Die Organisatoren haben ein breit gefächertes Programm auf die Beine gestellt. NN-Foto: Thomas Langer
2. Februar 2025 · Geldern

Von Sehnsucht im Schlager und dem Leben mit dem Tod

Die Organisatoren stellen das Jahresprogramm im Haus Ingenray in Pont vor

GELDERLAND. Im Haus Ingenray, dem Sitz der Emilie und Hans Stratmans-Stiftung des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend, tut sich eine ganze Menge. Nicht nur werden hier vermutlich bald die ersten standesamtlichen Hochzeiten und Beerdigungscafés stattfinden, auch das historisch-kulturelle Jahresprogramm kann sich 2025 wieder sehen lassen.

„Wir möchten im Sinne der Stifter Öffentlichkeit herstellen“, erklärt Gerd Halmanns die Beweggründe hinter den Veranstaltungen, die von Kleinkunst über Vorträge bis zu Ausstellungen reichen. Die erste Veranstaltung mit Christian Behrens und Freunden war bereits ein voller Erfolg. Mit 86, teils spontanen Gästen war der Tagungssaal „Emilie“ bis zum Rand gefüllt. Gut, dass es mit dem Saal „Elbert“ – benannt nach den mittelalterlichen Besitzern des Hauses – in der angrenzenden Scheune noch einen weiteren Veranstaltungsaal für bis zu 100 Leute gibt. Dieser dient einerseits als Empfangsraum für Hochzeiten, dürfte von nun an aber auch bei den Veranstaltungen besonders zum Tragen kommen. „Wir können jetzt flexibel reagieren und je nach Event den Raum auch kurz vorher noch wechseln“, erklärt Dr. Matthias Schrör.

Deutsche Schlagergeschichte

„Sehnsucht und Fernweh im deutschen Schlager“ ist die nächste Veranstaltung, die am Montag, 10. Februar, um 18 Uhr stattfindet. Mit vielen Schlagern im Gepäck dreht sich der Vortrag um hundert Jahre deutsche Schlagergeschichte – von der Inflationszeit bis heute. Schwerpunkt wird die historische Einbettung und zum Teil auch Funktion in der jeweiligen deutschen staatlichen Struktur sein. Der Eintritt ist frei.

Einen Monat später, am Montag, 10. März, wird es grenzüberschreitend, wenn Wiel Lenders vom Freiheitsmuseum Groesbeek/Berg en Dal anlässlich des Gedenkjahrs zum Kriegsende seinen kostenlosen Vortrag „80 Jahre Freiheit im niederländisch-deutschen Grenzgebiet“ hält. „Wiel Lenders ist Experte auf dem Gebiet“, sagt Beate Schindler. „Er wird aus der Sicht eines Niederländers und von deutscher Seite das Kriegsgeschehen beschreiben.“ Dabei gehe es aber auch um den Blick nach vorne und um die Bedeutung von Kriegen aus heutiger Sicht. „Denn Krieg darf sich nicht wiederholen“, betont Schindler.

Zwei weitere Veranstaltungen zur selben Thematik fehlen noch auf dem offiziellen Programmflyer: Am Montag, 31. März, um 18 Uhr wird Rechtsanwältin Astrid Basten ihren Vortrag „Jüdische Rechtsanwälte und Rechtsreferendare im Nationalsozialismus im Landgerichtsbezirk Kleve“ halten. Am Freitag, 11. April, hingegen startet eine geführte Radtour zu Schauplätzen der Ereignisse in Geldern 1945. Für die Radtour wird um Anmeldung gebeten: per Mail an kontakt@hv-geldern.de.

Balladen und Führungen

Am Sonntag, 16. März, lässt Oliver Steller ab 11 Uhr „Balladen – Das Gedicht Plus“ erklingen. Mal episch, mal lyrisch und immer mit Sinn für Humor gibt es Balladen von Goethe und Co. auf die Ohren. Der Eintritt kostet 25 Euro. „Oliver Steller ist für uns ein alter Bekannter“, sagt Gerd Halmanns. „Ich kenne keinen besseren deutschen Rezitator.“

Einen Blick hinter die Kulissen des Hauses Ingenray ermöglichen Halmanns und Dr. Matthias Schrör am Freitag, 4. April, von 14 bis 17 Uhr. „Dabei zeigen wir besondere Schätze, die es bei den regulären Führungen sonst nicht zu sehen gibt“, verspricht Schrör. Bei 25 Euro Eintritt schließt sich an die Führung noch eine Kaffeetafel an. Anmeldungen gehen per Mail an schroer@haus-ingenray.de.

