Weniger Straftaten im Kreis Wesel
Kriminalstatistik zeigt Rückgang bei vielen Delikten – doch bei Sexualstraftaten gibt es ein Rekordhoch
KREIS WESEL. Es sind gleich mehrere positive Nachrichten, die die Kreispolizeibehörde Wesel am vergangenen Donnerstag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik bekanntgab: Zum einen ist die Anzahl der Straftaten im vergangenen Jahr um 7,59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen (2025: 25.801 Straftaten; 2024: 27.921 Straftaten). Zum anderen konnte die Kreispolizeibehörde die höchste Aufklärungsquote seit 2018 vermelden. 53,02 Prozent der Straftaten wurden 2025 aufgeklärt. 2024 waren es 52,75 Prozent. Darüber hinaus gab es 2025 im gesamten Kreis Wesel weniger Wohnungsbeinbrüche als noch im Jahr davor (2025: 633 Wohnungseinbrüche; 2024: 687 Wohnungseinbrüche). Auch die Straßenkriminalität (2025: 6.505; 2024: 7.008) und die Gewaltkriminalität (2025: 920; 2024: 1.011) verzeichnen einen Rückgang.
Tatmittel Messer
Die Gewaltkriminalität würde mit 3,57 Prozent zwar den vergleichsweise geringsten Anteil in der Gesamtbetrachtung aller Straftaten ausmachen, allerdings seien auch 2025 einige Male wieder Messer zum Einsatz gekommen. 166 Mal verzeichnete die Kreispolizeibehörde das „Tatmittel Messer“ im vergangenen Jahr in ihrer Statistik, was sich nach wenig anhöre, aber „166 Fälle sind definitiv 166 Fälle zu viel“, betonte Kreis Wesels Landrat Ingo Brohl als Leiter der Polizeibehörde Wesel. Ein Messer könne ganz schnell zu einem tödlichen Utensil werden. Ein Stich in bestimmte Körperregionen reiche, um einen Menschen tödlich zu verletzen, was insbesondere auch für Polizeibeamte bei Einsätzen sehr gefährlich werden könne. Ein Messer gehöre deshalb nicht in eine Hand- oder Hosentasche oder sonst wie auf die Straße. Dabei appellierte Brohl auch an Eltern, Kinder und Jugendliche nicht mit einem Messer aus dem Haus gehen zu lassen.
Mit 39,12 Prozent seien jedoch nach wie vor besonders Diebstahlsdelikte am stärksten in der Gesamtstatistik vertreten. Im vergangenen Jahr gab es im Kreis Wesel 10.094 Diebstähle (2024: 11.298 Diebstähle), wovon mit 25,32 Prozent gerade mal ein Viertel aller Diebstähle aufgeklärt werden konnte. Damit verzeichnete die Kreispolizeibehörde Wesel jedoch trotzdem einen neuen Rekord in der Statistik seit dem Jahr 2016. Zudem ist etwa die Zahl der Fahrraddiebstähle mit 1.096 auf ein neues Rekordtief gefallen – zum Vergleich: 2016 gab es noch 2.581 Fahrraddiebstähle im Kreis Wesel; 2024 waren es 1.485. Die Anzahl der Taschendiebstähle ist 2025 allerdings wieder leicht auf 424 Taschendiebstähle (2024: 406 Taschendiebstähle) gestiegen. Hier setze die Kreispolizeibehörde Wesel vor allem auf Prävention, zum Beispiel im Rahmen der Aktion „Augen auf, Tasche zu“ mit Verhaltenshinweisen an publikumsfrequentierten Plätzen und Fußgängerzonen sowie zwei Präventivstreifen auf Wochenmärkten im Innenstadtbereich. Dass Prävention wirken kann, zeige etwa der Rückgang der Wohnungseinbrüche von 1.416 im Jahr 2016 auf 633 im vergangenen Jahr. Hier würden sich die verschärften Maßnahmen etwa von Hauseigentümern an ihren Häusern bemerkbar machen. Hier gebe die Kreispolizeibehörde Wesel etwa im Rahmen der Aktion „Riegel vor“ oder durch Individualberatungen zum technischen Einbruchschutz vor Ort auch weiterhin Tipps.
Ebenso rückläufig sei die Rauschgiftkriminalität. 2025 gab es „nur“ noch 442 Delikte dieser Art im Kreis Wesel. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen, wie die Statistik zeigt. 2018 hatte es mit 1.803 Rauschgiftdelikten ein Rekordhoch gegeben. Dass diese Zahlen zurückgegangen seien, sei natürlich nicht nur auf die Arbeit der Polizei, sondern auch etwa auf die Legalisierung von Cannabis zurückzuführen. „Seitdem fallen einige dieser Rauschgiftdelikte nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz“, sagte Jörg Weßels, Leiter der Direktion Kriminalität bei der Kreispolizeibehörde Wesel.
