetzt gehandelt werden – schnell, verbindlich und transparent. „Wir stehen bereit, konstruktiv mitzuwirken. Jetzt müssen die Verantwortlichen den Ball aufnehmen. Und auch wenn die Kritik am Antrag lauten könnte: Bis der Arbeitskreis Ergebnisse liefert, sind doch wieder Monate vergangen. An all die Leute möchte ich sagen: dann freut euch, dass die Bahnstrecke wieder zuverlässig funktioniert – ich bin aber nicht davon überzeugt, dass man innerhalb von wenigen Monaten die Probleme löst, die es in den letzten sechs Jahren nicht lösen konnte. Also: Ja, die Rhein-Ruhr Bahn steht in der Kritik, aber wir dürfen die weiteren Hauptschuldigen nicht aus den Augen verlieren. Und es wird Zeit, dass die Betroffenen an einen Tisch mit denen reden können, welche von sich behauptet haben: Wird schon! Und an die Rhein-Ruhr-Bahn gerichtet: Ich habe im Ausschuss Anfang Dezember 2025 nicht gedacht, dass ich Recht behalten werde, aber diesen Satz kann ich mir nicht verkneifen: Ich habs euch doch gesagt: Mit dem Fahrplanwechsel wird es nicht besser … oh ich wünschte ich hätte nicht Recht behalten...“
Foto: Stadt Geldern