Gruppe bei Pre-Opening: Familie Overlack mit Politikern Rouenhoff, Wolters, Bons und An Mey in Straelen. Foto von Theo Leie.
20. August 2026 · Straelen

Von historischen Wurzeln zu neuem Leben

Haus Caen erstrahlt in neuem Glanz: Pre-Opening zum Einzug der Baumschule

STRAELEN. „Seit langem schläft der schöne Schwan... Wachgeküsst ist jetzt Haus Caen“: Mit diesen Worten hatten die Bauherren der Caen GbR anlässlich der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts zum Pre-Opening auf den Herrensitz in Straelen eingeladen. Vor dem Einzug der Baumschule Baum & Bonheur bekamen die Gäste die Gelegenheit, die Fortschritte bei der Sanierung und Renovierung des Anwesens zu besichtigen.

Ein Blick in die Geschichte von Haus Caen

Bauherr Peter Overlack, Geschäftsführer der Haus Caen GbR, blickte auf die rund 400-jährige Geschichte der Herrschaft Caen zurück. Das Gebäudeensemble besteht aus insgesamt 13 zueinander angeordneten Häusern im Außenbereich von Straelen. „Es gehörte über 400 Jahre mehr oder weniger derselben Familie. Die Grafen von Varo leisteten dort sehr viel in den ersten 200 Jahren, die Reichsfreiherrn von Geyr zu Schweppenburg legten dann noch mal 200 Jahre drauf“, erläuterte Overlack. In dieser Zeit war Caen ein herrschaftliches Anwesen mit zahlreichen Unterbesitzungen, darunter Haus Eyll, die Burg Vlasrath, drei Mühlen, sieben Bauernhöfe und hunderte von Hektar Forst und Acker.
"Historische Wassermühle am Haus Caen in grüner Landschaft, Foto von Theo Leie"

Auch drei Mühlen, unter anderem die Wassermühle, gehören zum Anwesen Haus Caen. NN-Foto: Theo Leie

Im Laufe der Jahrhunderte verringerte sich der Einfluss der Herrschaft Caen, als sich die Macht- und Einkommensverhältnisse in der Landwirtschaft und im adeligen Großgrundbesitz verschoben. Der Unterhalt der Bausubstanz wurde schwieriger, und immer mehr landwirtschaftliche Funktionen mussten aufgegeben werden. Zuletzt stand das Anwesen 15 Jahre quasi leer.

Neuanfang unter der Familie Overlack

„Es ist dem Weitblick von Constantin von Geyr zu verdanken, dass er sich seit 2010 um eine Verwertung dieses Hauses bemüht hat“, betont Overlack, der mit seiner Familienholding in den letzten Jahren auch die in Insolvenz befindliche Baumschule Lappen in Kaldenkirchen, umbenannt in Baum & Bonheur, übernommen hatte. Im Jahr 2021 erwarb die Familie Overlack die Herrschaft Caen, 2021/2022 fand die Umschreibung im Grundbuch statt, 2022 begannen die Bauarbeiten unter der Leitung des Architekturbüros Michael von Ooyen und des Büros UOIA Innenarchitektur.

Fortschritte und zukünftige Pläne

Vier Jahre später konnte der erste Bauabschnitt abgeschlossen werden, und der Einzug der Baumschule erfolgte. Zum Pre-Opening präsentiert sich Haus Caen mit frischer Farbe, schön aufbereiteten Holztreppen, Holzböden, Decken und Türen, massiven Kaminen - und fantastischen Ausblicken auf den Park und die umgebende Landschaft.
"Frisch renovierte Räumlichkeiten im Haupthaus der Baumschule, bereit für den Einzug."

Frisch renoviert sind die Räumlichkeiten im Haupthaus für den Einzug der Baumschule. NN-Foto: Theo Leie

Doch viele Gebäude warten noch auf ihre Fertigstellung. In den nächsten fünf Jahren sollen die restlichen Gebäude fertiggestellt und der Wehye-Park wiederhergestellt werden. Landschaftsarchitekt Burkhard Damm aus Kempen leitet diesen Teil der Rekonstruktion. Der Weyhe-Park wurde etwa ab 1825 von Gartenbaudirektor Friedrich Maximilian Weyhe konzipiert. Weyhe hat zu Lebzeiten über 50 Parkanlagen im Rheinland und am Niederrhein geschaffen, darunter auch den Hofgarten in Düsseldorf. „Der Park ist ein Kleinod und muss den historischen Spuren getreu wiederhergestellt werden“, erklärt Overlack. „Sollten uns keine behördlichen Vorschriften Steine in den Weg legen, öffnen wir den Park gerne für die Öffentlichkeit.“

Herausforderungen und Unterstützung

Insgesamt hätten die bisherigen Maßnahmen am Haus Caen länger gebraucht als gedacht und seien um die Hälfte teurer geworden als geplant, zieht Overlack ein erstes Fazit. Bislang flossen neun Millionen Euro aus privaten Mitteln der Familie in das Vorhaben. „Und wir haben erneut die überbordende Bürokratie in Deutschland ‚lieben und schätzen‘ gelernt“, sagt Overlack. „Aber all dies hat uns nicht den Mut genommen, nicht die Lust und die Freude daran, hier beim Vorliegen guter Voraussetzungen einfach weiterzumachen. Solange unsere Kräfte reichen.“

Stefan Rouenhoff, CDU-Bundestagsabgeordneter, dankte der Familie Overlack im Namen der Politik für ihr Engagement und betonte die Notwendigkeit, die Bürokratie abzubauen. „Wir müssen in Deutschland weg von der Überregulierung, die viel Geld kostet und Frust schafft.“ Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Bürokratie, die über Jahrzehnte entstanden ist, Stück für Stück abzubauen. „Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon“, betonte Rouenhoff. Er wolle auch prüfen, was in Berlin zu der bisherigen etwa eine Million Euro an Förderung für Haus Caen noch möglich ist.

Gratulationen zum Pre-Opening überbrachten Peter Overlack (5.v.r.) und seiner Familie unter anderem der Bundestagsabgeordnete Stefan Rouenhoff, der Landtagsabgeordnete Stephan Wolters, Straelens Wirtschaftsförderer Uwe Bons und der stellvertretende Bürgermeister Andre An Mey. NN-Fotos: Theo Leie