Über 2.300 mal Hilfe bei Verbraucherproblemen
Jahresbericht 2025: Verbraucherzentrale Kreis Kleve verzeichnet weiterhin hohe Nachfrage
KREIS KLEVE. Untergeschobene Verträge, missglückte Widerrufe oder Ärger mit Zahlungsdienstleistern: Bei rund 2.300 Anliegen war die Verbraucherzentrale im Kreis Kleve im vergangenen Jahr wieder verlässliche Ansprechpartnerin, um Verbraucherrechte durchzusetzen oder unberechtigten Forderungen einen Riegel vorzuschieben. „Käufe, Buchungen oder Vertragsabschlüsse finden heute überwiegend digital statt. Das ist einerseits bequem, führt aber auch zu vielfältigen und immer komplexer werdenden Problemen. Wenn Anbieter dann nur noch per KI-gesteuertem Chatbot oder Kontaktformular erreichbar sind oder gar nicht reagieren, sind viele Verbraucher:innen überfordert“, berichtet Carmen Hesse, Leiterin der Verbraucherzentrale Kreis Kleve.
Von immer professioneller gestalteten Fakeshops über vermeintliche „Hilfen“ beim Ausfüllen von Behördenanträgen bis hin zu Coaching-Angeboten mit zweifelhaftem Nutzen: So manches Online-Schnäppchen wurde für die Verbraucher im Kreis Kleve im vergangenen Jahr zur kostspieligen Falle. „Die Menschen sind dann sehr erleichtert, wenn ihre Probleme gelöst werden können“, so Hesse. Der Blick in den Jahresbericht 2025 zeigt: Bei rund 1.100 Rechtsberatungen und -vertretungen haben sich die Verbraucherschützer zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt.
Typische Fälle aus der Beratungspraxis: Reklamationen wurden von Händlern mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt; Bei Online-Bestellungen kam es zu falschen Lieferungen und strittigen Retouren; Kostenfallen durch sogenannte Dokumenten-Dienstleister nahmen zu; Abo-Fallen, etwa bei vermeintlich kostenlosen Zeitschriften, sorgten für Beschwerden; Aufdringlicher Vertrieb beim Glasfaserausbau führte zu unerwünschten Vertragsabschlüssen.
Besonders in Erinnerung ist der Leiterin des Beratungsstandortes der Fall eines angeblich online abgeschlossenen Kreditvertrages, für den von zwei Inkassobüros Forderungen gestellt wurden. Der Verbraucher bemühte sich zunächst selbst und leider erfolglos um eine Fallklärung. Schließlich wurde ihm sogar ein gerichtliches Verfahren angedroht. Die Verbraucherzentrale im Kreis Kleve half bei der Rechtsdurchsetzung und die unberechtigten Forderungen wurden zurückgezogen.
Kein Schutz beim Käuferschutz
Ein zentrales Thema im Berichtsjahr: der vermeintliche Käuferschutz bei Zahlungsdiensten wie PayPal, Klarna oder Amazon Pay. Viele Verbraucher verließen sich darauf – und standen im Streitfall dennoch ohne Erstattung da. Das Beraterinnen-Team der Verbraucherzentrale im Kreis Kleve klärte rund um den Weltverbrauchertag im März vergangenen Jahres darüber auf, dass gesetzliche Gewährleistungsrechte oft weiterreichen als freiwillige Schutzversprechen der Anbieter.
KI bringt neue Herausforderungen
Auch der Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) ist in der Beratung deutlich spürbar, so die Leiterin: „Eine falsche KI-Rechtsauslegung führt oft zu Erwartungen, die sich rechtlich gar nicht durchsetzen lassen. Wir müssen diese Erwartungen dann in realistische Bahnen lenken – und manchmal auch enttäuschen.“ Zugleich beobachtet die Verbraucherzentrale NRW neue Risiken: KI-generierte Inhalte können Verbraucher in unseriöse Beratungsangebote führen. Perspektivisch sollen jedoch auch eigene KI-Anwendungen die Arbeit der Verbraucherschützer unterstützen. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie nach Informationen suchen und prüfen, wie KI unsere Beratung sinnvoll ergänzen kann“, erklärt Carmen Hesse.
Erneuerbare Energien und Klimaanpassung
Extreme Wettereignisse wie Hitze und Starkregen werden auch im Kreis Kleve zunehmend spürbar und fordern Hauseigentümer und Mieter heraus, sich an die Folgen der Klimaveränderung anzupassen. Aber auch die hohen Kosten für fossile Brennstoffe treiben die Verbraucher um. „Ob Begrünung und Dämmung oder Steckersolargeräte und neue Heizungstechnik: Mit Vorträgen und Online-Seminaren haben wir aufgeklärt und praktische Informationen vermittelt, wie das Zuhause in Sachen Energie auf Zukunftskurs gebracht werden kann – teilweise schon mit einfachen Maßnahmen, die nicht viel kosten“, so Hesse.
„Viele Menschen sind besorgt und verunsichert wegen der aktuellen Auswirkungen globaler Krisen wie dem Irankrieg. Steigende Preise für Energie und Lebenshaltung belasten gerade Haushalte mit geringem Einkommen. Da ist besonders wichtig und hilfreich, wenn wir bei Alltagsproblemen unterstützen und finanziellen Schaden abwenden können“, so das Fazit der Leiterin Carmen Hesse.
Weiterführende Infos unter www.verbraucherzentrale.nrw/kleve-jahresbericht2025