„Enkel-Tricks“
Seit 2021 konnten auch die Straftaten zum Nachteil älterer Menschen – die auch als „Enkel-Tricks“ bekannt sind – von 906 (2021) auf 343 (2025) gesenkt werden. Trotz der Aufklärungsarbeit der Polizei waren 47 dieser Taten für die Täter erfolgreich. „Diese Straftaten sind natürlich besonders perfide“, betonte Landrat Brohl als Leiter der Polizeibehörde Wesel im Pressegespräch. Besonders tragisch sei, dass ältere Menschen oftmals um ihre „Ersparnisse für den Lebensabend“ gebracht werden würden. Auch hier setzt die Kreispolizeibehörde Wesel aber auf Prävention, zum Beispiel in Form von Informationsmaterialien. Außerdem sollen Familienangehörige – etwa Kinder und Enkelkinder – sensibilisiert werden.
Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung haben 2025 mit 876 Straftaten ein neues Rekordhoch erreicht. „Hier werden heutzutage von Frauen sicherlich auch mehr Taten angezeigt als das noch etwa vor zehn Jahren der Fall war“, ordnete Weßels ein. Mit 93,7 Prozent sei hier die Aufklärungsquote aber erfreulich hoch, was auch daran liege, dass die meisten Vorfälle immer noch im familiären Rahmen stattfinden würden.
Gewalt an Polizeibeamte
Weiterhin Thema sind auch die sogenannten Rohheitsdelikte an Schulen, die zwar von 266 Taten im Jahr 2024 auf 198 Taten im Jahr 2025 zurückgegangen sind, sich im Vergleich zu den Jahren 2016 bis 2021, in denen sie zwischen 100 und 134 lagen, immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau bewegen. Auch die Gewalt gegen Polizeibeamte und gleichgestellte Personen sei mit 136 Delikten im Jahr 2025 immer noch auf einem zu hohen Niveau. „Das bedeutet, dass statistisch gesehen unsere Polizeibeamten an jedem dritten Tag Polizeigewalt erleben“, ordnete Wolfgang Tühl, Leiter der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz, die Zahlen ein. Landrat Ingo Brohl überraschen diese Zahlen allerdings nicht. „Die Verrohung unserer Gesellschaft bereitet mir echte Sorgen“, sagte Brohl. Hier müsse sich auch innerhalb der Gesellschaft wieder etwas ändern. Allerdings würden auch psychische Erkrankungen innerhalb der Gesellschaft zunehmen, womit auch die Polizeibeamten vermehrt konfrontiert werden würden, wie die Kreispolizeibehörde Wesel berichtete.
Die Polizeibeamten der Kreispolizeibehörde Wesel würden jedoch regelmäßig an Trainings am regionalen Trainingszentrum (RTZ) in Duisburg-Beekerwerth teilnehmen, das im Oktober 2025 eröffnet wurde. Diese Trainings seien sehr praxisnah und würden Polizeibeamte realistisch auf ihre Einsätze vorbereiten. Zum Training gehöre das Schießen und besonders auch das Nichtschießen in Einsätzen, die Einsatzkommunikation, die Taktik und Eigensicherung, Eingriffstechniken und der Einsatzmehrzweckstock.
Tatverdächtige
Die meisten Tatverdächtige seien Erwachsene: 8.045 erwachsene Tatverdächtige zählte die Statistik der Kreispolizeibehörde Wesel 2025. 2024 waren es 8.657. Hinzu kamen 2025 907 Jugendliche (2024: 1.051), 646 Heranwachsende unter 21 Jahren (2024: 721) und 519 Kinder (2024: 489), die tatverdächtig waren. Der Anteil nicht-deutscher Staatsangehöriger habe im vergangenen Jahr bei 28,7 Prozent gelegen: 7.212 Tatverdächtige hätten 2025 die deutsche Staatsbürgerschaft besessen. 2.905 Tatverdächtige seien ausländischer Herkunft gewesen. 2025 waren die Kreis Weseler Polizeibeamten innerhalb von durchschnittlich 12:48 Minuten am Tatort –das bedeutete Platz zwei in ganz NRW.
Sabrina Peters
Im Polizeidienstgebäude der Kreispolizeibehörde Wesel an der Schillstraße wurde in diesem Jahr die Kriminalitätsstatistik vorgestellt. NN-Foto: SP