Volksbank Niederrhein trotzt der Krise mit Rekordgewinn
Das Geschäftsvolumen betrug im vergangenen Jahr 4,37 Milliarden Euro / Investoren haben es schwer
Zumindest bislang keine merkbare Auswirkung hatten die wirtschaftliche Krise auch auf den Nettokreditbestand der Volksbank Niederrhein. Dieser stieg im vergangenen Jahr um 10,8 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 1,54 Milliarden Euro. Dabei verteilt sich das Kreditwachstum in etwa zu gleichen Teilen auf die private Baufinanzierung und auf das Firmen- und Gewerbekundengeschäft. „Nach mehr als zwei Jahren Pandemiebelastung hat unsere Kunden, aber auch uns, die kriegsbedingte Wirtschaftskrise mit explodierenden Energiekosten, nie dagewesenen Inflationsraten und einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung stark zu schaffen gemacht“, sagt Vorstandschef Guido Lohmann.
Umso höher seien die Zahlen zu bewerten („In einem für alle so schwierigen Jahr solche Markterfolge melden zu können, fühlt sich richtig gut an“) sowie die Leistung aller 261 Mitarbeiter: „Wir helfen mit aller Kraft, die Krisenzeiten gemeinsam so gut wie eben möglich zu meistern.“
Von den Erfolgen profitieren auch die rund 23.000 Mitglieder der Genossenschaftsbank. Denn Vorstand und Aufsichtsrat der Volksbank Niederrhein werden der Vertreterversammlung vorschlagen, eine Dividendenzahlung von vier Prozent an ihre Mitglieder auszuschütten.
Die hervorragende Bilanz des Bankinstituts im vergangenen Jahr ordnete Lohmann in die gesamten wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ein. So sei der Nachholeffekt beim privaten Konsum nach zwei Jahren der Einschränkung ein wesentlicher Wachstumstreiber gewesen. Unter anderem der Handel, die Gastronomie und die Reisebranche hätten davon enorm profitiert. Für ein insgesamt noch gutes Wirtschaftswachstum in Deutschland seien jedoch auch die staatlichen Hilfen verantwortlich gewesen. „Die Bundesregierung hat durch enorme finanzielle Direkthilfen die Belastungen für Unternehmen und Bürger deutlich abgefedert. Auch wenn es sicher im Einzelnen hieran berechtigte Kritik geben mag, aber das war schon stark, wie schnell und umfangreich die Maßnahmen realisiert worden sind“, sagt Lohmann.
Nun gelte es aber auch den Blick nach vorne zu richten. Denn: „Die finanziellen Belastungen hieraus für unsere Kinder und Enkel steigen durch die überproportional hohe staatliche Unterstützungsleistung nahezu unverantwortlich.“ Wichtig sei nun, jetzt endlich die drängenden Probleme der Wirtschaft wie etwa den Bürokratieabbau, steuerliche Entlastungen gerade im Mittelstand und die Sicherstellung kalkulierbarer Energiekosten mutig anzugehen. Um wieder ein gesundes Wachstum erreichen zu können, könne nicht weiter auf staatliche Impulse gesetzt werden. „Wir brauchen jetzt eine Wirtschaftspolitik, die den Prozess schleichender Deindustrialisierung umkehrt und den Mittelstand entlastet“, fordert Lohmann.
Für 2023 rechnet der Bankenchef allerdings nicht damit, dass sich die Lage wirtschaftlich entspannt. „Das Inflationsgeschehen wird in 2023 schon alleine wegen des eintretenden Basiseffektes zurückgehen. Allerdings erwarte ich für das gesamte Jahr weiterhin eine hohe Belastung der Menschen und Unternehmen durch eine Inflationsrate von um die sechs Prozent“, sagt Lohmann. Eine ähnliche Wachstumsrate wie 2022 sei für die Volksbank Niederrhein wohl in diesem Jahr daher nicht mehr möglich. „Wir sind aber gut aufgestellt und freuen uns auf die Herausforderungen. Wir nehmen sie nicht einfach nur hin, sondern wir gestalten sie“, sagt Lohmann.
Die Zinsen würden jetzt erstmal allerdings auf einem höheren Niveau als in den vergangenen Jahren bleiben. Nach der jüngsten Zinsanhebung durch die Europäische Zentralbank (EZB) geht Lohmann noch von ein bis zwei weitere Zinsschritte in 2023 aus. „Wenn es nicht zu weiteren geopolitischen Krisen oder einer Zuspitzung des Ukraine-Konfliktes beziehungsweise der Situation in Taiwan kommt, sollten wir die Zinsspitzen Mitte bis Ende 2023 gesehen haben“, meint Lohmann, dem allerdings besonders der Wohnungsmarkt große Sorgen bereitet: Gestiegene Baukosten und Zinsen sowie der zunehmende Fachkräftemangel hätten nämlich bereits 2022 dafür gesorgt, dass die Neubautätigkeit deutlich unter den Planzahlen der Bundesregierung liege.
Bezahlbarer Wohnraum werde derzeit kaum noch geschaffen, weil es für Investoren schlichtweg unrentabel sei oder sogar ein großes finanzielles Fiasko zur Folge hätte. „Neubaumaßnahmen sind derzeit auch in Moers oder Xanten nur mit Mietpreisen von 13 Euro und mehr darstellbar. Das löst aber das Kernproblem in keiner Weise“, sagt Lohmann und fordert: „Es wird allerhöchste Zeit, auf politischer Ebene endlich die erforderlichen Rahmenbedingungen deutlich zu verbessern.“
Sabrina PetersDieter Hackstein (l.) und Vorstandschef Guido Lohmann stellten die Geschäftszahlen für das Jahr 2022 vor. NN-Foto: SP