Professor Dr. Jan Loffeld spricht über kirchliche Entwicklungen beim Förderverein St. Martinus. Foto: Förderverein St. Martinus Qualburg
14. September 2026 · Bedburg-Hau

Warum sich Kirche verändern muss

Über 100 Menschen diskutierten über die Zukunft der Kirche

QUALBURG. Kann Kirche heute noch Menschen erreichen? Und welche Rolle spielen Gott und Glaube in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen auch ohne Religion ihren Alltag gestalten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Vortrags- und Diskussionsabends, zu dem der Förderverein der St. Martinus Kirche Qualburg eingeladen hatte. Die Resonanz war beeindruckend: Mehr als 100 Menschen füllten die Qualburger Martinuskirche.

Und das Publikum kam nicht nur aus der eigenen Pfarrgemeinde. Zahlreiche Besucher aus den benachbarten Pfarrgemeinden waren ebenfalls nach Qualburg gekommen. Das zeigte deutlich, dass die Frage nach der Zukunft der Kirche viele Menschen bewegt. Als Referent konnte der Förderverein mit Professor Dr. Jan Loffeld einen ausgewiesenen Kenner der aktuellen kirchlichen Entwicklung gewinnen. Loffeld ist Professor für Praktische Theologie in Tilburg/Utrecht und beschäftigt sich intensiv mit der Frage, was geschieht, wenn Gott im Leben der Menschen keine Rolle mehr spielt.

Für den Referenten war der Abend zugleich eine Rückkehr an einen vertrauten Ort. Jan Loffeld ist in Qualburg aufgewachsen und konnte daher nicht nur aus seiner heutigen wissenschaftlichen Perspektive auf die Kirche blicken, sondern auch einige interessante Aspekte aus der Geschichte der Qualburger Kirche und des Ortes einfließen lassen. In seinem Vortrag ging Loffeld der Frage nach, wie Kirche angesichts des tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels heute gedacht werden kann. Dabei wurde deutlich: Kirche kann nicht einfach an bisherigen Strukturen und Vorstellungen festhalten. Sie muss sich verändern. Nach Loffelds Einschätzung darf Kirche heute weniger von Zwang und festen Vorgaben geprägt sein. Vielmehr müsse sie den Menschen mehr Individualität zugestehen und unterschiedliche Lebenswege und Formen des Glaubens akzeptieren. Kirche müsse sich stärker darauf einstellen, dass Menschen ihren Glauben heute anders leben und verstehen als frühere Generationen.

Ein Blick über die Grenze machte deutlich, dass diese Entwicklung keineswegs nur Deutschland betrifft. Loffeld berichtete auch von seinen Erfahrungen in den Niederlanden, wo er eine Professur innehat. Dort werde Kirche in mancher Hinsicht bereits anders gedacht und gelebt. Gleichzeitig zeigte sich aber auch dort eine ernüchternde Realität: Auch in den Niederlanden treten Menschen aus der Kirche aus. Damit wurde deutlich, dass es für die Kirchen keine einfachen Antworten gibt. Veränderung allein garantiert noch keine neue Bindung an Kirche und Glauben. Umso wichtiger sei es, offen über die Entwicklungen zu sprechen und nach neuen Wegen zu suchen. Genau dafür bot der Abend in Qualburg den passenden Rahmen. Nach dem Vortrag entwickelte sich eine offene Diskussion. Die Fragen und Wortbeiträge zeigten, dass das Thema die Besucher persönlich beschäftigte.

Hans-Gerd Perau, Vorsitzender des Fördervereins der St. Martinus Kirche Qualburg, bedankte sich abschließend bei Loffeld für seinen interessanten Vortrag, die offene Diskussion und den persönlichen Austausch. Sein besonderer Dank galt auch den mehr als 100 Gästen, die mit ihrer großen Beteiligung zum Gelingen des Abends beigetragen hatten. Der Vortragsabend hat damit eindrucksvoll gezeigt: Auch wenn Kirche sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet, besteht ein großes Bedürfnis, über ihre Zukunft zu sprechen. In Qualburg wurde dieser Diskussion Raum gegeben – offen, kritisch und ohne Tabus.

Mit einer Veranstaltung dieser Art möchte der Förderverein zugleich den Kontakt zu den Menschen in Qualburg und den umliegenden Gemeinden stärken. Die große Resonanz auf den Vortragsabend zeigt, dass ein Interesse an Begegnung, Austausch und Diskussion vorhanden ist. Der Förderverein hofft daher, mit solchen Veranstaltungen auch neue Mitglieder und Unterstützer zu gewinnen, die sich für den Erhalt und die Zukunft der Qualburger St. Martinus Kirche engagieren möchten. Denn neben der inhaltlichen Arbeit geht es dem Verein auch darum, die Kirche als wichtigen Ort der Begegnung und als Teil der Qualburger Geschichte und Gemeinschaft zu erhalten.

Als Referent konnte der Förderverein St. Martinus mit Professor Dr. Jan Loffeld einen ausgewiesenen Kenner der aktuellen kirchlichen Entwicklung gewinnen. Foto: Förderverein St. Martinus Qualburg