Zum Preis von sechs Euro für Nicht-Mitglieder und vier Euro für Mitglieder gibt es am Freitag, 16. Mai, ab 15 Uhr auch Gelegenheit für eine einfache öffentliche Führung durch das Haus und den Park Ingenray. Anmeldung unter schroer@haus-ingenray.de. „Damit wollen wir das Angebot bekannter machen, denn auf Anfrage bieten wir gerne Führungen an“, erläutert Dr. Matthias Schrör.

Nach der Sommerpause geht es im Herbst weiter: Am Montag, 22. September, ab 18 Uhr wird Dr. Gerhard Milbert bei kostenfreiem Eintritt einen Bildvortrag zu den Waldböden rund um Geldern halten. „Er ist einer der führenden Bodenkundler in Deutschland“, sagt Gerd Halmanns. Möglicherweise wird es in Zukunft auch Führungen zum Thema direkt vor Ort geben, vor allem für Kinder.

Am Freitag, 26. September, um 19 Uhr, wartet ein „Literarischer Weingenuss mit musikalischer Begleitung“ auf die Besucher. Mit dabei: Rolf Peter Kleinen (Rezitation), Christa Schumacher (Gitarre) und Gianluca Antoniazzi (Gastronomie). Dieser Abend steht im Zeichen beschwingter Lyrik und Prosa, von Goethe bis Gernhardt zum Lobe des Weines und irdischer Glückseligkeit. „Das Format hat sich bereits in der Vergangenheit bewährt“, kommentiert Beate Schindler.

„Leben mit dem Tod“

Das Jahresprogramm hält im späteren Verlauf zudem eine besondere Ausstellung bereit, die sich dieses Mal mit einem weniger angenehmen Thema auseinandersetzt: „Leben mit dem Tod“ heißt es von Sonntag, 12. Oktober, bis Sonntag, 30. November. „Es geht um den Wandel in der Bestattungs- und Trauerkultur“, erklärt Beate Schindler. Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Niederrheinischen Freilichtmuseum Grefrath statt, das einige Ausstellungstafeln und Exponate bereitstellt. Lokale Exponate sind ebenfalls fest eingeplant. Eingebunden werden sollen auch die Denkmäler auf dem Gelderner Friedhof und die dahinter steckenden (Stadt)Geschichten. „Wir werden zudem einen kleinen Film über den Friedhof Geldern drehen“, verrät Johanna Klümpen-Hegmans.

Am Montag, 3. November, folgt der nächste Vortrag: Archivar Till Bodden aus Kevelaer verrät hierbei Wissenswertes zum „Grenzstreit an der Kendel“ und über die geldrisch-moersischen Limiten im frühen 18. Jahrhundert. Der Eintritt ist frei.

Den Jahresabschluss bildet der Lichtermarkt von Freitag bis Sonntag, 7. bis 9. November. In einmaliger Atmosphäre können Jung und Alt hier das regionale Kunsthandwerk bestaunen, Leckereien genießen, der Musik lauschen und Ausstellungen besuchen.

Zwangsläufig vollständig ist das Jahresprogramm laut Halmanns aber noch nicht: „Im Verlauf des Jahres kommen sicherlich noch kleinere Veranstaltungen dazu.“

Zum Jahresprogramm 2024 fällen die Organisatoren ein positives Fazit: „Die Besucherzahlen haben sich generell sehr positiv entwickelt“, sagt Gerd Halmanns. Das liege vermutlich auch an der Bandbreite der Veranstaltungen. „So können wir unterschiedliche Interessen bedienen.“ Johanna Klümpen-Hegmans vermutet darüber hinaus: „Auch das Gebäude lockt viele Menschen an.“

Vor allem die Ausstellungen des letzten Jahres – zur Niers und Glasmalerei Karl Olies – hätten die Erwartungen übertroffen, sagen die Veranstalter. Beate Schindler hat einen Verdacht, woran das liegt: „Das Heimatgefühl ist nach wie vor sehr wichtig.“ Durch ihren Wohnort hätten die Menschen einen direkten Bezug zu den Themen. „Zum Beispiel die Fossa Eugeniana: Die Menschen wohnen direkt daran.“ Dr. Matthias Schrör knüpft noch an einen anderen Punkt an: „Ich glaube, am meisten ziehen die Veranstaltungen, in denen die Menschen in den Dialog treten können.“ Für den historischen Verein gelte es, den Spagat zu schaffen zwischen Anspruch und spannenden, neuen Themen.

Die Organisatoren haben ein breit gefächertes Programm auf die Beine gestellt. NN-Foto: Thomas Langer