"Crischa Ohler und Sjef van der Linden präsentieren neuen Spielplan, Foto von Rüdiger Dehnen"
21. September 2026 · Bedburg-Hau

Von der Notwendigkeit des Erinnerns

Das Bedburg-Hauer mini-art stellt den neuen Spielplan vor

BEDBURG-HAU. Crischa Ohler und Sjef van der Linden sitzen im Foyer ihres Theaters. Es geht um den neuen Spielplan. Nein, heute wird es nichts zu sehen geben – kein Ausschnitt aus dem nächsten Premierenstück. „Wir proben erst seit ein paar Tagen.“ Bis zur Premiere von „Zu Hause ist es am schönsten, sagte die linke Hand und hielt sich an der Heizung fest“ am 4. Dezember sind es noch ein paar Wochen. „Da laden wir euch dann gesondert ein“, sagt Crischa Ohler.

Jetzt also: der Spielplan – verbunden mit Einblicken in die Theatermacherseelen. „Wir haben uns Theater immer als Ort der Begegnung gewünscht“, sagen die beiden und meinen nicht nur, dass Schauspieler auf ihr Publikum treffen. „An einem Ort wie diesem sollen sich auch die Kunstformen begegnen.“ Check. Der neue Spielplan ist ein Spielplan der Begegnungen. Film, Tanz, Lesung, Musik und Theater.

Das Theater ist klein, aber die Wirkung von mini-art repräsentiert das Gegenteil. Die Kleinheit des Raumes sorgt für Direktheit und eine besonders intensive Teilhabe. Immer wichtig bei mini-art: Der Umgang mit der Geschichte. Ohler und van der Linden sind lebendige Beweise für die Notwendigkeit des Erinnerns. Auch das gehört zum Spielplan – ist unwegedenkbarer Bestandteil der mini-art-DNA.

Es beginnt mit einem Film. Janusz Grünspek hat ihn gedreht und er handelt von einer Künstlerin und dem Entstehen der „Miteinander Großskulptur“. Crischa Ohler: „Als der Film im Kurhaus Premiere hatte, kamen so viele Menschen, dass nicht für alle Platz war.“ Die Idee entstand: „Wir zeigen den Film in unserem Theater.“ Eben das wird am Samstag, 26. September, um 16 Uhr passieren.Der Eintritt ist frei.

Ein multisensorisches Ereignis folgt. Unter dem Titel „Bäääm“ findet am Sonntag, 4. Oktober (16 Uhr) und am Montag, 15. Oktober (9.30 und 11 Uhr) eine „Klang-Seh-Fühlperformance“ statt. Ein weiterer Wunsch von Ohler und van der Linden geht in Erfüllung. In der „Anmerkung“ zum Stück heißt es: „Die Produktion ist geeignet für ein taubes und resthöriges Publikum. Sie verwendet keine Lautsprache und wird nicht in DGS übersetzt.“ Das Theater als integrativer Ort.

Am Dienstag, 6. Oktober, um 19 Uhr steht dann Jazz auf dem Programm. Zu Gast ist das Archimboldi Ensemble mit Jazz und improvisierter Musik. Film, eine Klang-Seh-Fühlperformance und ein Konzert zum Auftakt. Wer da glaubt, dass keine Variationsmöglichkeit mehr besteht, sollte sich „Und was mach ich? Ich mach dummes Zeug!“ ansehenhören. Zu Gast sind am Samstag, 17. Oktober, um 19 Uhr Elisabeth Verhoeven (Rezitation) und Hartmut Magon (Akkordeon, Gitarre) mit eine Hommage an Hanns-Dieter Hüsch. Sjef van der Linden: „Wir haben das Programm in Kleve in der Buchhandlung Hintzen gesehen und irgendwie war sofort klar: Die beiden müssen auch bei uns auftreten.“

Ein filmisches Künstlerinnenporträt von Carla Gottwein über die leider schon verstorbene Künstlerin und Autorin Ingeborg Jung wird am Samstag, 14. November, um 18 Uhr gezeigt. Titel: „Wach auf im Diesseits“. Crischa Ohler: Jung setzte sich in ihren Bildern auch mit seelischen Ausnahmezuständen und den Aufenthalten in psychiatrischen Einrichtungen auseinander. Wunderbar sei der Film, sagt van der Linden, „aber das ist auch Humor“. Unter dem Titel „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“, lädt mini-art 14., 15. und 16. Oktober jeweils um 10 Uhr zu einer theatralen Lesung mit Tierfabeln von Toon Tellegen über das Gefühl „Wut“ ein.

Dann geht es ans Erinnern. Am Freitag, 6. November (10 Uhr), und Samstag, 7. November (19 Uhr), sind Ohler und van der Linden auf der Bühne und spielen nochmals „Ein anderes Leben hätt‘ ich mir gewünscht“. Das Stück handelt von Verflechtungen in die NS-Ideologie, von aktiven Vertretern und Mitläufern, von der zweifelhaften Rolle der Ärzteschaft und von einer letztlich tragischen Familiengeschichte. All das wird anhand einer Opfer- und Täterbiografie aufgerollt. In den Bereich des notwendiger Erinnerns gehört auch „Ännes letzte Reise“ – zu sehen am 16., 20., 21., 23. und 26. November. Es geht um das Thema „Euthanasie im Nationalsozialismus“.

"Theaterplakat mit Titel 'Zu Hause ist es am schönsten', linke Hand greift Heizung, Premiere am 4. Dezember"

Bis zur Premiere von „Zu Hause ist es am schönsten, sagte die linke Hand und hielt sich an der Heizung fest“ am 4. Dezember sind es noch ein paar Wochen. Foto: Rüdiger Dehnen

Und dann ist Premiere. Crischa Ohler, Sjef van der Linden und (Haus) Regisseur Rinus Knobel bringen ein Buch von Navid Kermani auf die Bühne. „Wir haben das Buch gelesen und irgendwie war klar: Das möchten wir auf die Bühne bringen.“ mini-art hat sich die Rechte gesichert und erzählt eine „sehr komische Geschichte über Fern- und Heimweh“. Theater von einer fabelhaftleichtnachdenklichen Seite.

Diagnose nach Ansicht des Spielplans: Mehr Abwechslung ist schwer denkbar. Aus Sicht von Ohler und van der Linden ein Wunscherfüllungsspielplan. Wer noch mehr Details möchte, steuert die Website des Theaters an: www.mini-art.de.

Crischa Ohler und Sjef van der Linden stellen den neuen Spielplan vor. NN-Foto: Rüdiger Dehnen