Wetter schlecht, Stimmung gut
Zwei Tage vor Festivalbeginn sind heute die ersten Parookaville-Camper angereist
NIEDERRHEIN. Wenn der Straßenverkehr (mal mehr, mal weniger) ins Stocken gerät und sich die Einwohnerzahl der kleinen Gemeinde Weeze innerhalb kürzester Zeit vervielfacht, dann ist Festivalzeit am Niederrhein. Zum zehnten Mal lockt Parookaville – mit 225.000 Besuchern an drei Tagen Deutschlands größtes Electronic Music Festival. Vom 18. bis 20. Juli wird das Flughafengelände zur „City of Dreams“ und lässt mit über 300 DJs und Musikern auf 13 Bühnen wohl kaum Wünsche offen.
Einen Wunsch gibt es am ersten Anreisetag dann aber doch: Besseres Wetter! Zwischenzeitlich schüttet es wie aus Kübeln. Patrick, 24, stört das allerdings nicht wirklich. „Die Stimmung auf dem Campingplatz ist gut“, sagt der Sonsbecker, der bereits am Morgen angereist ist. Er war noch schnell einkaufen, denn das Zelt ist bereits aufgebaut und der Grill schon angefeuert. „Die Leute machen das Erlebnis“, sagt er und macht sich mit den vollen Einkaufstaschen auf den Weg. Den bequemen Einkauf möglich macht der 2.400 Quadratmeter große und rund um die Uhr geöffnete Festivalstore gleich neben dem Dessert Valley – einen zweiten (kleineren) Penny gibt’s auf dem Campingplatz. Die Plätze an der Kasse und im Lager sind bei den Mitarbeitern heiß begehrt, sagt ein Penny-Sprecher. Kann man sich gut vorstellen, schließlich ist die Party nach der Schicht noch lange nicht vorbei – oder fängt gleich schon wieder an. 35.000 Kunden werden hier pro Tag glücklich gemacht: 2024 gingen knapp 400.000 Dosen Bier über den Scanner, aber auch 85.000 Sonntagsbrötchen, 60.000 Pizzen und 20.000 Bananen.
„Der Regen ist echt krass“, finden Nico, Kevin, Marcel und noch ein paar andere Jungs Ende 20, die aus Dortmund, Solingen und Recklinghausen angereist sind und den Supermarkt mit einer Schubkarre ansteuern. Sie kennen sich aus der Bier-Pong-Liga und wollen gemeinsam feiern. „Und die DJs sehen“, ist ihnen dann doch noch wichtig. „Eine gute Zeit mit Freunden“ wollen Lea und Jule aus Bielefeld haben. Ihre Gruppe besteht immerhin aus 21 Leuten. Sie lieben den Trubel auf dem Campingplatz und das freundschaftliche Miteinander. „Ohne Regen wird‘s noch besser“, sind sie zuversichtlich, dass bald wieder die Sonne scheint. Die Sonne im Herzen hat derweil Miriam, eine weitere von insgesamt 45.000 Campern, die das Wochenende hier verbringen werden. Eine weite Anreise hatte sie nicht. „Wir sind aus Alpen“, sagt sie. Mit dem Wohnwagen sei sie angereist, weil sie nicht so gern zeltet. 61 Jahre ist sie jung und ein echter Parookaville-Fan. „Hier kann man den Alltag einfach mal komplett vergessen und in eine friedliche, bessere Welt eintauchen“, sagt sie und freut sich auf die nächsten Tage.
Auf die freut sich auch Parookaville-Mitgründer Bernd Dicks, der die Presse über das Gelände führt. Er erklärt, wie es mit dem neuen Cashless Payment funktioniert – statt der Token (Wertmarken) trägt man einen RFID-Chip am Festival-Armband, der mit Guthaben aufgeladen wird. „Am besten natürlich vorab online oder eben hier vor Ort an den Terminals“, sagt Dicks. Das spart am Ende nicht nur Infrastruktur, sondern auch Nerven. „Übrig gebliebenes Guthaben kann man nach dem Festival einfach zurückbuchen und muss nicht mehr, wie früher, anstehen, um die Token umzutauschen“, sagt er. Ans Herz legt er allen „Citizens“ die Eröffnungsfeier für die neue „Bill‘s Factory“ am Freitagabend zwischen 22.20 und 22.30 Uhr. Vor Öffnung des Geländes am Freitagmittag um 14 Uhr bleibt das neue Design, so wie bei der Main Stage, noch geheim. „Keine Fotos“, sagt Dicks. Man darf aber verraten, dass Bill Parooka jetzt ein Observatorium zum Sternegucken hat und dass es auch eine Rakete gibt... Überhaupt, sagt Dicks, wird hier viel gewerkelt und getüftelt. Nicht nur in den letzten Wochen vor dem Festival, sondern das ganze Jahr über. Alte Linienbusse, Container, Theater-Interieur. Es gibt Leute, die nur damit beschäftigt sind, Schrott zu kaufen, aus dem „geiler Scheiß“ wird, bringt es Dicks auf den Punkt. Und immer grüner wird‘s auch. „Wir haben viel Bambus gezüchtet und das sieht richtig schön aus“, findet er. Man lege bei Parookaville eben sehr viel Wert auf die Details und lasse sich immer wieder etwas neues einfallen – „das macht es am Ende auch aus“, sagt Dicks. Neu ist zum Beispiel die Drohnenshow zum Abschluss am Sonntagabend. Rund 800 Drohnen werden dann in bis zu 400 Meter Höhe den Nachthimmel erleuchten. Geprobt wird übrigens schon seit einigen Tagen... also vielleicht einfach mal aus dem (Dach)Fenster schauen.
Wer kein Ticket hat, wird auch keins mehr bekommen, denn alle drei Tage sind ausverkauft. Trösten kann man sich mit dem Livestream. Freitag (17 bis 24 Uhr), Samstag (19 bis 2 Uhr) und Sonntag (18 bis 1 Uhr) gibt es jeweils sieben Stunden Musik von fünf Bühnen. Im vergangenen Jahr erreichte das Streaming rund 17 Millionen Menschen. Zur Verfügung stehen die Streams auf www.parookaville.com sowie auch YouTube, TikTok, Instagram und Facebook.
Bernd Dicks führte über das Gelände und machte unter anderem Station im Theatre District. NN-Foto: vs