Nach erfolgter Behandlung muss der narkotisierte Elefant mit der Aufwachspritze wieder geweckt werden. Foto: Martin Polotzek
7. März 2025 · Kleve

„Wir werden unsere Nische finden“

Afrika-Fan Martin Polotzek träumt von Zebras, Gnus und Antilopen im Klever Tiergarten

KLEVE. Eine Savanne für den Klever Tiergarten? Für Tiergartenleiter Martin Polotzek wäre das ein Traum, schließlich ist er bekennender Afrika-Fan. „Ich liebe den Kontinent“, sagt er. Und er liebt Tiere. Schon als kleiner Junge wollte er Zoodirektor werden. „Deswegen habe ich Tiermedizin studiert“, erklärt der 30-jährige Rheinland-Pfälzer, der vor vier Jahren als jüngster Zoodirektor Deutschlands die Leitung des Klever Tiergartens übernommen hat und sich am Niederrhein an sich sehr wohl fühlt. Was ihm allerdings noch fehlt, wäre eine Afrika-Savanne mit Zebras, Gnus und Antilopen. Alles Teil des Masterplans. „Aber das dauert noch“, weiß Polotzek, dass er sich gedulden muss.

„Die beiden Wochen im Kruger-Park waren für mich das absolute Highlight“, sagt Polotzek. Studiert hat er damals in Wien („weil man sich da auf Wildtiere spezialisieren kann“), nebenher hat er im Tiergarten Schönbrunn gearbeitet. Zudem standen viele Praktika an, dafür war er unter anderem in den Zoos in Köln, Karlsruhe, Heidelberg und Nürnberg. Ganz zum Schluss dann die Reise nach Südafrika. „Das war gar nicht so einfach“, blickt Polotzek zurück. Das Rektorat musste ein Empfehlungsschreiben aufsetzen und die Bewerber standen (natürlich) Schlange. „Ich war dann am Ende der letzte Overseas Volunteer, der angenommen wurde“, war bei Polotzek die Freude groß, als es geklappt hat. Im Herbst 2019 konnte er das Veterinary-Camp in der Nähe von Skukuza beziehen. Zwischen ihm und den wilden Tieren: nur ein kleiner Maschendrahtzaun und ein bisschen Strom. „Das hätte im Zweifelsfall keinen abgehalten“, ist ihm klar. „Beim Frühstück stand ein Elefant einen Meter von mir entfernt“, sagt er. Tatsächlich ist er den imposanten Tieren sogar noch näher gekommen. „Ich durfte einen Elefanten nach der Behandlung aus der Narkose wachspritzen“, erzählt er und erklärt: „Das ist nicht ungefährlich, weil das recht zügig gehen kann. Da sitzen dann alle im Auto und du bist draußen und musst schauen, dass du alles richtig machst und dann schnell wegkommst.“ Auch mit den anderen „Big 5“ konnte er auf Tuchfühlung gehen. „Wir waren zum Beispiel in für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Schutzgebieten unterwegs und haben Nashörnern das Horn entfernt, um sie vor Wilderern zu schützen“, erzählt er. Ein Erlebnis sei ihm besonders nah gegangen: „Wir hatten ein Tier, dass mit fast 20 Schüssen erlegt wurde und haben es seziert und die Kugeln herausschneiden müssen. Ob das Nashorn schon tot gewesen ist, als man ihm das Horn abgesägt hat, weiß man nicht. Es ist wirklich erschreckend, wie grausam Menschen sein können.“ Das ist auch ein Grund dafür, weshalb sich Polotzek für den Artenschutz engagiert. „Man muss die Tiere schützen. Dazu gehört die Enthornung von Nashörnern, aber es ist auch unsere Aufgabe, bedrohte Arten vor dem Aussterben zu schützen, wenn ihr natürlicher Lebensraum zunehmend zerstört wird“, findet er. Seine Zeit im fast 20.000 Quadratkilometer großen Kruger-Park war für ihn eine prägende Erfahrung. „Es war unglaublich abwechslungsreich und spannend, diesen Blick hinter die Kulissen machen zu dürfen“, sagt er. „Das vergisst man nie.“ Elefanten wird der Tiergarten-Chef in Kleve wohl nicht unterbringen können, aber immerhin gibts hier bereits mit Spaltenschildkröten, Erdmännchen und Rüsselspringern einen Hauch von Afrika. Die beiden letztgenannten Tierarten hat Polotzek schon als Jugendlicher gehalten, dazu noch Weißbüschelaffen und andere „Exoten“. „Das darf man mit einer entsprechenden Genehmigung und meine Eltern haben mich dabei immer unterstützt“, räumt er ein, dass die Haltung nicht nur aufwendig, sondern mitunter auch kostspielig ist. „Mein Studentenzimmer in Wien habe ich extra so ausgesucht, dass auch die Rüsselspringer mitkommen konnten“, erzählt er. Überhaupt: Rüsselspringer (die übrigens direkt mit den Elefanten verwandt sind) mag er besonders gern. „Wir haben hier in Kleve mit sechs Tieren eine der größten Dynastien mit langen Wartelisten für den Nachwuchs. Sogar ein Zoo aus Spanien hat bei uns angefragt.“ Aktuell wird im Tiergarten darüber diskutiert, ob man Warzenschweine aufnimmt. „Da gibt es viel zu bedenken und abzuwägen, auch mit Blick auf die Schweinepest, die auf dem Vormarsch ist“, sagt der Tierarzt.

Gegen Gnus, Zebras oder Antilopen würde allerdings nichts sprechen, „wenn wir unsere Flächen trocken bekämen“, erzählt er, dass gerade ein neues Drainagekonzept getestet wird, um den Weg für die geplante Savanne zu ebnen. Zumal jegliche Umbauarbeiten auf der unter Denkmalschutz stehenden Anlage mit festgelegtem Wegenetz und Sichtachsen ohnehin großes planerisches Geschick erfordern. „Wir werden unsere Nische finden“, ist Polotzek davon überzeugt, dass der Tiergarten weiter an Attraktivität (und Attraktionen) zunehmen wird. „Trotzdem bleiben vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen und andere bedrohte Arten ein Schwerpunkt unserer Arbeit“, kann er alle beruhigen, die auch mit weniger spektakulären Tieren zufrieden sind. Aber da geht noch was – darauf darf man setzen.

Nach erfolgter Behandlung muss der narkotisierte Elefant mit der Aufwachspritze wieder geweckt werden. Foto: Martin Polotzek