Die Autoren nehmen die Leser mit in vergangene Zeiten. NN-Foto: CDS
3. Januar 2023 · Goch

Viel geschichtlicher Lesestoff

„An Niers und Kendel“: Die 69. Ausgabe greift wieder verschiedene Themen auf

GOCH (CDS). Ein breiter Themen-Mix ist in der 69. Ausgabe der Historischen Zeitschrift für Goch und Umgebung – „An Niers und Kendel“ – vertreten. Franz van Well greift die Geschichte des Gocher Kolpinghauses und der historischen Stücke der Gocher Kolpingfamile auf. Manfred Schmitz erzählt von der Gocher Zinngießer-Familie Beeren. Dieter Bullack erinnet an den Männergesangverein 1898 Goch, stellt die Gocher Pumpengemeinschaften vor und beleuchtet die Entwicklung des Gocher Jugendamtes. Hans-Joachim Koepp widmet sich der Landeslotterie, berichtet vom Gocher Mühlendamm und davon, wie Vogelmist – „Guano“ – Pfalzdorf erheblichen Wohlstand bescherte.

Die katholische Zinngießer-Familie Beeren soll ursprünglich aus Süddeutschland kommen und um dem Druck der Reformation zu entgehen, in die Spanischen Niederlande ausgewandert sein. Der Gocher Zweig stammt aus Heythuysen, in der Nähe von Roermond. Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Männer der Familie im Metall-Handwerk tätig. Arnold Wilhelm Beeren lernte in Rahmen seines Berufes die Hülmer Eisenhändlerin Christina Erdkamp kennen; er heiratete sie 1833 und zog nach Goch. Bereits um 1825 gründete er wohl mit ihrer Unterstützung seine erste eigene Zinngießerei auf der Voßstraße. Arnold Beeren wurde eine angesehene Persönlichkeit in Goch und war später Mitglied und Altmeister der Eligius-Gilde.

Die Geschichte der Gocher Kolpingsfamilie beginnt 1862, das Kolpinghaus an der Mühlenstraße blickte 2022 auf 140 Jahre zurück; beides wurde im vergangenen Jahr mit einem Wandgemälde und einem Fest gewürdigt (die NN berichteten). Im Handwerkersaal des Kolpinghauses werden nach umfangreicher Restaurierung außergewöhnliche Exponate wie die Fahnen aus der Gründungszeit und die Josefsfahne zum 50-jährigen Bestehen der Kolpingsfamilie angemessen präsentiert. Franz van Well, unter dessen Leitung die Broschüre zur Geschichte des Kolpinghauses entstand, kann in seinem Beitrag zu allen Exponaten etwas berichten.

Die Geschichte des Männergesangvereins 1898 Goch stellt Dieter Bullack, der selber im Chor gesungen hat, vor. Die Sänger gaben viele Konzerte und begleiteten Veranstaltungen in Goch und Ungebung; nicht zuletzt im Karneval, der in Goch stets einen großen Stellenwert einnahm. Das 100-jährige Jubiläum wurde noch gefeiert, doch allmählich schlief das Vereinsleben ein; wie bei vielen Vereinen fehlte auch hier der Nachwuchs. Einer der letzten Auftritte fand 2005 im Garten der Bruderschaft Zu unserer Lieben Frau statt. Ganz typisch für den Niederrhein sind die Pumpengemeinschaften. In den Nachkriegsjahren erlebten sie einen neuen Aufschwung, auch um in der zerstörten Stadt wieder sauberes Wasser zu bekommen. In früheren Zeiten wurden die Brunnen nicht nur für Trinkwasser, sondern auch für Löschwasser benötigt. Brunnenmeister waren dafür zuständig, dass alles funktionierte. Heute haben die Pumpengemeinschaften nachbarschaftlichen, geselligen Charakter; die älteste dürfte die Vrouwenpoort sein. Auch in den Gocher Ortsteilen gibt es viele Pumpengemeinschaften.

Seit 1984 hat die Stadt Goch wieder ein eigenes Jugendamt. Zuvor war die Weberstadt eine Außenstelle des Kreisjugendamtes Kleve. Durch die neue Regelung versprach man sich eine bürgernähere Erfüllung der Jugendhilfe- und Jugendschutzaufgaben. Insgesamt fünfmal zog das Jugendamt um, zuletzt in den Rathausneubau. Dieter Bullack beschreibt den Neuanfang und die Entwicklung der Aufgabenbereiche. Die Hoffnung auf den ganz großen Lottogewinn ist keine Erfindung der Moderne; bereits in früheren Jahrhunderten setzten die Menschen auf das Losglück. Hans-Joachim Koepp schildert, wie damit versucht wurde, Staatsschulden zu tilgen. Preußen führte eine Zwangslotterie ein; jeder Haushalt musste zwei Lose kaufen, die ab 1764 von Steuerrezeptoren ausgegeben wurden. Kritiker der Lotterien erreichten aber 1849, dass die Nationalversammlung das reine Zahlenlotto einstellen ließ. Nur noch Bau- und Hilfsprojekte durften unterstützt werden. So gab es zum Beispiel eine Lotterie, die den Kirchbau in Stettin finanzieren sollte. Dafür und für andere Lotterien wurde fleißig in Gocher Zeitungen geworben. Erst 1953 wurde mit dem Zahlenlotto das reine Glücksspiel in Westdeutschland wiederbelebt.

Außerdem berichtet Koepp von einem heute aus dem Gocher Stadtbild verschwundenen Bauwerk: den rund 600 Meter langen Mühlendamm. Dieser war künstlich geschaffen worden, bot Schutz bei Niershochwasser und diente auch als Weg in die Stadt. 1343 taucht er als „molyn dyk“ und 1367 als „Moydick“ in Akten auf. Erst als ab 1927 der Stadtpark angelegt wurde, verschwand der Damm aus dem Gocher Stadtbild.

Von den „goldenen Zeiten“ des Guano handelt der letzte Beitrag. Der Pfalzdorfer Bürgermeister Heinrich Rehmann, der das Amt von 1835 bis 1847 ausübte, etablierte diesen natürlichen Dünger, der den Bauern etliche Jahre bessere Ernten bescherte. Zum Dank wurde eine Straße nach dem Bürgermeister benannt – die rehamnnstraße erinnert noch heute an ihn.

Das Heft ist zum Preis von 3,50 Euro in den Gocher Buchhandlungen oder im Versand beim „Historischen Arbeitskreis an Niers und Kendel“, Holunderweg 8, 47574 Goch, E-Mail an: megohm@t-online.de (zuzüglich Versandkosten 2,20 Euro) erhältlich.

Die Autoren nehmen die Leser mit in vergangene Zeiten. NN-Foto: CDS