"Christian Friedel mit Woods of Birnam live beim Haldern Pop Festival, neues Album Solaris Präsentation"
30. Juli 2026 · Rees

„Wir schätzen die besondere Atmosphäre“

Schauspieler und Musiker Christian Friedel tritt beim Haldern Pop Festival auf – auch darüber spricht er im NN-Interview.

HALDERN. Christian Friedel ist Musiker und Schauspieler. Als Schauspieler kennt man ihn aus Michael Hanekes „Das weiße Band“ (2009) oder Jonathan Glazers „The Zone of Interest“ (2022). Beim Haldern Pop sind Friedel und seine Band „Woods of Birnam“ nicht zum ersten Mal zu Gast. Ein Gespräch mit einem, der die Atmosphäre in Haldern zu schätzen weiß.

Wie sind Sie und Ihre Band zu dem Auftritt in Haldern gekommen?

Friedel: Ich kenne den Stefan [Stefan Reichmann ist der Kurator des Haldern Pop; Anm. d. Red.] schon länger. Mit der Band [Woods of Birnam; Anm. d. Red.] haben wir schon mehrfach in der Pop Bar in Haldern gespielt und wir durften schon zwei Mal beim Festival im Spiegelzelt spielen.

Es war also irgendwie nur eine Frage der Zeit, dass Sie auf die Hauptbühne kommen.

Friedel: Stefan hat uns gefragt, ob wir denn nicht auch mal auf der Hauptbühne spielen möchten.

Lassen Sie mich raten: Sie haben zugesagt.

Friedel: Auf der Hauptbühne zu spielen ist natürlich wunderbar. Es fühlt sich so an, als seien wir erwachsen geworden (lacht). Stefan ist ja eine Art wandelndes Musiklexikon und jemand, der sehr viele Bands entdeckt. Das macht ja das Haldern Pop aus: Man kann unglaublich viele Dinge entdecken. Für uns als Band ist es eine Freude und eine Ehre, nach Haldern eingeladen zu werden.

Sie sind mit der Band auch beim Filmpreis aufgetreten. Kann man diese Bühne vergleichen?

Friedel: Das ist eher schwierig. Beim Filmpreis ging es ja für mich in erster Linie um die Moderation. Es geht da um die Nominierten. Haldern bedeutet: Die Musik – also wir als Band – stehen komplett im Mittelpunkt. Für uns als Band – wenn es um die Musik geht – ist das Haldern Pop die wichtigere Plattform. Trotzdem ist ein Vergleich tatsächlich schwierig. Das sind andere Zusammenhänge und man ist in einer anderen Rolle unterwegs.

Was macht das Haldern Pop aus?

Friedel: Ich finde es wunderbar, dass man beim Haldern Pop unglaublich viele internationale Künstler und Bands entdecken kann; dass man Musik zelebrieren und gemeinsam feiern kann. Für viele ist es ja fast schon eine Art Ritual, in Haldern zu sein. Wir haben, immer wenn wir dort waren, die besondere Atmosphäre extrem geschätzt. Du kommst mit den anderen Künstlern ins Gespräch. Es ist alles sehr ungezwungen – sehr schön. Wir haben uns jedes Mal auch Konzerte von anderen Künstlern angehört. Ich habe dort für mich einen Musiker entdeckt und bin Fan geworden.

Verraten Sie uns den Namen?

Friedel: Jesse Mac Cormack. Der hat damals vor uns im Spiegelzelt gespielt. Ich finde, Haldern Pop ist ein Festival für Musikliebhaber und Leute, die einfach Lust darauf haben, Dinge zu entdecken.

Wie sehen Sie das Publikum in Haldern?

Friedel: Das Publikum – so wie ich es wahrgenommen habe – ist im besten Sinn bunt gemischt und sehr offen. Aus meiner Sicht als Künstler habe ich das Publikum als sehr zugewandt erlebt.

