"Gruppenfoto bei freiem Eintritt zur Ausstellung 'Kunst natürlich!' in Kevelaer mit Künstlern und Veranstaltern im Kunstladen."
2. Juni 2026 · Kevelaer

Wahrnehmung und Illusion

Ausstellungsreihe „Kunst natürlich!“ in Kevelaer geht in die dritte Runde

KEVELAER. Um die Erkenntnis von Wirklichkeit geht es in der 3. Ausstellung der Reihe „Kunst natürlich!“ – nach zwei Jahren in der Tourist-Info geht es für die vorerst letzte Runde erstmals ins Bühnenhaus. Zweieinhalb Wochen lang stellt hier die Krefelder Künstlerin Brigitte Baldauf mehr als 30 ihrer Ölmalereien vor – reihentypisch zum Themenbereich Natur und Umwelt.

Eiswürfel schmelzen auf dem Boden, umrahmt von Gras, das im unteren Bildausschnitt noch saftig grün, oben hingegen schon braun verfärbt ist. „La fin de la fête“, also „ Das Ende der Feier“ zeigt eine Szene, die Brigitte Baldauf ursprünglich fotografiert hatte, um diesen greifbaren Moment später angemessen in Malerei zu überführen. Genauso ging die Künstlerin auch bei ihren übrigen Ausstellungsstücken vor.

Steht man direkt vor dem gut zwei mal zwei Meter großen Bild, wirken die Details fast schon surreal, findet Baldauf. So sehr, dass man erst mit genügend Abstand gut erkennt, was wirklich zu sehen ist. „Schwerpunktmäßig geht es mir immer um Illusion, Wahrnehmung und Täuschung von Wahrnehmung“, erläutert Baldauf. Durch ihren Ursprung in Fotografien würden die Bilder zunächst oft den Eindruck vermitteln, dass man weiß, worum es sich handelt. „Schaut man aber genauer hin, gibt es aber immer Irritationen oder Dinge, die gar nicht reinpassen. Das ist die grundsätzliche Thematik meiner Arbeit.“ Überhaupt: Wenn man meine, etwas erkannt zu haben, meine man oft, es auch verstanden zu haben. „Aber das ist eine völlig andere Ebene.“

Passend dazu war auch der Name ihrer vorangegangenen Ausstellung „Simulacrum“ ((Ab-)Bild). Baldauf erklärt: „Wenn wir heute irgendetwas sehen, haben wir es meistens schon einmal über anderes Bildmaterial wahrgenommen.“ Zum Beispiel Bilder von Sehenswürdigkeiten vor dem Urlaub: „Dann findet immer ein Abgleich zwischen den Bildern statt.“ So ähnlich arbeitet auch sie: von der Fotografie zur Malerei. „Auf solche Prozesse möchte ich hinweisen. Eine Naturwahrnehmung im eigentlichen Sinne als Primärerfahrung haben wir kaum noch.“

Viele ihrer Arbeiten stehen zudem nicht allein für sich, sondern stattdessen im Wechselspiel zueinander. Sie ergänzen sich gegenseitig, sodass sich erst durch den Bezug mehrerer Werke untereinander das große Ganze dahinter ergibt: sei es das Motiv selbst oder das Verständnis hinter dem Bild.

Die ohnehin dichte Konzeption ihrer Bilder mit häufigem Fokus auf Wasserlandschaften wird durch die Verwendung von drei bis fünf Ölfarbschichten noch weiter unterstützt: ein präziser, aber langwieriger Ansatz – „slow painting“, wie Baldauf sagt. Dadurch braucht jedes ihrer Werke für gewöhnlich mehrere Monate bis zur Vollendung.

Dass „Kunst natürlich!“ nun den Weg ins Bühnenhaus gefunden hat, freut Paul Wans sehr. Er ist der Vorsitzende des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler Niederrhein (BBK), welcher die Ausstellung in Kooperation mit dem Kevelaer Marketing umsetzt. „Hier können wir unsere Künstler auf mehr als doppelt so viel Hängefläche präsentieren. Wir haben hier mehr als 40 laufende Meter, die gestaltet werden können.“ Ein großer Vorteil vor allem dann, wenn die Kunstwerke so großformatig sind wie jene Bilder Brigitte Baldaufs. Gleichzeitig lobt Wans das Engagement der Stadt und des Kevelaer Marketing. „Wir sind mehr als dankbar. Es gibt nicht viele Städte, die so ein Projekt mit so viel Herzblut mit vorantreiben.“

Da „Kunst natürlich!“ mit der aktuellen Ausstellung vorerst ein Ende findet, wollen der BBK und das Kevelaer Marketing zum Ende des Jahres einen weiterführenden Antrag an den Rat der Stadt stellen, um das Format für weitere drei Jahre zu sichern. „Dann wird man sehen, was passiert in Zeiten knapper Kassen“, sagt Wans. Er und Baldauf hoffen beide auf eine Fortsetzung dieses „Schatzes“, wie Baldauf sagt. Wans: „Wir müssen sehen, dass nach wie vor Mittel und Wege gefunden werden, dem Bildungsanspruch gerecht zu werden.“

Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 3. Juni, um 18.30 Uhr. Zu sehen sein wird sie bis zur Finissage am Sonntag, 21. Juni (11 bis 15 Uhr). Geöffnet ist „Kunst natürlich!“ von montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr – der Eintritt ist frei. Brigitte Baldauf ist am Freitag, 5. Juni, zudem persönlich vor Ort.

Laden bei freiem Eintritt zur 3. Ausstellung der Reihe „Kunst natürlich!“ ein: (v.l.) Paul Wans (Vorsitzender BBK), die ausstellende Künstlerin Brigitte Baldauf, Daniela Cox (Kevelaer Marketing) und Hendrik Görtz (Leiter Bereich Kultur). NN-Foto: Thomas Langer