Wenn Sie Musik schreiben – wie beginnen Sie? Ist da zuerst die Musik oder der Text?

Friedel: Ich bin natürlich in viele Projekte eingebunden. Wenn es um Shakespeares Sonette oder um eine Bühnenmusik geht, ist die Vorgehensweise natürlich eine andere als bei Musik, die – wie soll ich sagen – von einem selber kommt.

Darauf zielte meine Frage.

Friedel: Also bei mir beginnt es immer am Klavier und dann lasse ich mich treiben. Meistens ist also die musikalische Idee zuerst da. Wenn man auf eine Bühne geht und Musik performt, dann gibt es ja eine Verbindung zum Schauspiel.

Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, dass man nicht ‚nur‘ Musik spielt, sondern wie man dabei rüber kommt?

Friedel: Spannende Frage. Ich versuche beim Musizieren nicht als Schauspieler auf die Bühne zu gehen. Ich versuche nie, den Musiker zu spielen. Ich versuche, ganz bei mir zu bleiben und die Musik sprechen zu lassen. Natürlich ist es von Vorteil, keine Bühnenangst zu haben und zu wissen, wie man mit einer Bühne umgeht. Du musst offen sein. Das Publikum möchte ja teilhaben. Da findet ja ein Dialog statt. Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Bühnen-Typen. Manche sind sehr introvertiert – verstecken sich fast. Andere sind extrovertiert. Ich sehe mich irgendwo in der Mitte. Wie gesagt: Ich versuche nicht, eine Rolle zu spielen und das macht mich wahrscheinlich fast schon introvertiert. Gleichzeitig ist es mir sehr wichtig, dass die Leute einfach gut unterhalten werden. Ich denke tatsächlich, dass ich ein bisschen „in between“ bin.

Wie war das bei Ihnen? Kam zuerst die Musik oder die Schauspielerei?

Friedel: Das fand irgendwie parallel statt. Ich habe schon als Kind wahnsinnig gern gesungen – habe immer Musik gemacht; habe mir selbst Klavierspielen beigebracht; habe unzählige Cassetten aufgenommen. Gleichzeitig habe ich immer gern auf der Bühne gestanden; immer gern Leute unterhalten. Das sind zwei parallel verlaufende Stränge. Irgendwann habe ich den Schritt zum Theater geschafft und dann aber im Theater auch mal eine musikalische Aufgabe gehabt. Das Schönste war dann immer, wenn sich diese Welten berührt haben – wenn sie zusammengeführt wurden.

Ich stelle mir vor, wenn man eigene Musik schreibt und aufführt, ist das ein weitaus größerer Freiraum, als wenn man eine Theater- oder Filmrolle interpretiert.

Friedel: Absolut. Musik ist ja – sagen wir – der persönlichste Ausdruck. Wenn ich im Theater arbeite oder beim Film, dann ist da immer dieser Schutz. Ich kann sagen: „Das ist die Rolle. Die Figur. Das ist eine Entscheidung der Regie.“ Natürlich gebe ich meine Persönlichkeit da hinein, aber es ist eben anders als bei der Musik, wo ich kompromisslos arbeiten kann. Da muss ich meinen ganz persönlichen Ausdruck finden. Das ist das Besondere am Musizieren und das Publikum spürt, ob das, was du da machst, persönlich ist, ob es etwas erzählt oder nicht. Das finde ich ungeheuer spannend.

Beim Festival – nur um das noch mal zu erwähnen – spielen Sie am Samstag auf der Hauptbühne um …

Friedel: ... um 22.45 Uhr. Wir präsentieren unser neues Album „Solaris“ und das ist sehr, sehr sphärisch. Wir arbeiten mit viel Licht.

Da ist Dunkelheit natürlich hilfreich.

Christian Friedel und seine Band „Woods of Birnam“ präsentieren beim Haldern Pop ihr neues Album „Solaris“.